Theaterstück „Todesengel“ dient der Gewaltprävention

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Mia im Gespräch mit dem Außenseiter Sandro.

Kierspe - Mit flackerndem Blaulicht, mehreren Schüssen und markerschütterndem Geschrei zog das Theaterstück „Todesengel“ die Neuntklässler der Gesamtschule sofort in seinen Bann. Das Wittener Tournee-Theater um Sonni Maier transportierte ein erschreckendes Szenario ins PZ: einen Amoklauf.

Die Bühne wird langsam in rotes Licht getaucht. Eine regungslose Person liegt dort. Das ist die Protagonistin, die 16-jährige Mia (Sonni Maier). Sie ist eines der Opfer des Amoklaufs. Die Bilanz ist schrecklich: noch zehn weitere Schüler, zwei Lehrer und der Täter selbst sind tot.

Doch Mia wird im Jenseits wieder wach und spricht mit Gott. Sie erstreitet sich eine zweite Chance und darf zurück auf die Erde. 24 Stunden vor dem Amoklauf. Schafft sie es, diesen zu verhindern? Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die Schauspieler des Stücks „Todesengel“ setzen genau an dieser Stelle mit ihrer Intention, der Gewaltprävention, an. Sie wollen den Gesamtschülern vor Augen führen, was Mobbing und Gewalt mit Menschen machen kann. Und wie Vorurteile, Gemeinheiten und bösartige Angriffe einen Schüler so weit bringen können, sich selbst und alle anderen zu hassen – und zum Amokläufer zu werden.

Mia zwischen "Ghetto-Braut", Metal-Fan und Außenseiter

Mia hat keine Ahnung, welcher ihrer Klassenkameraden zu solch einer Tat in der Lage sein könnte. Zusammen mit dem schüchternen Streber und Außenseiter Sandro macht sie sich auf die verzweifelte Suche nach dem Amokläufer. Dabei wird sie – wie im echten Leben – mit ganz verschiedenen Charakteren konfrontiert.

Denen wiederum schlagen Vorurteile entgegen: Hülya ist Türkin, kommt aus einem problembehafteten Viertel und wird von aller Welt als gewaltbereite, protzige, aufgedonnerte „Ghetto-Braut“ wahrgenommen. Hendrik ist ein düster gekleideter Metal-Fan mit Computer-Tick. Sandro wird gemobbt, ist einsam, hat niemanden zum reden – und liebt Mia, die seine Liebe nicht erwidert.

In dem einstündigen Theaterstück gerät Mia mit den Personen aneinander und stößt auf nicht immer einfache soziale Strukturen im Schulalltag aber auch im Privatleben ihrer Mitschüler.

Drastische Szenen ziehen die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich

Die Gesamtschüler erlebten eine Stunde lang erschütternde Licht- und Toneffekte, eine drastische Wortwahl der Figuren und eine schonungslose Darstellung des Amoklaufs und des Todes. Auch durch witzige Passagen und typische Jugendsprache blieben sie aufmerksam.

Ein Amoklauf hat meist einen langen Vorlauf. Letzteres wurde vor allem im ausführlichen pädagogischen Gespräch zwischen den Schülern und den Schauspielern klar. Gemeinsam erarbeiteten sie Möglichkeiten, Mobbing zu vermeiden. „Den Mobbern die Meinung sagen“, riet Marcel Gewehr (spielt Sandro).

Dem Opfer der Mobbing-Attacken helfe oftmals eine einfache Kontaktaufnahme, die zeigt, dass derjenige nicht allein ist, sagte Sonni Maier. Allein dadurch könne manchmal Schlimmeres verhindert werden.

In der fiktiven „Todesengel“-Welt kann Mia den Amokläufer Sandro abhalten, seine Mitschüler zu erschießen. Sie selbst bekommt aber selbst eine Kugel der Polizei ab, da sie den dunklen Mantel des Amokläufers über der Schulter trägt.

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