Gesamtschule Kierspe erneut als Digitale Schule ausgezeichnet 

Digitales Lernen als Normalität

Das Tablet wird in jedes Unterrichtsfach eingebunden. Selbst im Sport- oder Deutschunterricht darf das digitale Endgerät an der Kiersper Gesamtschule nicht fehlen.
+
Das Tablet wird in jedes Unterrichtsfach eingebunden. Selbst im Sport- oder Deutschunterricht darf das digitale Endgerät an der Kiersper Gesamtschule nicht fehlen.

Kierspe – Seitlich am Schulgebäude klafft ein tiefes Loch, dort soll die Gesamtschule an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Wann das so weit ist, weiß niemand genau. Dabei würde dieser Anschluss sehr dabei helfen, die Schule bei ihrer Digitalisierung nach vorne zu bringen.

Doch auch ohne das schnelle Netz hat die Schule in den vergangenen Jahren viel geschafft – und wurde nun bereits zum zweiten Mal als „Digitale Schule“ von der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ ausgezeichnet. Alle drei Jahre vergibt die Initiative, der unter anderem das Fraunhofer-Institut, der Bundesverband IT-Mittelstand und der VDI angehören, diesen Preis.

2017 durfte sich die Gesamtschule erstmals über die Urkunde freuen, nun ein zweites Mal. Nur 49 Schulen in NRW wurden in diesem Jahr ausgezeichnet, darunter 35 Gymnasien und fünf Gesamtschulen – die restlichen neun Urkunden gingen an Berufskollegs. Bemerkenswert dabei ist, dass von den 49 Schulen nur 16 die Auszeichnung zum zweiten Mal bekamen.

Die Beamer lassen sich sehr viel besser in unser Konzept des kooperativen Lernens einbauen. Bei den interaktiven Tafeln besteht die Gefahr, dass diese den Frontalunterricht weiter fördern.

Johannes Heintges, Schulleiter

Begonnen hat an der Gesamtschule alles 2013 – und mit Geld von Sponsoren. Mittlerweile sind fast alle Klassen mit Tablets ausgerüstet, und die 70 Beamer im Gebäude entsprechen fast alle der dritten Generation. Beamer deshalb, weil man auf die sogenannten Active- oder auch Whiteboards verzichtet hat. „Die Beamer lassen sich sehr viel besser in unser Konzept des kooperativen Lernens einbauen. Bei den interaktiven Tafeln besteht die Gefahr, dass diese den Frontalunterricht weiter fördern“, sagt Schulleiter Johannes Heintges. Jan Przyblyla, der Medienkoordinator der Schule, unterstreicht die Bedeutung der Hardware für die Auszeichnung als Digitale Schule. Dazu gehöre auch die Versorgung mit WLAN in allen Räumen der Schule, vor allem aber ein digitales Konzept.

„Zentraler Gedanke dieses Konzepts ist es, dass der Umgang mit digitalen Endgeräten für die Schüler so selbstverständlich ist wie der Umgang mit Buch und Heft“, sagt Heintges. Stefanie Bergfeld als MINT-Koordinatorin betont, dass diese Endgeräte in allen Fächern ihren Einsatz finden. Selbst im Sport werden Übungen mit den Tablets aufgezeichnet und anschließend analysiert. „Wichtig ist uns, dass wir die Geräte dort einsetzen, wo es einen Mehrwert gibt, beispielsweise bei der Recherche, der Tabellenerstellung oder dem Erarbeiten von Referaten“, so Heintges. Im Mathematikunterricht kann man beispielsweise die Gleichungen mit Hilfe sich verändernder Graphen sehr viel besser darstellen“, sagt Andreas Achenbach, der seine Funktion selbst als First-Level-Support (der erste Ansprechpartner für Beratung und Hilfe im IT- und Computerbereich) definiert.

Freuen sich über die erneute Auszeichnung als Digitale Schule: Johannes Heintges, Anne Reiche, Stefanie Bergfeld, Alexander Achenbach und Jan Przybyla (von links).

Zu dem Konzept gehört aber nicht nur der Einsatz der Geräte, sondern auch der Verzicht darauf und der verantwortliche Umgang damit. So ist in den Pausen die Nutzung von Handy, Tablet und Co untersagt.

Ungeladene oder nicht mitgebrachte Geräte werden genauso behandelt wie vergessene Hausarbeiten oder andere Schulmaterialien. „Das kommt aber kaum vor. Die Kinder sind nach wie vor begeistert, die Geräte nutzen zu können. Und damit diese dann auch lange durchhalten, stehen immer mehr Steckdosen zur Verfügung und viele Schüler nutzen auch mobile Ladegeräte (Powerbank), damit es keinen Ausfall gibt“, erzählt die Didaktische Leiterin der Gesamtschule, Anne Reiche.

„Die meisten Bedenken kamen vor sieben Jahren nicht von den Schülern, sondern von den Lehrern“, erinnert sich Heintges. Man sei aber damals dennoch gestartet und habe erfahren dürfen, dass die meisten Bedenken sich als gegenstandslos erwiesen hätten. Dafür habe es Probleme gegeben, die niemand vorausgesehen habe, vor allem mit der Hardware. Schwierig sei es auch gewesen, eine Fortbildung zu organisieren, da es wenig Spezialisten im Land gab. Heintges: „Die haben wir uns in ganz NRW zusammengesucht.“

Die Kinder sind nach wie vor begeistert, die Geräte nutzen zu können.

Anne Reiche, Didaktische Leiterin

Fragt man heute, gibt es nach Aussage von Heintges bei den Lehrern keine Vorbehalte mehr: „Als wir vor Kurzem über eine neue Lern- und Kommunikationsplattform abgestimmt haben, gab es 100 Prozent Zustimmung und nur eine Enthaltung. Da hat sicher auch die Pandemie mit den Schulschließungen einiges bewirkt.“

Die neue Plattform soll auch dann zum Einsatz kommen, wenn es erneut eine Schließung geben würde. Zwar habe der Stand der Digitalisierung bei der Beschulung auf Distanz sehr geholfen, habe aber auch die Schwächen aufgezeigt. Mit der neuen Plattform sollen dann alle Schüler und Lehrer vernetzt werden und einheitliche Zugänge erhalten. Auch eine Cloud-Lösung, für die sich die Schule seit Jahren einsetzt, soll es dann geben, erklärt Reiche. „Ich denke, im Dezember sind wir so weit, dass alle mit der Plattform arbeiten können. Allein zwischen den Sommer- und Herbstferien hat es fünf Schulungen für die Lehrer gegeben, damit diese ihr Wissen an die Schüler weitergeben können.

Die „Digitale Schule“

Zu den Beweggründen, „Digitale Schulen“ auszuzeichnen, schreibt die Initiative „MINT Zukunft schaffen“, die die Auszeichnung vergibt: „Um Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung abwägen zu können, bedarf es einer guten schulischen Bildung und einer damit verbundenen Reflexions- und Urteilsfähigkeit. Laut der ‚Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft‘ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ergänzt die Beherrschung von Informations- und Kommunikationstechnologien die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen. Demnach ist das Ziel von Bildung in der digitalen vernetzten Welt (kurz: Digitale Bildung) im Kern das von Bildung generell: Sie soll den Menschen helfen, sich als selbstbestimmte Persönlichkeiten in einer sich ständig verändernden Gesellschaft zurechtzufinden, verantwortungsvoll ihre eigenen Lebensentwürfe zu verfolgen und sie zu einer verantwortlichen Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen, politischen, beruflichen und wirtschaftlichen Leben zu befähigen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare