Neue Bewertung der Prüfung ist nun möglich

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Bei den Prüfungen für den mittleren Abschluss fanden die Schüler vor allem in Englisch sehr schwere Aufgaben vor. Nun wurde das Bewertungs-Schema geändert.

Kierspe - „Die Schüler waren unmittelbar nach der Prüfung schon sehr frustriert. Wir mussten etliche trösten“, erinnert sich Andrea Thiede, Leiterin der Jahrgänge 9 und 10 an der Gesamtschule, an den Tag der vergangenen Woche, an dem „ihre“ Schüler die zentrale Englisch-Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss geschrieben hatten. Jetzt sieht die Welt für die Schüler aber schon wieder ganz anders aus. Neue Bewertungsrichtlinien und die Möglichkeit eines Nachschreibetermins geben den Schülern neue Möglichkeiten.

Insgesamt besuchen derzeit 196 Schüler den zehnten Jahrgang der Gesamtschule, von diesen befinden sich 134 im Englisch E-Kurs (Erweiterungskurs), meist jene, die nun auch einen mittleren Bildungsabschluss ablegen müssen, um entweder die Schule mit diesem Abschluss zu verlassen oder auch, um weiter an der Schule zu bleiben, um dort Abitur zu machen.

Grundsätzlich ist es so, dass am Vortag der Prüfung ein Download des Ministeriums mit den zentralen Prüfungsaufgaben bereitsteht. „Dieser wird dann von zwei Lehrern durchgeführt, die nichts mit der Prüfung zu tun haben“, erklärt Thiede. „Die Kollegen kopieren dann die Aufgaben und kontrollieren auch, ob die Audio-Datei technisch in Ordnung ist. Die Kollegen, die die Prüfung beaufsichtigen, sehen und hören die Aufgaben dann erst, wenn auch die Schüler diese gestellt bekommen.“

Nach Einschätzung von Thiede, die dann auch erst am Prüfungstag die viel kritisierte Audio-Datei hörte, in der Prinz Harry über Aids und Südafrika sprach, war diese nicht so schwer zu verstehen gewesen, jedoch bemängelt sie, dass das Gehörte nur sehr schwer in einen Zusammenhang mit den dazugehörigen Fragen gebracht werden konnte.

Nach dem ersten Schock hätten sich zahlreiche Schüler an der Online-Petition beteiligt, die insgesamt von knapp 50 000 betroffenen Schülern unterzeichnet wurde. „Der Link wurde in Whats-App-Gruppen in Windeseile unter den Schülern verbreitet“, erzählt die Jahrgangsleiterin.

Danach kam es dann zu einer Reaktion des Ministeriums. „Gestern haben wir einen neuen Download bekommen, der ein geändertes Bewertungs-Schema enthält. Dort ist nun vorgesehen, dass die letzten vier Aufgaben im Bereich Hörverstehen gestrichen werden. Sollten Schüler dort jedoch richtig geantwortet haben, dürfen die Lehrer Zusatzpunkte geben“, erklärt Thiede, die nicht davon ausgeht, dass unter diesen Voraussetzungen allzu viele Schüler eine neue Prüfung machen werden – ein Recht, das ihnen das Ministerium ausdrücklich einräumt.

Über ihre Möglichkeiten im Zusammenhang mit dieser Prüfung fand gestern eine Vollversammlung im PZ statt, in der die Schüler über die geänderten Bewertungen informiert wurden. Thiede: „Es wird keine Einzelberatungen geben, das ist auch nicht erlaubt. Doch die Schüler haben ein Gespür dafür, wie sie in der Prüfung abgeschnitten haben.“

Jetzt haben die Betroffenen noch bis Montag Zeit, sich für oder gegen eine neue Prüfung zu entscheiden. „Wir geben allen Schülern einen Brief an die Eltern mit, in dem alles noch einmal erklärt wird. Dann können Eltern und Kind noch einmal gemeinsam überlegen. Außerdem haben die Schüler am Montag noch einmal die Gelegenheit, mit ihrem Fachlehrer zu sprechen – wobei auch dort keine Gespräche über das Abschneiden bei der ersten Prüfung geführt werden.“

Die Schüler, die sich für eine neue Prüfung entscheiden, müssen dann am Donnerstag noch einmal zum Stift greifen, denn an diesem Tag findet der Nachschreibetermin statt.

Die Schüler, die wiederholen, bekommen dann auch die Prüfung, die von Anfang an für die Nachschreiber vorgesehen war. Insgesamt dauert die Prüfung in Englisch 130 Minuten.

Andrea Thiede äußert sich aber auch noch ganz allgemein zu der Prüfung im Fach Englisch: „Diese Prüfungen sind generell eher schwer. Die Schüler müssen dabei in einer Art mit Texten umgehen, wie es eigentlich erst von Oberstufenschülern verlangt wird. Bei der Prüfung in der vergangenen Woche war im Vorfeld klar, dass es um Themen aus dem Bereich Südafrika geht. Doch dieses Feld ist groß, da wurde genauso über Apartheid gesprochen wie über Nelson Mandela. Dass es nun um Aids und ,Mama Africa’ ging, wusste niemand im Vorfeld. Da fehlen dann natürlich auch Vokabeln.“

Zufrieden ist die Jahrgangsleiterin allerdings mit der Lösung, die durch das Landesministerium gefunden wurde: „Jetzt ist der Bewertungsspielraum der Kollegen größer. Das kommt letztlich den Schülern zugute.“

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