Gesamtschüler auf der „Insel des Grauens“

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Michael Brück führte die Fünftklässler, die alle Augenbinden trugen, blind über die „geheimnisvolle Insel“ vorbei an imaginären stechenden und giftigen Pflanzen. ▪

KIERSPE ▪ Abenteuer und Spannung pur waren angesagt, als sich die Schüler der Klasse 5.7 gestern auf die „Insel des Grauens“ wagten. Zu dieser wurde von den beiden Sozialpädagogen der Gesamtschule, Gisela Bastian-Perkert und Michael Brück, kurzerhand das Umfeld des Freizeitheims des Bibellesebundes in Holzwipper umfunktioniert.

Mit Augenbinden im Gesicht bewegten sich die Mädchen und Jungen in einer langen Reihe hintereinander, wobei jeder sich an seinem Vordermann festhielt, an einem großen Kochtopf vorbei. „Vorsicht ihr kommt jetzt an dem heißen Topf eines Indianerstammes vorbei, der sehr scharfe Kanten hat“, sagte Brück dazu. Die Klasse nahm an dem erlebnispädagogischen Schülerseminar „Gemeinsam sind wir stark“ teil, das zur Gruppenbildung dient.

Weiter ging es dann an einigen Buchsbäumen entlang, bei denen der Sozialarbeiter vor „gefährlichen Killerpflanzen“ warnte. Als die nackten Beine unter den kurzen Hosen und Röcken an den Gewächsen entlangstrichen, war das für einige schon ein etwas komisches Gefühl. Immerhin konnte keiner der Schüler wegen der Augenbinden sehen, was das war.

Der heraufbeschworene „Säbelzahntiger“ ließ sich dann jedoch nicht sehen. Weiter ging es im vorsichtigen Tippelschritt durch eine „gefährliche Schlucht“ und an den spitzen Blättern eines Ilex vorbei, die „messerscharf und vergiftet“ seien, ließ Brück seinen Horror fantasien freien Lauf. Schließlich kamen die 13 Kinder an einem „Spinnennetz“ aus Gummibändern, das zwischen zwei Bäumen gespannt war, an. Gruppenaufgabe war nun, dass alle in kurzer Zeit, ohne die Bänder zu berühren, auf die andere Seite gebracht werden mussten: Die Kinder krochen unten hindurch, trugen andere gemeinschaftlich durch höher liegende Freiräume, bis alle es tatsächlich geschafft hatten. Immer im Hinterkopf, dass eine „über zwei Meter große Spinne“ irgendwo lauerte.

Zuerst wurde morgens von der Gesamtschule aus nach Holzwipper gewandert, dann gab es den ganzen Tag über verschiedene Spiele und Aufgaben, zu bewältigen: Los ging es nach dem Frühstück am Morgen damit, dass sich die Schüler nach verschiedenen Ordnungsprinzipien aufstellen mussten, nach ihrem Alter, alphabetisch nach ihrem Namen oder nach der Zahl der bei ihnen zuhause schlagenden Herzen. Dazu war ziemlich viel Abstimmung untereinander nötig und sie lernten sich untereinander weiter kennen. Bei einer Vertrauensübung kam es außerdem zu einer Blindführung mit Berührungen oder Stimme.

Dann war es auch schon Zeit fürs Mittagessen, wo sich die Mädchen und Jungen den Fisch mit Kartoffeln schmecken ließen. Nachmittags wurde die Gruppe zweigeteilt: Während die einen sich über die „Insel des Grauens“ auf den Weg zum „Spinnennetz“ machten, arbeiteten sich die anderen zwölf Schüler an einem Seil entlang durch Wald und Farndickicht. Später wurde getauscht.

Gisela Bastian-Perkert und Michael Brück wurden bei der Aktion unterstützt durch Schüler des Pädagogik-Leistungskurses im zwölften Schuljahr. Letzte Aufgabe für die gesamte Klasse war gestern die Überquerung eines imaginären Flusses mit Hilfe von Steinen, die ins Wasser geworfen wurden. Dazu dienten Teppichbodenfliesen. Aber durch Teamwork gelang auch dies. Dann wurden die Kinder nach einem aufregenden Tag von ihren Eltern abgeholt.

Die Klasse 5.7 war die letzte Gruppe des Jahrgangs, die die Abenteuer auf der „Insel des Grauens“ zu bestehen hatte. Die beiden Sozialpädagogen waren sieben Tage lang immer wieder mit einer anderen Klasse im Freizeitheim des Bibellesebundes. ▪ Rolf Haase

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