Erleben, wie Demokratie funktioniert

Schüler wählen „ihren“ Bundestag

U18-Wahl in der Gesamtschule Kierspe
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Wahlkabine und Wahlurne, von denen es vier gab, standen gleich nebeneinander.

Zum ersten Mal in dieser Form wurde in der Gesamtschule Kierspe (GSK) eine U18-Wahl durchgeführt, an der sich alle Klassen der Jahrgänge 7 bis 13 beteiligten und auch einige 5er- sowie 6-er Klassen.

Kierspe - Diese Wahl, die im Pädagogischen Zentrum der GSK mit vier Wahlkabinen und am Nachmittag auch im Fahrzeug des Jugendzentrums durchgeführt wurde, war eine Kooperation zwischen der Schule und dem Jugendzentrum.

Während die GSK und hier insbesondere Anne Reiche, pädagogische Leiterin, Claudia Koch-Meitz und Alican Sevim, beide SV-Verbindungslehrer, für Vorbereitung und Durchführung bei den Schülern verantwortlich zeichneten, sorgte das Jugendzentrum für Anmeldung – die Wahl wird in ganz Nordrhein-Westfalen durchgeführt –, Auszählung und Ergebnisübermittlung.

Natürlich gab es bei der U18-Wahl auch so etwas wie Wahlvorstände: Schülerinnen und Schüler des elften Jahrgangs hatten sich als Wahlhelfer zur Verfügung gestellt und sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Diesmal hätte es, so konnte Christian Schwanke, stellvertretender Jugendzentrumsleiter, berichten, 630 Wahllokale in mehr als 160 Städten in NRW gegeben. Vor vier Jahren, so Schwanke weiter, sei das Ergebnis der U18-Wahl, an der rund 53 000 Schüler teilgenommen hatten, ähnlich dem der Bundestagswahl gewesen – mit einem erstaunlichen Punkt: Bei den Unter-18-Jährigen hätte es die AfD nicht in den Bundestag geschafft. Diesmal spielte allerdings die Corona-Pandemie eine Rolle, insofern, dass oft die Bedürfnisse der Jugendlichen bei vielen Entscheidungen unberücksichtigt blieben.

Daher ging es nicht nur darum, Demokratie zu thematisieren, zu erleben, wie sie und natürlich auch Wahlen funktionieren, sondern um die Schwerpunkte sichtbar zu machen, welche die Jugendlichen setzen. Aber auch wenn die Gesamtschüler klassenweise ins PZ kamen und in langen Schlangen vor den Wahlkabinen standen, einen Wahlzwang gab es natürlich nicht. Die Wahlhelfer, welche Jugendliche des elften Jahrgangs stellten, arbeiteten die Klassenlisten ab und fragten nach: „Willst du dich enthalten oder wählen!“

Klassenweise rückten die Schülerinnen und Schüler im PZ zur U18-Wahl an.

Wie im richtigen Leben, so gab es auch bei der U18-Wahl – wahlberechtigt sind alle, die noch keine 18 Jahre alt sind – einige „Nichtwähler“. Die anderen gaben ihre Zweitstimme ab – auf Direktkandidaten und damit die Erststimme war verzichtet worden. „Das wäre zu umfangreich geworden“, verdeutlichte Christian Schwanke.

Auf jeden Fall soll durch diese Wahl die Politik wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden, so Schwanke, der die gute Zusammenarbeit mit der Gesamtschule lobte. Denn dass bei den Schülern ein politisches Bewusstsein vorhanden sei, konnten Reiche, Koch-Meitz und Sevin bestätigen. „Wir geben nichts vor, aber wir reden über das Gesagte, thematisieren es!“ Schließlich sei es auch ein Schritt zu mehr Eigenverantwortlichkeit der Schüler in ihrem „zweiten Kinderzimmer“. Denn die Mädchen und Jungen verbringen bis zu acht Stunden in der Schule, also einen großen Teil des Tages.

Federführend bei der U18-Wahl in der GSK waren Christian Schwanke, Claudia Koch-Meitz, Anne Reiche und Alican Sevin (von links).

Der Stimmzettel zur U18-Wahl zum Deutschen Bundestag enthielt, genau wie das Original 27 Parteien beziehungsweise Gruppierungen, von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Linke und AfD über ÖDP, DKP sowie Bündnis C bis hin zu LfK und Volt. Bundesweit und auch in Nordrhein-Westfalen gingen die Grünen als knapper Wahlsieger vor der SPD und der CDU hervor.

Doch im Wahllokal Gesamtschule war es mit Abstand die SPD, die 35,7 Prozent der Stimmen erhielt. 20, 4 Prozent der Gesamtschüler wählten die CDU, 10,5 Prozent die FDP. Es folgten mit jeweils neun Prozent Bündnis 90/Die Grünen und die AfD. Bei den Kiersper Gesamtschülern hätten es Die Linken nicht in den Bundestag geschafft, sie kamen auf 4,5 Prozent – bei einer Wahlbeteiligung von 75 Prozent.

Kunststofffrei

Zur Eigenverantwortlichkeit gehört, dass die Schüler den Weg der GSK zu einer kunststofffreien Schule mitgehen. Die Mädchen und Jungen sollen keine Wegwerf-, sondern nach Möglichkeit wiederverwertbare Becher bei den Wasserspendern verwenden.

Schüler mit Wahlen vertraut

Wahlen sind für die Gesamtschüler nichts Neues. Nicht nur, weil das Thema im Unterricht thematisiert wurde. Auch die Schülersprecher, so erläuterten Reiche, Sevim und Koch-Meitz, würden auf diese Art gewählt, auch wenn die Corona-Pandemie vieles deutlich erschwert habe. Das gilt ebenfalls für die Einrichtung von Stufenparlamenten, die sich in der GSK im Aufbau befänden. Für den fünften und sechsten Jahrgang gebe es schon solche Einrichtungen – schließlich seien die Interessen und Bedürfnisse eines Elf- oder Zwölfjährigen anders als die eines 17- oder 18-Jährigen.

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