Rangelei um Fahrerlaubnis: Gericht verdonnert 28-Jährigen zu gemeinnütziger Arbeit

Symbolbild.

Kierspe – Wer für Theorieunterricht und Fahrstunden bezahlt, hat dadurch keine Garantie auf eine Fahrerlaubnis. Und wer bei der Fahrprüfung durchfällt, bekommt kein Geld zurück. Für eine Wiederholung muss er erneut zahlen. Diese unstrittigen Fakten hatte ein 28-jähriger Kiersper noch nicht so ganz verinnerlicht.

Nachdem er durch die Fahrprüfung gefallen war, setzte er seinen Fahrlehrer unter Druck. Erfüllte er dabei einen Straftatbestand?

Laut Anklage sollte er den Fahrlehrer genötigt, wenn nicht sogar räuberisch erpresst haben, ihm entweder den Führerschein zu verschaffen oder sein Geld zurückzugeben. Von dieser Anklage blieb im Amtsgericht Lüdenscheid allerdings nicht viel übrig.

Das Interesse an einer strafrechtlichen Aufarbeitung schien bei allen Beteiligten recht mäßig zu sein: Zu einem ersten Verhandlungstermin waren weder der Angeklagte, noch der Fahrlehrer und seine Ehefrau ins Amtsgericht gekommen. 

Mit Unterarm gegen Fensterscheibe gedrückt

Nun war der Angeklagte vor dem Schöffengericht erschienen, nicht aber die beiden Belastungszeugen. Da Richter Andreas Lyra die Sache nicht erneut vertagen wollte, nahm er amtlichen Kontakt zu den Zeugen auf. Ihnen blieb eine Vorführung durch die Polizei erspart, weil sie sich bereitwillig doch noch auf den Weg nach Lüdenscheid machten. Der Fahrlehrer schilderte, wie er an jenem 26. Mai 2018 die Fahrschule bereits abgeschlossen habe, als es nach dem Unterricht zum Streit kam: „Ich habe ihm gesagt, dass ich das nicht mehr wollte – er solle sich eine neue Fahrschule suchen.“ Kurz darauf habe ihn der 28-Jährige mit dem Unterarm gegen eine Fensterscheibe gedrückt und auf Intervention eines anderen Fahrschülers auch sofort wieder von ihm abgelassen.

„Tat das weh?“, wollte Richter Andreas Lyra wissen. Der Zeuge verneinte. „Hatten Sie ernsthaft Angst oder Befürchtungen?“, lautete die nächste Frage. „Eigentlich nicht!“, erwiderte der Zeuge und bestätigte mit einem Bild aus dem vorautomobilistischen Zeitalter, dass die Gäule mit dem 28-Jährigen durchgegangen waren: „Ich glaube schon, dass er das ernst meinte, dass ich ihm den Führerschein besorgen müsste.“

Die Aussage des Zeugen überraschte allerdings: Denn im Ermittlungsverfahren hatte er angegeben, dass der Tatort in und nicht vor der Fahrschule gelegen habe. Der damals mitanwesende Fahrschüler erinnerte sich vor Gericht, dass es einen heftigen Streit im Gebäude gegeben habe, in dessen Verlauf sich die beiden Beteiligten gegenseitig geschubst hätten. 

"Er hat uns laufend bedroht"

Der zweite Tatvorwurf war noch weniger zu halten: Der Angeklagte sollte in einem Telefonat mit der Frau des Fahrlehrers damit gedroht haben, dass ihr Mann „tot sei“, wenn er nicht den Führerschein oder Geld bekomme. „Wir hatten Angst. Er hat uns laufend bedroht“, erinnerte sie sich vor Gericht. An konkrete Drohungen, die zudem noch mit irgendeiner konkreten Forderung verbunden gewesen wären, konnte sie sich jedoch nicht erinnern. „Ich möchte diesen Mann nicht beschuldigen“, begründete sie ihre sehr vorsichtige Aussage, in der sie nicht über vorhandene Unsicherheiten hinwegging: „Wenn ich etwas sage, muss das 1000-prozentig stimmen.“

Und so blieb am Ende nur die etwas ruppige Rangelei in oder vor der Fahrschule übrig. Nachdem der Vorwurf der räuberischen Erpressung als Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr vom Tisch war, konnten die Verfahrensbeteiligten über eine Einstellung des Verfahrens nachdenken. Als Auflage muss der 28-Jährige 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit ableisten. Er hat inzwischen einen Führerschein.

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