Gerhard Niggemann kämpft gegen Parkinson-Krankheit

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Im heimischen Wintergarten plant Gerhard Niggemann den zweiten Teil der Tour de Ruhr, die er entweder im Herbst oder im Frühjahr mit dem Rad absolvieren möchte. ▪

KIERSPE ▪ „Manchmal komme ich mir wie ein Einzelkämpfer vor.“ Nicht resignierend, eher schon ein bisschen stolz schildert Gerhard Niggemann seinen Kampf gegen die heimtückische Parkinson-Krankheit, den er seit 14 Jahren führt.

Schleppende Schritte, das Nachlassen motorischer Fähigkeiten und Probleme beim Sitzen waren die ersten Symptome. 16 Jahre ist das nun her. Doch erkannt wurde die Krankheit erst zwei Jahre später. „Ein Physiotherapeut stellte bereits die Diagnose vor den Ärzten. Erst nach dem Besuch einer Parkinson-Klinik bekam ich Klarheit“, erinnert sich der 73-Jährige. Es folgte ein mehrwöchiger Besuch der Fachklinik im hessischen Kassel, wo Niggemann auf spezielle Medikamente eingestellt wurde. „Anschließend war er ein neuer Mensch“, weiß seine Frau zu berichten. Doch letztlich ließ und lässt sich die Krankheit in ihrem Verlauf nur verlangsamen. Aufhalten oder gar heilen lässt sie sich nicht.

Das wurde Gerhard Niggemann spätestens klar, als er drei Jahre später wieder in die Klinik musste – der danach folgende Aufenthalt wurde bereits nach zwei Jahren fällig.

Keine schönen Aussichten für den agilen Kiersper, der bereits seit Jahrzehnten ein Unternehmen für Schweißtechnik führt und quasi parallel zum Ausbruch der Krankheit ein neues Haus gebaut hatte. Doch den Kopf hängen lassen und darauf warten was kommt, das ist nichts für Niggemann. Immer schon sportlich aktiv, verstärkte er sein Training im Fitnesscenter, und als es mit dem Laufen immer schwieriger wurde, stieg er aufs Fahrrad um. „Heute lege ich möglichst viele Kilometer mit dem Rad zurück und im Studio versuche ich immer, an die Grenzen zu gehen“, so der 73-Jährige. Den Erfolg dieser Bemühungen sieht er unter anderem an den Kranken, die in seinem Alter sind und längst keine Leistung mehr bringen können. Dass das aber nur am Training liegt, glaubt Niggemann auch nicht: „Jeder Krankheitsverlauf ist anders und bei mir ist der Kopf zum Glück noch nicht betroffen.“ Das haben auch Tests, die er immer wieder bei Ärzten absolviert, gezeigt.

Doch in diesem Jahr wollte Niggemann mehr als nur einen Test. Er wollte wissen, was noch geht. Und so nahm er sich die Bewältigung der „Tour de Ruhr“ vor – natürlich mit dem Fahrrad. „Allein wollte ich ihn aber nicht fahren lassen“, erinnert sich seine Frau an die Planungen zu der Tour. Schließlich war es der Bruder Klaus, der spontan zusagte und sich mit Gerhard Niggemann per Zug nach Winterberg, zum Ausgangspunkt der Radtour, begab. Insgesamt legten die beiden, die zum letzten Mal als Jugendliche gemeinsam mit dem Rad unterwegs waren, gut 150 Kilometer zurück – inklusive einiger Abstecher zu Sehenswürdigkeiten links und rechts des Streckenabschnitts, der erst einmal bis nach Fröndenberg führte.

„Die Strecke von der Ruhrquelle führte aber bei weitem nicht nur bergab. Vor allem am Anfang ging es oft steil bergauf. Da mussten wir trotz der 24 Gänge oft absteigen und schieben“, so Niggemann.

Entschädigt für diese Strapazen wurden die beiden Radfahrer dann mit langen Gefällstrecken und den Besuchen der Sehenswürdigkeiten. So ging es im Besucherbergwerk Ramsbeck unter Tage. Übernachtet wurde während der Tour in Hotels und zurück in die Heimat ging es dann schließlich mit dem Zug.

Doch da war den beiden Brüdern klar, dass sie auch noch den zweiten Abschnitt der Gesamtstrecke gemeinsam bewältigen wollen. „Es steht nur noch nicht ganz fest, ob wir noch in diesem Herbst ausbrechen oder erst im kommenden Frühjahr“, erklärt Niggemann, der besonders froh darüber ist, dass er während der Tour keine Schwäche feststellen musste.

Doch trotz der guten Erfahrung weiß der Senior, dass die Krankheit ihm weiter zusetzen wird. Und obwohl er jetzt noch täglich morgens mit dem Auto in den Betrieb fährt, um seinem Sohn, der die Firma übernommen hat, zu helfen, ist ihm klar, dass das auf Dauer nicht so bleiben wird. Deshalb will er nun auch gemeinsam mit seiner Frau nach Lüdenscheid umziehen, um näher an den Ärzten zu sein, wenn das Auto nicht mehr genutzt werden kann. „Doch so lange es möglich ist, will ich der Krankheit nicht mehr Raum geben, als unbedingt nötig“, erklärt er entschlossen. Deshalb wird er auch in Zukunft Gewichte stemmen und in die Pedale treten. Denn aufgeben und nichts tun, wie so viele andere, die an Parkinson erkrankt sind, ist nicht seine Sache. Da will er lieber weiter gegen die Krankheit angehen, auch wenn er sich dabei wie ein Einzelkämpfer vorkommt. ▪ Johannes Becker

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