Schlichter bei Streitigkeiten am Gartenzaun

+
Georg Witteler (rechts im Bild) ist neuer Schiedsmann für den Bezirk Rönsahl. Am Donnerstag wurde er vom Direktor des Amtsgerichts Meinerzhagen Guido Varney vereidigt. Mit im Bild (von links) Wolfgang Plate, Bürgermeister Frank Emde und Georg Paulus.

Rönsahl - Ein Ast, der über den Zaun ragt, eine windschiefe Mauer, oder ein Radio, das auf der Terrasse „dudelt“: Viele auf den ersten Blick unscheinbare Details haben das Zeug dazu, einen handfesten Nachbarschaftsstreit zu entfachen. Wenn Worte nicht mehr weiterführen, scheint ein Gerichtsprozess unausweichlich – gäbe es da nicht das Amt des Schiedsmanns.

Von Petra Schüller

Mehr als zwei Jahrzehnte lang kam der Rönsahler Georg Paulus immer dann ins Spiel, wenn zwei Parteien aneinander gerieten. „In dieser Zeit musste ich nur in 16 Fällen schlichten“, berichtet er und ergänzt schmunzelnd: „Rönsahl ist ein ruhiges Pflaster.“ Jetzt möchte Paulus sein Ehrenamt in jüngere Hände abgeben und fand in dem Rönsahler Georg Witteler einen motivierten Nachfolger.

Der Rat gab bereits Anfang Februar grünes Licht für den neuen Kandidaten im Amt. Am Donnerstag wurde Witteler im Rathaus durch den Direktor des Amtsgerichts Meinerzhagen Guido Varney für die fünfjährige Amtszeit vereidigt. Zugleich wurde Georg Paulus verabschiedet. „Sie zeichnen sich durch ihren Humor aus“, wandte sich der Direktor des Amtsgerichts an den scheidenden Schiedsmann. Diese Eigenschaft habe beim Schlichten sicherlich geholfen. „Sie haben dabei immer eine glückliche Hand bewiesen“, attestierte er dem Rönsahler. Der Angesprochene antwortete lapidar mit den Worten: „Ich bin geborener Kölner, da wird einem das mit in die Wiege gelegt.“

Varney erinnerte an die Bedeutung des Amtes. „Es ist wichtig, die zerstrittenen Parteien wieder miteinander ins Gespräch zu bringen“, erklärte er. Schließlich gelte der Grundsatz: „Ein schlechter Vergleich ist immer noch besser als ein gutes Urteil“.

Der Neue im Amt, Georg Witteler, bringt ebenfalls viele Qualitäten mit, die ihn für das Amt empfehlen. „Ich habe mich von Kindesbeinen an ehrenamtlich engagiert“, erzählt der Familienvater, den die Liebe 1996 dazu bewog, aus seiner Heimatstadt Meinerzhagen nach Rönsahl zu ziehen. In seiner Jugendzeit sei er in der katholischen Gemeinde aktiv gewesen, erzählt er. Witteler lebt mit seiner Frau Birgit und den zwei Kindern im Grenzdorf. Er ist technischer Betriebswirt und arbeitet als Kalkulator für einen Automobilzulieferer in Attendorn. „Durch diese Ausbildung habe ich mich bereits intensiv mit gesetzlichen Rahmenbedingungen, etwa im Bereich Arbeitsrecht oder Produkthaftung, beschäftigt“, berichtet er. Seit seiner Wahl in den Betriebsrat habe er außerdem Erfahrungen in Sachen Interessenausgleich sammeln können.

Im Grenzdorf fühlt sich der neue Schiedsmann seit langem heimisch. „Es gibt dort ein aktives Dorfleben, an dem ich mich mit meiner Familie gerne beteilige.“ In Rönsahl lebten viele junge Familien, der Kontakt und Austausch sei ausgezeichnet. Sorge, mit möglichen Fragen oder Problemen alleine dazustehen, braucht der Rönsahler nicht zu haben. Georg Paulus wohnt nur einen Steinwurf entfernt und hat seine Unterstützung zugesagt. Auch Ordnungsamtsleiter Wolfgang Plate, der im Rathaus als Ansprechpartner für die drei Kiersper Schiedsleute zur Verfügung steht, versicherte: „Bei Fragen bin ich für Sie da.“ Bürgermeister Emde dankte Paulus und Witteler für ihren uneigennützigen Einsatz und übergab ihnen einen guten Tropfen. An Witteler gerichtet scherzte er: „Vielleicht orientieren Sie sich ja an der Amtszeit Ihres Vorgängers und haben den Ehrgeiz, ihn in dieser Hinsicht sogar zu überflügeln.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare