Genetik entscheidet über Zukunft des Bestandes

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Auch MdB Petra Crone, Michael Crone und Forstdirektor Bernd J. Schmitt (v.l.n.r.) waren bei der Informationsveranstaltung am Samstag dabei.

KIERSPE ▪ „Die Qualität des Saatgutes ist ganz wichtig, auch mit Blick auf die Zukunft.

Holz wird knapp.“ Forstdirektor Bernd Schmitt vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland nutzte die von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Kierspe-Rönsahl organisierte Besichtigungstour zur Forstbaumschule Küch, um mit Nachdruck auf das Erfordernis der Erzeugung hochwertigen Holzes zu verweisen. Das liege im ureigensten Interesse des Waldbauern, wie er beispielhaft verdeutlichte: Nach 30 Jahren erkennen zu müssen, dass der Bestand sich günstigstenfalls als Brennholz vermarkten lasse, das sei bitter. Rund 40 Teilnehmer, darunter die Revierförster Uwe Treff und Klaus Pokrandt sowie die wald- und forstpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion MdB Petra Crone bekamen in Schmidthausen einen Eindruck von den vielfältigen Arbeitsschritten, die nötig sind, damit aus dem Samen ein für die Aufforstung taugliches Bäumchen wird.

„Im Frühjahr von Hand ausgesäte Fichten und Douglasien waren im Sommer alle drei Tage zu bewässern“, erläuterte Ernst Ulrich Küch. Dazu muss das aus eigenem Tiefbrunnen stammende Wasser zunächst hochgepumpt, gespeichert und so auf Außentemperatur gebracht werden. Via Rohrleitungen versorgt Berieselungstechnik die Winzlinge und mitunter auch größere Pflanzen mit dem nötigen Nass. Mittels sogenannter Unterschneidung werden Messer durch das Erdreich geführt und Pfahlwurzeln auf eine gewünschte Länge gekappt, um die vermehrte Bildung von Faser- und Saugwurzeln anzuregen. Auch oberirdisch gehören Eingriffe wie etwa das Beschneiden junger Douglasien zur Arbeit in der Forstbaumschule. Sind die Sämlinge groß genug, erfolgt die Umsetzung vom „Beet“ ins „Feld“. Pflanzmaschinen bringen pro Tag bis zu 60 000 in den zuvor mit Kalk und Nährstoffen optimierten Boden; verfahren wird dabei ähnlich der aus dem Landbau bekannten „Dreifelderwirtschaft“. Auf zwölf Hektar bemessen sich die gegatterten Anbauflächen, bestockt vornehmlich mit den heimischen Hauptbaumarten. Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch vom Maschinenpark und den Lagerflächen samt Kühlhaus. In Spitzenzeiten beschäftigt der in der dritten Generation geführte Familienbetrieb bis zu zehn Mitarbeiter.

Saat- und Pflanzgut wird streng überwacht: Es darf grundsätzlich nur ausgewähltes und geprüftes Vermehrungsgut in der EU und damit auch in Deutschland vertrieben werden. Samentragende Bäume als Ausgangsmaterial dafür dürfen nur zugelassen werden, wenn sie wegen ihrer Güte für die Nachzucht geeignet erscheinen. An die Bestände werden Anforderungen an die Lage, die Homogenität, die Masseleistung, die Güte des Holzes, die Stammform, den Gesundheitszustand, die Stammzahl und das Alter gestellt.

Eine Verordnung grenzt die Herkunftsgebiete für 19 Baumarten ab, die dem Gesetz über forstliches Saat- und Pflanzgut unterworfen sind. Das gibt dem Waldbesitzer die Möglichkeit, bei der Bestandgründung hochwertiges, herkunftsgesichertes Pflanzgut zu verwenden. Denn die genetische Beschaffenheit entscheidet über die Zukunft der begründeten Kultur und über Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Bestandes in den nächsten 100 bis 300 Jahren.

Bei der Auswahl des Pflanzmaterials sind die betreuenden Förster mit ihrem Fachwissen bevorzugte Ansprechpartner der FBG-Mitglieder. So finden alle für das Waldwachstum wichtigen natürlichen Bedingungen als Grundlage für eine ökologisch und wirtschaftlich leistungsfähige Forstwirtschaft Berücksichtigung. ▪ As

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