Keine Briefe mehr: Postfiliale steht vor dem Aus

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Zahlreiche Dienstleistungen werden in der Rönsahler Postfiliale angeboten.

Rönsahl - Pakete und Päckchen verschicken, Einschreiben auf den Weg bringen, Briefmarken kaufen – für die Rönsahler werden diese Alltagsdinge in Zukunft möglicherweise mühsam werden. Denn nicht nur der Getränkemarkt von Regina Marcus, auch die Postfiliale darin steht vor dem Aus.

Hintergrund ist der geplante Verkauf ihres Hauses am Stade, in dem sich auch das Ladenlokal befindet. Bereits im Oktober reduzierte die Inhaberin ihre Öffnungszeiten auf 24 Stunden pro Woche. Nachdem ein Kaufinteressent abgesprungen war, zog Regina Marcus aber die Kündigung gegenüber der Post wieder zurück, die sie bereits zu Ende Dezember ausgesprochen hatte. Wann genau Schluss sein wird, kann sie deshalb im Moment selber nicht sagen. Nicht schön, diese Hängepartie, auch für sie selber nicht. „Die Post ist mir ans Herz gewachsen“, gibt sie zu. Am Schrank mit den Abholfächern hängt eine Urkunde für „20 Jahre Filial-Partner der Deutschen Post“ und die ist inzwischen auch schon wieder zwei Jahre alt. Viel Zeit zum Trauern hat Marcus indes nicht, während der Öffnungszeiten ist sie gut beschäftigt. Die Kunden bringen Retouren und holen die Post ab, die nicht zugestellt werden konnte. Sie laden ihr Handy auf, oder registrieren sich im Postident-Verfahren. „Das wird immer mehr, inzwischen auch schon für Banalitäten“, weiß die Fachfrau hinterm Tresen.

Die Deutsche Post hingegen sieht aktuell keinen Handlungsbedarf. Pressesprecher Rainer Ernzer verweist auf Nachfrage der MZ auf die Postdienstverordnung, gesetzliche Grundlage aller Dienstleistungen der Deutschen Post. „Bei einer zusammenhängenden Bebauung von mehr als 2000 Einwohnern muss eine Pflichtfiliale vorgehalten werden“, erläutert er. Die werde in Regie einer „hundertprozentigen Tochter der Deutschen Post“ eingerichtet, notfalls so lange, bis sich wieder ein Ladenbetreiber finde, der sie übernehmen möchte.

Aus Rönsahler Sicht hat diese Regel einen entscheidenden Haken: Das Dorf hat exakt 2167 Einwohner, aber dazu gehören auch alle Bewohner von Ortslagen, mit denen es keine „zusammenhängende“ Bebauung gibt. Und die Einwohner aus dem benachbarten Ohl zählen erst recht nicht mit, obwohl sie – laut Regina Marcus – ein Drittel der Postkunden ausmachen.

Wo keine Pflicht besteht, da stellt sich der Post die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. „Wir machen eine Standortanalyse“, sagt Pressesprecher Ernzer. „Wenn wir zu dem Ergebnis kommen, dass eine Weiterführung wirtschaftlich Sinn macht, suchen wir einen neuen Partner.“ Das hat Regina Marcus schon erledigt: „Ich habe alle abgeklappert.“ „Knackpunkt“ ist für die Rönsahler Geschäftsleute vor allem der erhöhte Platzbedarf, denn auch eine kleine Postfiliale muss irgendwo Pakete stapeln. Sollte deshalb die Deutsche Post die Einrichtung einer Übergangsfiliale ablehnen, wird wohl in absehbarer Zeit ein weiteres Stück Infrastruktur in Rönsahl verschwinden – möglicherweise für immer.

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