Interkulturelles Kennenlernen bei toskanischem Hähnchenauflauf´

+
Zur gemeinsamen Mahlzeit trafen sich die Köche im Café von „Hand in Hand“.

Kierspe - Auch wer nach Rezept kocht, muss gelegentlich improvisieren. So erging es den Köchen beim Kochabend, den der Verein „Hand in Hand“ als Gemeinschaftsaktion für Flüchtlinge und Deutsche ausrichtete. Geplant waren ein tibetisches und ein deutsches Gericht. Weil der tibetische Koch aber kurzfristig erkrankt war, erhöhte sein deutscher Kollege Rolf Muck kurzerhand die Mengen.

Organisatorin Adjuta Kraus verfolgt mit den gemeinsamen Kochaktionen gleich mehrere Ziele: Verwendet werden ausschließlich Zutaten, die in der Lebensmittelausgabe von Hand in Hand im Angebot sind. Die Teilnehmer lernen neue Rezepte kennen und erfahren, ganz nebenbei, viel von den Ernährungsgewohnheiten, Lebensbedingungen und kulturellen Besonderheiten von Menschen aus anderen Ländern. Diese zwanglose Form interkulturellen Lernens ist beliebt und die Nachfrage groß. Adjuta Kraus führt deshalb eine Liste, damit alle Interessenten irgendwann mal an die Reihe kommen.

Die kamen an diesem Abend aus Syrien, dem Iran, Afghanistan und natürlich aus Kierspe. Rolf Muck hatte „toskanischen Hähnchen-Auflauf“ vorbereitet. Der ist zwar eher italienisch, entspricht aber deutschen Essgewohnheiten.

Nourhan aus Syrien meldete sich freiwillig zum Zwiebelschneiden. „Kein Problem,“ meinte sie, während ihrem Kollegen schon nach den ersten Schnitten die Tränen über das Gesicht liefen. Als der Auflauf - mariniertes Hähnchenfleisch auf Kartoffelschnitzen und Tomaten - im Ofen war, kamen die Köche bei einem Glas Saft ins Gespräch: Mohammed aus dem Iran ist mittlerweile seit 19 Monate in Deutschland und wartet auf seine Anerkennung als Asylbewerber. Der Ingenieur für Fiberglastechnik erzählte, er wolle endlich arbeiten und Geld verdienen.

„In Deutschland sagt man ,Prost‘. Was sagt man auf Arabisch?“, wollte Adjuta Kraus wissen. Kurze Zeit später hingen Plakate mit den entsprechenden Redewendungen auf Persisch, Türkisch und Arabisch an der Wand. Was denn „Prost“ bedeute, fragte Mohammed. Da mussten die Deutschen passen.

Für Abwechslung sorgte auch der kleine Adam, der mit seiner Mutter und ihrem Freund gekommen war. Der Zweijährige ist ein „internationales“ Kind. Geboren in Dänemark, kam er mit seiner syrischen Mutter nach Deutschland. Die ist inzwischen mit einem Iraner verlobt, den sie in ihrer Heimat niemals kennengelernt hätte. Die beiden halfen dem Kind beim Essen, beteiligten sich selbst aber nicht an der Mahlzeit - Ramadan. Adjuta Kraus gab ihnen deshalb ihre Portion mit, damit sie nach Sonnenuntergang essen konnten.

Mohammed, der zum Christentum konvertiert war, sprach ein Tischgebet. Nein, im Islam sei das nicht üblich, erklärten die Muslime auf Nachfrage - bei den christlich sozialisierten Deutschen inzwischen auch nicht mehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare