Regensicherer „Waldgottesdienst“

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Durch die unsichere Wetterlage bedingt, fand der gut besuchte Gottesdienst nicht am Aussichtsturm sondern im Haus der Freien Gemeinde statt.

Kierspe - Der ursprünglich als Waldgottesdienst am Wienhagener Turm geplante gemeinsame Gottesdienst war in weiser Voraussicht ob des für den vergangenen Sonntag vorausgesagten Wetters ins Haus der Freien Evangelischen Gemeinde Am Nocken verlegt worden. Eine Maßnahme, die sich als durchaus angebracht erweisen sollte.

Von Rainer Crummenerl

Auch wenn die vielen Gottesdienstgäste, die am Sonntagmorgen eine gemeinsame Stunde unter dem Wort miteinander verbringen wollten, dies nicht unter dem Blätterdach im Schatten des Aussichtsturms tun konnten und stattdessen unter dem regensicheren Dach des Gemeindehauses zusammen gekommen waren, so änderte das nichts an der Botschaft des Tages. Die nämlich lautete: „Das Gestern für heute bedenken.“

Prediger Siegfried Ochs von der FeG Kierspe regte zum Nachdenken über die Wechselbeziehungen zwischen Gottesferne und dem daraus resultierenden vielschichtigen Elend, das Menschen einander zufügen, an

In die launigen Begrüßungsworten, die Pastor George Freiwat an die trotz des „typisch sauerländischen Indoor-Wetters“ zahlreich erschienenen Gottesdienstgäste richtete, bezog der Geistliche auch die katholischen Mitchristen ein, die aufgrund des gleichzeitig stattfindenden eigenen Gemeindefestes diesmal nicht am gemeinsamen Gottesdienst teilnehmen konnten. Danach stimmten der aus Instrumentalisten der evangelischen Kirchengemeinden in Kierspe und Rönsahl und unter Leitung von Albert Lebershausen stehende Bläserchor sowie der evangelische Kirchenchor Rönsahl, dirigiert von Sofia Wawerla, die Gemeinde mit passendem Liedgut auf die Thematik des Gottesdienstes ein.

Bevor Prediger Siegfried Ochs von der Freien evangelischen Gemeinde das Wort ergriff, gingen Iris und Hans- Peter Beissel in einem kleinen Sketch ihrerseits auf die Thema des Gottesdienstes ein und stellten dabei zwischenmenschliches und manchmal allzu menschliches Verhalten beim Erkennen eigenen Fehlverhaltens und der sich daraus ergebenden Konsequenzen heraus.

Vor dem Hintergrund des in großen Lettern stilisierten Gedenkspruchs an der Front des Wienhagener Aussichtsturms „Wanderer, gedenke der Gefallenen 1914 – 1918“ ging der Prediger anschließend auf den Leitgedanken des Tages ein, nämlich das Nachdenken darüber, was wir Menschen von heute aus dem, was zwei verheerende Weltkriege an Leid über die Völker gebracht haben, lernen sollen und müssen.

Mit einem passenden Sketch stimmten Iris und Hans-Peter Beissel die Gemeinde auf das Thema des Gottesdienstes ein.

Das Jahr 2014, so der Geistliche, mahne in besonderem Maße an historische Daten und das Geschehen, das vor hundert Jahren den ersten und nur zwei Jahrzehnte nach dessen Ende den zweiten Weltkrieg mit deren schrecklichen Folgen ausgelöst habe. Scheinbar habe die Menschheit daraus indes wenig oder nichts gelernt, wie zahlreiche kriegerische Konflikte in der Gegenwart das belegen. Der Kreislauf von Schuld und Strafe, Bitte um Vergebung und Rettung, so wie er schon zu biblischen Zeiten das Volk Israel begleitet habe, sei auch heute noch relevant.

Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern könne, der sei dazu verdammt, sie zu wiederholen, zitierte der Prediger ein bekanntes Philosophenwort und mahnte, den Kontakt zu Gott nicht abreißen zu lassen. „Wir dürfen den Schöpfer aller Dinge um Vergebung unserer Schuld bitten, Mut zum Glauben haben und Zeugen seiner liebenden Zuneigung zu uns Menschen sein.“ Ein Beispiel dafür, dass Menschen einander vergeben und gemeinsam Gegenwart und Zukunft gestalten können, biete Ruanda, wo einstmals verfeindete Stämme heute friedlich miteinander auskommen. „Für die Jungen gibt es keine Zukunft ohne die Erinnerung an die Vergangenheit“, hieß es zum Abschluss des offiziellen Teils, bevor die Möglichkeit bestand, bei einer kleinen Stärkung miteinander ins Gespräch zu kommen.

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