Gemeinde: Eigenständigkeit bleibt vorerst erhalten

Superintendent Klaus Majoress nahm zu aktuellen Fragen zur Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit Stellung.

RÖNSAHL ▪ Spürbares Aufatmen kennzeichnete die Stimmungslage der erfreulich zahlreichen Teilnehmer an der Gemeindeversammlung in der Servatiuskirche. Zusammengekommen waren die evangelischen Christen, um mehr über die Zukunft ihrer Gemeinde zu erfahren, die aufgrund des Wechsels von Pfarrer Ahlhaus in ein anderes Amt in ihrer Eigenständigkeit bedroht ist.

Diese Situation war Thema bei der gemeinsam von Kirchengemeinde und den Leitungsgremien des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg anberaumten Gemeindeversammlung, zu der Kirchmeister Traugott Zentz in Person von Superintendent Klaus Majoress einen ebenso kompetenten wie mit überzeugenden Argumenten aufwartenden Gesprächsleiter begrüßen konnte.

Auch vor dem Hintergrund bekannt enger finanzieller Spielräume und daraus resultierenden Zwängen zu drastischen Sparmaßnahmen, so der Superintendent sinngemäß, genieße die Bestandssicherung florierender und in sich funktionierender Kirchengemeinden durchaus Priorität bei den verantwortlichen Entscheidungsträgern der übergeordneten kirchlichen Hierarchie. Bezogen auf die Situation der insgesamt bislang 26 selbständigen und zum Teil zahlenmäßig wenngleich zum Teil relativ kleinen Gemeinden im hiesigen Kirchenkreis sei zudem zu berücksichtigen, dass gewachsene Strukturen in ländlicher Region grundsätzlich anders zu handhaben seien als dies in den Ballungszentren großer Städte angesagt sei.

„Ich habe weder gute noch schlechte Nachrichten im Gepäck. Es geht hier und heute allein um eine Bestandaufnahme dessen, was ist und eine Analyse dessen, was in naher Zukunft machbar ist. Wir wissen diese Gemeinde zu schätzen und auch das, was hier in den vergangenen 25 Jahren in dankenswerter Weise an Aufbauarbeit geleistet worden ist und noch geleistet wird, und von daher ist auch die Selbstständigkeit der evangelischen Kirchengemeinde Rönsahl grundsätzlich nicht infrage gestellt“, beruhigte der Superintendent.

Grundsätzlich, so hieß es ferner, bestehe keine Notwendigkeit, an diesem „status quo“ etwas zu ändern, so lange eine Gemeinde wirtschaftlich zurecht komme, so der Superintendent weiter und kam damit auf den eigentlichen Kernpunkt, nämlich die pfarramtliche Versorgung der Gemeinde, zu sprechen.

Die Besetzung einer Pfarrstelle sei wesentlich von der Zahl der Gemeindeglieder und der damit im Zusammenhang stehenden Finanzkraft der Gemeinde abhängig. Daran gemessen, erfülle die Gemeinde in Rönsahl mit derzeit knapp über 1000 Gemeindegliedern bei weitem nicht die für eine volle oder auch nur halbe Pfarrstelle erforderlichen Kriterien, verdeutlichte Majoress. Das gehe indes vielen kleinen Gemeinden so.

Allerdings sei es gelungen, die pfarramtliche Versorgung in Rönsahl durch den im landeskirchlichen Auftrag im Bereich der evangelischen Kirchengemeinde Kierspe und hier speziell in Rönsahl Dienst tuenden Pfarrer Martin Spindler sicher zu stellen. Dies zumindest zunächst für die Dauer von zwei Jahren und in Verbindung mit den für die Kiersper Gemeinde tätigen sowie bereits im Ruhestand befindlichen Amtskollegen, denen es zu danken gelte.

Anhand des für die Kirchengemeinde Rönsahl aufgestellten Haushaltsplans für das laufende Jahr verdeutlichte der Superintendent die gegebenen Zwänge zum Sparen und entwickelte danach gemeinsam mit engagiert mitdiskutierenden Gemeindegliedern verschiedene Denkmodelle dazu, auf welche Weise Haushaltsdefizite minimiert und gegebenenfalls auch im Rahmen der Erhebung eines freiwilligen Kirchgeldes längerfristig die Basis für die Finanzierung einer Teilpfarrstelle in Rönsahl geschaffen werden könne.

Dabei sei auch eine intensive Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Kierspe wünschenswert, machte Majoress der Rönsahler Gemeinde abschließend Mut, über den eigenen Tellerrand zu schauen und damit auch über den Tag hinaus zu denken und zu planen. ▪ cr

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