Gelhausen-Quartett erzeugt Wohlfühl-Atmosphäre

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Überzeugte mit wohl aufeinander abgestimmten Aktionen beim Jazz- Konzert in der Historischen Brennerei: Das Alexander-Gelhausen- Quartett aus Köln. ▪

KIERSPE ▪ Wieder einmal war es KuK, dem Verein, der sich der Pflege von Kommunikation und Kultur in den beiden Volmestädten Kierspe und Meinerzhagen in besonderer Weise verbunden weiß, gelungen, mit der Verpflichtung des Alexander- Gelhausen-Quartetts einen besonderen Leckerbissen für alle Freunde des Jazz und hier ganz speziell der Stilrichtung des amerikanischen Vokaljazz aufzutischen.

Dies insbesondere auch deshalb, weil mit Bandleader Alexander Gelhausen ein gebürtiger „Kiersper Junge“ auf der Bühne stand, was naturgemäß den Erwartungspegel der mit knapp 100 Zuhörer abermals außerordentlich gut besuchten KuK-Veranstaltung bereits im Vorfeld zusätzlich in die Höhe schnellen lassen hatte.

Schnell zeigte sich, dass die Messlatte beim „Heimspiel“ des ehemaligen Kierspers und inzwischen in Sachen Jazzgesang hochdekorierten Alexander Gelhausen und seines Quartetts durchaus nicht zu hoch angelegt war. Nichts war’s mit Lampenfieber und – durchaus verständlichen – Berührungsängsten. Ganz im Gegenteil. Sichtlich angetan von der spürbaren Resonanz, die dieses – übrigens das letzte Konzert dieser Richtung vor der Sommerpause in der für derlei Veranstaltungen wie geschaffen scheinenden Umgebung – gefunden hatte, zog das Quartett von Anfang an alle Register seines Könnens.

Amerikanische Klassiker des Vokaljazz, Songs aus dem Great-American-Songbook, beseelter und virtuoser Gesang, verbunden mit dreier der besten Instrumentalisten der Jazzmetropole Köln, so hatte es in der Vorankündigung geheißen, sollten zu Gehör gebracht werden. Und damit war durchaus nicht zuviel versprochen worden. Mit „Alone together“, einem klassischen Blues, fand die Band Eingang in die so genannten Jazz-Standards. Beeindruckend von Anfang an das gekonnte Zusammenspiel und scheinbar mühelose Ineinanderfließen von Instrumentalmusik und Gesang, wobei –durchaus gewollt – mal die eine und dann wieder die andere Komponente die Führungsrolle übernahm.

Alexander Gelhausen, mit dem wirkungsvollen Instrument der Mimik und Gestik durchaus vertraut, sang von der enttäuschten Liebe (I locked my heart and threw the key away). Er ließ das Publikum mitdenken und die dargebotenen Klänge umso intensiver mitempfinden, wenn er Stücke ankündigte, die „keinen Text haben, auch keinen benötigen“ und eigene Impressionen zum Besten gab. Wie beispielsweise den „Blues without horns“, den Blues, der ohne Trompeten oder Saxophon auskommt, ein Stück, das bereits vor 25 Jahren entstanden ist und die Zeiten überdauert hat. Und wenn schon keine „horns“, dann wussten auf jeden Fall Henning Galling mit seinem perfekt gespielten Kontrabass, Schlagzeuger Jens Düppe und auch Thomas Rückert am allerdings phasenweise zu lauten Piano in die Bresche zu springen. Zwischendurch wusste die Band zu verdeutlichen, was mit „ brillantem Swingfeeling und verblüffenden Scat-Improvisationen“ gemeint war. Dies auch dann, wenn der Sänger die Augen schloss und medial scheinbar abwesend erschien oder sich – auch das ein Gag – zwischendurch am Mischpult zu schaffen machte.

Gleichwie – sowohl Publikum als auch Interpreten kamen beim rund zweistündigen Jazz-Konzert voll auf ihre Kosten und dürften diesen Abend in guter Erinnerung behalten.

Rainer Crummenerl

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