Schleiper Hammer seit 25 Jahren im Vereinsbesitz

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Treffen sich regelmäßig im Schleiper Hammer, um dort notwendige Arbeiten zu erledigen: Armin Rachel, Wilhelm Kattwinkel, Karl Eckes, Peter Heins und Manfred Völker (von links).

Kierspe - Wenn der Heimatverein möchte, dann könnte er eine Feier nach der anderen im Schleiper Hammer veranstalten – Anlässe gäbe es genug. Denn in diesem Jahr befindet sich der Hammer seit 25 Jahren im Besitz des Heimatvereins, seit 20 Jahren steht er Besuchern als Museum und außerschulischer Lernort zur Verfügung und 2015 ist es 200 Jahre her, dass der Hammer erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Von Johannes Becker

Wie alt genau der Schleiper Hammer ist, darüber kann niemand Auskunft geben. Gesichert ist, dass die Eisenverhüttung seit dem 13. Jahrhundert eine Rolle im Bereich der oberen Volme spielte und das dort, wo sich heute der Betriebsteich des Hammers befindet, die Ruine einer Eisenhütte gefunden wurde. Später, als neue Techniken die Produktion von Osemund unwirtschaftlich machte, wurden in dem Hammer vor allem Werkzeuge für die Landwirtschaft produziert. Fortan verließen Spaten, Gabeln, Hacken und Rübenheber das Unternehmen an der Schleipe. Durch den Bau der Eisenbahnlinie und die Nähe der Firma zu den Gleisen bekam der Hammer Aufwind.

Das Wasserrad wurde durch eine Turbine mit einer Leistung von 25 PS ersetzt und das Gebäude in einer Reihe von kleinen Bauabschnitten zu einer Fabrik erweitert, in der alle Arbeitsgänge zur Herstellung von „Breitenwaren“ unter einem Dach zusammengefasst werden konnten. Begünstigt wurde diese Erweiterung durch den Einbau einer Transmission und die Aufstellung einer Lokomobile, die zugeschaltet werden konnte, wenn die Wasserkraft nicht reichte.

Später wurden in dem Gebäude im Schleipetal auch etliche Unternehmen gegründet, die noch heute in Kierspe ihren Sitz haben, das bekannteste dürfte Grote und Brocksieper sein. Aber auch Bakelit-Pressereien fanden in dem Gebäude ihren Platz und bildeten damit schon vor Jahrzehnten eine Einheit mit den Fallhämmern.

Diese wechselhafte und für das Sauerland typische Geschichte, machte den Hammer für den Heimatverein interessant. Vor allem, als das Gebäude samt Grundstück vor 25 Jahren zum Verkauf stand. Der ehemalige Ortsheimatpfleger Hans Ludwig Knau hatte damals die Idee, den Hammer für 50 000 Mark zu erwerben und ihn dadurch für die Nachwelt zu erhalten.

Doch die Zeit drängte, der Verkäufer hatte den Verein gerade einmal 14 Tage eingeräumt, das Geld einzusammeln. Allerdings gab es die Zusage von Erich Bender, damals Inhaber der Firma Bender und Wirth, den nach 14 Tagen noch fehlenden Betrag aufzustocken. Doch als Hans Ludwig Knau, Walter Potthoff, Helmut Brockmeier und Wilhelm Kattwinkel ihre „Betteltour“ beendeten, musste Bender nichts mehr zuschießen – dafür unterstützte er später den Umbau des Hammers.

Gleich nach Ostern im Jahr 1989 fingen die ersten Freiwilligen an, das Gebäude zu entkernen, die Grundmauern zu sichern und installierten neue Leitungen für Wasser und Strom.

Die alte Turbine wurde durch eine neue, wenn auch gebrauchte aus Hunswinkel ersetzt, in dem Meinerzhagener Ort wurde auch später die erste Maschine gekauft, die noch heute als Schere ihren Dienst tut.

Es waren vor allem Wilhelm Kattwinkel, Armin Rachel, Walter Potthoff und Fritz Peiker, die Woche für Woche zum Hammer gingen und diesen herrichteten.

Dass der Hammer heute mit Hämmern und Pressen reich bestückt ist, ist unter anderem Willi Binzig zu verdanken, der als Leiter des Bremecker Hammers manchen Tipp geben konnte.

Einem Grundsatz sind sich die Macher des Heimatvereins bis heute treu geblieben: „Wir schreiben nichts an.“ „Wenn wir kein Geld hatten, haben wir auch nichts gekauft. Wir haben zwar gebettelt, aber wir haben keine Schulden gemacht“, erinnert sich Kattwinkel.

Insgesamt fünf Jahre haben die Mitglieder des Heimatvereins gearbeitet – teilweise mit schwerem Gerät – bis der Hammer 1994 der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Es waren vor allem die Schulen aus der Umgebung und Gruppen aus der Jugendherberge Meinerzhagen die von diesem Angebot in den Anfangsjahren Gebrauch machten – aber auch manche Firmenfeier oder private Fete fand in dem Gebäude statt.

In Zukunft ist es das erklärte Ziel des Heimatvereins, den Schleiper Hammer überregional noch bekannter zu machen. Dabei soll auch die Auszeichnung als „Wasserort“ genutzt werden, die dem Hammer im Rahmen der Regionale verliehen wurde. Mit den „Wasserorten“ soll auf die prägende Bedeutung des Wassers für die Region Südwestfalen hingewiesen werden.

Entscheidend für die Auszeichnung war das Konzept, denn mit der Einbindung eines Vereins und Ehrenamtlichen und der Möglichkeit, vor Ort zu lernen, wurden die Voraussetzungen für die Auszeichnung im Hammer erreicht.

Wenn auch in ersten Linie Gruppen angesprochen werden sollen, so haben aber auch Interessierte, die allein oder zu zweit kommen, die Möglichkeit, den Hammer in Aktion zu erleben: jeden ersten Mittwoch im Monat von 10 bis 15 Uhr.

Natürlich wird auch das Jubiläum gefeiert – und zwar am Pfingstmontag, 9. Juni, von 11 bis 18 Uhr. Dann gibt es neben den Vorführungen im Hammer auch Angebote für Kinder. Der Bürgermeister hat sich zu einem Grußwort angemeldet und die Sängervereinigung Vorth-Grünenbaum will die Feier musikalisch begleiten. Für Speisen und Getränke ist gesorgt.

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