Gegen Abholzen der Kastanienallee

KIERSPE ▪ Die Fraktion Pro Kierspe kritisiert massiv den Beschluss des Bau- und Umweltausschusses vom vergangenen Dienstag, die Kastanienallee bei Haus Isenburg auf einen Streich abzuholzen und spricht damit sehr vielen Bürgern aus der Seele, die auf diese kompromisslose Entscheidung des Gremium ebenfalls mit Fassungslosigkeit und Unverständnis reagiert haben und sie missbilligen.

„Der Antrag dazu wurde von der stellvertretenden Bürgermeisterin Marie-Luise Linde gestellt und von den bürgerlichen Mehrheitsfraktionen gegen die Stimmen von Grünen, SPD und Pro Kierspe entschieden. Dies können wir nicht nachvollziehen, denn schließlich haben wir in Kierspe nicht viel, mit dem wir werben können. Die Natur aber gehört in jedem Fall dazu. Wir sollten uns also davor hüten, sie kaputtzumachen oder unnütz zu verbrauchen“, wenden sich die Pro Kierspe-Vertreter gegen den Beschluss. Genauso wie die Bäume, die am Wildenkuhlen für die widerrechtlich abgeschlagenen neu gepflanzt werden sollten, benötigten auch Ersatzpflanzungen für die Allee sicher 60 bis 70 Jahre, um die Größe zu erreichen wie die Kastanien, die jetzt gefällt werden sollten, wahrscheinlich sogar länger, so die nachvollziehbare Vermutung der Fraktionsmitglieder.

Laut Gutachten sei die Kastanienallee zwar langfristig nicht zu retten, weil alle Bäume geschädigt seien, aber das sei kein Grund, schon jetzt alle Kastanien abzuholzen. Es hätte genügt, wie die Verwaltung es vorgeschlagen hat, die Verkehrssicherheit zu untersuchen, Pflegeschnitte dort zu machen, wo sie ausreichend seien, und nur bei Gefahrenbäumen eine Fällung vorzunehmen. „Diese Maßnahmen, begleitet von Sachverständigen, wären zunächst ausreichend gewesen und hätten auch unsere Zustimmung gefunden“, so die Pro Kierspe-Vertreter, die dann fortfahren: „Der Beschluss, gleich alle Kastanien niederzumachen, ist Totholz-Politik im wahrsten Sinne des Wortes und zeigt einmal mehr, dass es allen Unkenrufen, gerade aus den bürgerlichen Fraktionen, zum Trotz richtig wäre, endlich wieder einen Umweltschutzbeauftragten in Kierspe zu installieren.“

Damit nimmt die Fraktion die aktuellen Vorkommnisse um die Allee zum Anlass, ihre alte Forderung aufzugreifen, den Umwelt- und Naturschutz in Kierspe spürbar zu stärken und wieder einen Umweltschutzbeauftragten zu fordern, dem angesichts der derzeit erkennbaren Politik inzwischen bestimmt zahlreiche Bürger beipflichten werden. Seit Martin Gebhardt diese Aufgabe innehatte, dann aber aufgrund beruflicher Veränderungen abgegeben hatte, ist dieser Posten nicht mehr besetzt – was sich zurzeit natürlich rächt.

„Wir sind der Meinung, dass diese Entscheidung, die für viel Unruhe in Kierspe sorgen wird, und einen solch tiefen Eingriff in unser Stadtbild und unsere seit Jahrzehnten gewachsene Umwelt und Umgebung hat, vom höchsten Organ der Stadt Kierspe, dem Rat, getroffen werden muss“, unterstreicht Pro Kierspe weiter. Auch viele Bürger hoffen jetzt darauf, dass Bürgermeister Frank Emde sich des Themas annimmt, dieses an sich zieht und es tatsächlich auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung setzt und so zumindest die Chance für eine Korrektur der unsäglichen Ausschussentscheidung eröffnet. Er soll inzwischen bereits deutlich gesagt haben, dass niemand Sorge haben muss, dass nun schnell die Motorsäge spricht.

Sogar aus den Reihen der Parteien des konservativen Lagers aus CDU, UWG und FDP verlautete mittlerweile Kritik an dem Beschluss der eigenen Vertreter, so dass tatsächlich vielleicht noch etwas Hoffnung besteht. ▪ rh

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