Gefahr an Bushaltestelle für gehandicapten Jungen

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Daniela Joormann ist wegen ihres gehandicapten Sohnes in Sorge. Sie sieht eine potenzielle Unfallgefahren wegen der problematischen Haltestellen- und Umsteigesituation am Tannenbaum. Aus ihrer Sicht ist dies für Jeremias unzumutbar. Sie fordert schon länger vom Schulträger der Förderschule eine Verbesserung und Sicherheit für die Kinder. ▪

KIERSPE ▪ Die Mutter des siebenjährigen Jeremias fordert einen durchgehenden Schulbus zur Förderschule nach Meinerzhagen oder eine bessere Umsteigesituation am Tannenbaum. Aus ihrer Sicht sind die Gefahren dort für die gehandicapten Kinder zu groß.

Um mit dem Bus nach Hause zu fahren, müsste Jeremias eigentlich 19 Minuten an der Haltestelle stehen und warten, wie das andere Schüler auch ganz problemlos machen. Sie sitzen da ganz ruhig, unterhalten sich mit anderen oder schauen immer wieder erwartungsvoll in die Richtung, aus der das Fahrzeug kommen müsste. Aber bei dem lebendigen, ja, man könnte durchaus schon sagen, hyperaktiven Jungen vergehen nur wenige Minuten und schon steht er mit seinem Freund in fast drei Meter Höhe auf dem Dach des Buswartehäuschens. Aber dann ruft ihn seine Mutter, Daniela Joormann, mit freundlichem und zugleich resolutem Ton in der Stimme, das hilft.

An diesem Tag holt sie ihn wie immer, wenn das der berufstätigen Frau möglich ist, am Tannenbaum vom Bus ab, damit Jeremias nicht so lange warten muss. Sie weiß genau, wie gefährlich gerade das Umsteigen in diesem Kreuzungsbereich ist – und dann noch für gehandicapte Kinder wie ihren Sohn. Schnell, erklärt sie, könne es passieren, dass er beim Spielen auf die Straße laufe. Und wenn auf der stark frequentierten Strecke in dem Moment gerade ein Auto vorbeifahre, sei vielleicht bereits ein folgenschwerer Unfall passiert.

Der Siebenjährige, der in Kierspe-Vorth wohnt, besucht seit einem Jahr die Förderschule Volmetal in Meinerzhagen. „Jeremias hat ADHS und autistische Ansätze“, erklärt seine Mutter. Er gelte als seelisch behindert. Zwar wird seitens des Schulträgers, der Stadt Meinerzhagen, die Sorge von Daniela Joormann verstanden und das Problem gesehen, doch sind diesem aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen die Hände gebunden. Denn nur im Falle geistiger und körperlicher Behinderungen muss die Kommune den Transport sicherstellen. „Die Fahrtzeit von Jeremias mit dem Linienbus liegt unterhalb der Obergrenze von einer Stunde, so dass auch von daher leider kein Handlungszwang besteht“, bedauert die besorgte Mutter.

Schulträger nimmt

Prüfung vor

Sie räumt zugleich aber positiv ein, dass der Schulträger sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und auch bemüht habe. So durfte sie das Problem vor einigen Monaten sogar in der Schulzweckverbandsversammlung vortragen, wo ihr eine Prüfung zugesichert wurde. Heinz-Gerd Maikranz, zuständig für Schulangelegenheiten bei der Stadt Meinerzhagen, sei zudem in den Schulgremien der Förderschule gewesen und habe dort Stellung genommen. Er habe darauf hingewiesen, dass ein gesonderter Schulbus hohe Kosten verursache. Rechtlich ist der Schulträger auf der korrekten Seite, das weiß Daniela Joormann.

Doch würde sie sich etwas mehr Kulanz im Interesse der Sicherheit der Kinder wünschen. Es sei gar nicht lange her, berichtet sie, da habe es eine aus ihrer Sicht ziemlich dramatische Situation im Bereich der BushaltestelleTannenbaum gegeben: So habe ein kleiner Junge, der im Bus offenbar gefallen war oder sich schwer gestoßen hatte, mit einer stark blutenden Kopfwunde ewig lange auf den Anschlussbus warten müssen. Die gehandicapten Kinder hätten schon mit Steinen auf Autos geworfen, was ein weiterer Zwischenfall gewesen sei.

Die Mutter von Jeremias weiß derzeit keine Lösungmöglichkeit. Etwas Hoffnung hat sie, dass sich vielleicht durch den Bau des Busbahnhofs auf dem alten Kiersper Bahnhofsgelände etwas an der unzumutbaren Haltestellen- und Umsteigesituation am Tannenbaum ändert. Zwar soll in diesem Jahr Baustart sein, doch bis die Busse dort halten, wird noch viel Zeit vergehen.

So fährt Daniela Joormann Jeremias derzeit, wenn es geht, morgens zum Tannenbaum und holt ihn dort auch mittags wieder ab. Immer natürlich nur, falls sich das für sie einrichten lässt. Manchmal springen ebenfalls Bekannte ein, nicht, dass die Mutter auf ihrer Arbeitsstelle Schwierigkeiten kriegt. Wenn der Junge mit dem Bus fahren würde, käme dieser um 7.08 Uhr am Tannenbaum an, Anschluss hat er aber erst um 7.24 Uhr. Mittags kommt die Linie 82 der MVG um 13.18 Uhr an, weiter über die Bundesstraße 54 geht es um 13.37 Uhr. ▪ rh

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