Gefahr für die Allee ist erst einmal gebannt

KIERSPE ▪ Erst einmal ist die Gefahr gebannt, dass die Kastanienallee jetzt womöglich ganz schnell einem Kahlschlag zum Opfer fällt, wie dies der Bau- und Umweltausschuss in seiner letzten Sitzung vor ein paar Wochen entschieden hatte.

Denn der Rat „nimmt die Übertragung der Entscheidungsbefugnis in dieser Sache zurück und entscheidet selbst, wie mit der Kastanienallee bei der Isenburg verfahren wird“ – so lautete der Beschlussvorschlag, der dann auch einstimmig angenommen wurde. Wobei es acht Enthaltungen gab aus dem Lager der „Kettensägen-Fraktion“, wie der Grünen-Fraktionsvorsitzende Hermann Reyher die Befürworter des Abholzungsbeschlusses nannte, indem er den Terminus aus dem MZ-Kommentar zum Thema aufgriff. Immerhin aber gab es zumindest keine Gegenstimmen.

Weitergehende Informationen zu den Kosten, so unter anderem auch für die Entfernung aller 56 Bäume und die Wiederanpflanzung einer neuen Allee, wie der Fachausschuss es befürwortet hatte, sowie den Alternativen dazu und ebenfalls die von Bürgermeister Frank Emde für das neue Jahr angekündigte Informationsveranstaltung sollen abgewartet werden, auch das wurde so festgelegt. Wobei Emde bereits in der Ratssitzung am Dienstag ankündigte, dass noch nicht feststehe, wann die Veranstaltung stattfinde, da er sie am liebsten vor Ort durchführen würde und da natürlich von der Witterung abhängig sei. Nur notfalls, falls die Emotionen weiter hochschlügen, würde er sie in den Ratssaal verlegen und früher stattfinden lassen. So aber könnte es April werden, wie Emde in Aussicht stellte.

Hermann Reyher von den Grünen nahm in der Diskussion als erster Stellung: Seine Fraktion hatte auch beantragt, das in den Öffentlichkeit viel diskutierte Thema auf die Tagesordnung des Rates zu setzen. „Es ist unwürdig für einen Umweltausschuss, dass so abgestimmt worden ist“, kritisierte Reyher. Er nannte das einen Skandal für die Kierspe, da viele Menschen mit der Allee Erinnerungen verbänden.

Gerdt Rubel von der CDU dagegen, verteidigte den Beschluss des Fachausschusses, dem er selbst angehört, und wies darauf hin, dass es sich um eine „sterbende Allee“ handele. Er erklärte noch einmal die Entscheidung, bei der die Ausschussmitglieder doch nur das Ziel verfolgt hätten, eine neue Allee anzupflanzen.

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Tofote wollte seine Ausschussmitglieder in Schutz nehmen: Erst sei das Gremium sich einig gewesen, dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu folgen und die Verkehrssicherheit der Bäume zu überprüfen, Pflegeschnitte durchzuführen und nur bei Gefahrenbäumen eine Fällung vorzunehmen sowie an ihrer Stelle dann andere gegen Pilze und Bakterien resistentere heimische Gehölzarten anzupflanzen. Doch dann sei Erich Mürmann von der SPD gekommen und habe dabei eine sachverständige Begleitung gefordert, erst danach sei die Mehrheit gekippt.

Im Nachhinein hatten sogar viele Ausschussmitglieder selbst gemeint, dass der Verwaltungsvorschlag eigentlich die bessere Alternative gewesen wäre, der fast alle hätten zustimmen können. Tofotes Appell am Dienstag: „Zurück zur Sachlichkeit.“

Jürgen Rothstein von der FDP, der ebenfalls vor einigen Wochen mit dabei war, erinnerte an einen ähnlich lautenden Beschluss aus dem Jahr 2008. Schon damals habe das Gremium die Meinung vertreten, dass der Alleecharakter bei der Isenburg nicht zu halten sein werde, wenn nur einzelne Äste und Bäume entfernt würden. „Hierüber zu einer Sanierung zu kommen, ist der falsche Weg“, positionierte er sich nochmals.

Erich Mürmann von der SPD begrüßte es, dass der Bürgermeister „die Reißleine gezogen“ habe. Er deutete dann den Beschluss des Bau- und Umweltausschuss eindeutig: Darin habe wieder einmal gezeigt, was Baumschutz in Kierspe heiße. „Hier war Frust die treibende Kraft für die betreffenden Ausschussmitglieder“, konstatierte er.

Peter Christian Schröder von Pro Kierspe lenkte die Aufmerksamkeit darauf, dass die BUND-Vorsitzende Gudrun Barth die genannten Pflegekosten stark angezweifelt habe und nannte die Diskussion damals „einseitig“. Er ergänzte: „Es ist nicht verwunderlich, dass die Volksseele hochgekocht ist, denn die Allee ist vielen Bürgern ans Herz gewachsen.“ Schröder plädierte dafür, die Entscheidung zurückzunehmen und die Infoveranstaltung des Bürgermeisters abzuwarten. Er regte zudem ein zweites Gutachten an, um Sicherheit zu erhalten. Sein Fraktionskollege Martin Schlüchting verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass dann endlich auch belastbares Zahlenmaterial zu den Kosten vorliege.

Für die UWG nahm Dieter Grafe zur Kastanienallee Stellung: Er hob vor allem auf die Verkehrssicherungspflicht ab. Sie sei das Allerwichtigste, denn „ein Unfall ist oft durch Geld nicht wieder gutzumachen“, so der Unabhängige. Deswegen nehme er das vorliegende Gutachten, welches ausdrücklich auf die Gefahren herunterstürzender Äste hinweise, sehr ernst. Die Ausgabe der jährlichen Kosten für die Pflege der Allee, falls diese doch erhalten werden soll, sei zumindest zu überdenken.

Rolf Haase

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare