Lesung: Lyrik im Fritz-Linde-Museum

+
Gedichte und Musik wechselten sich ab. Andreas Koch schuf auf der elfseitigen Terzgitarre den perfekten Rahmen für die Natur- und Liebeslyrik der beiden Autoren. ▪

KIERSPE ▪ Lyrik gilt vielen Literaturschaffenden als schwierige Disziplin. Sie scheuen davor zurück, in extrem verknappter, oft rhythmisierter Sprache auf den Punkt zu kommen, emotionale Eindrücke in die kleine Form des Gedichts zu gießen.

Für Christophe Bossu und Velina van der Gaag hingegen ist das Gedicht ihr bevorzugtes Medium. Das ist umso erstaunlicher, als beide Autoren nicht in ihrer Muttersprache schreiben. Velina van der Gaag ist, trotz ihres niederländischen Namens, Bulgarin; Bossu Franzose. Allerdings konnte Van der Gaag krankheitsbedingt nicht selber lesen. Für sie sprang Annette Gonserowski ein, die die Gedichte ihrer „Kollegin“ ausdrucksstark vortrug.

Den Kulturinteressierten in Kierspe sind die beiden keine Unbekannten. Engagiert bei „Kulturen pur“, sind sie gut vernetzt in der Literaturszene des Volmetals. Das war wohl mit ein Grund für das ungewöhnlich große Interesse an der Veranstaltung im Fritz-Linde-Museum.

Die Gäste saßen dicht gedrängt im kleinen Ausstellungsraum. Kaum ein Stuhl war leer geblieben, als Andreas Koch mit zwei polnischen Tänzen aus der Renaissance die Veranstaltung einleitete. Mit seiner elfseitigen Terzgitarre schuf er den passenden Rahmen für die Gedichte der beiden Autoren. Die Zuhörer bekamen vor allem Barockmusik zu hören, teilweise von Koch selbst arrangiert, aber auch eine eigene Komposition.

Silvia Baukloh vom Heimatverein begrüßte die Gäste mit einer kurzen Einführung in Leben und Werk von Fritz Linde. Der Heimatverein hatte sich die Pflege heimischer Literatur schon bei der Eröffnung des Museums zur Aufgabe gemacht, auch damit war das kleine Haus am Höferhof der passende Ort für die Gedichte von Van der Gaag und Bossu.

Für beide Autoren ist die Liebe zentrales Thema ihrer Gedichte, oft verknüpft mit Metaphern aus der Natur. „Ohne Blumen ist der Nachgeschmack vom Leben bitter“, formuliert Velina van der Gaag. Die Jahreszeiten stehen für die jeweilige Befindlichkeit des lyrischen Ichs. „Herbst, warmherzige Nacht“, heißt es an einer Stelle oder „Mein Bräutigam heißt Mai.“ Die Texte der Wipperfürtherin waren der Sammlung „Lippkosen“ entnommen.

Auch Christophe Bossu findet Anregungen für seine Gedichte im eigenen Umfeld. „Die Inspiration kommt, wenn ich spazieren gehe“, sagte er. Allein im Wald, lerne er zuzuhören. Aber auch das Zusammensein mit Freunden sei wichtig. Die Liebe schildert er so: „Wenn der Kreis sich schließt/die Seelen sich finden/verschmelzen/ohne ihre Identität zu verlieren.“ Bossus Gedichte sind nachzulesen in dem Band „Wortewind“.

Den Abschluss bildete sein Gedicht „Stille“. Andreas Koch nahm mit der Gitarre die Worte auf und leitete über in die bekannte „Cavatina“ von Stanley Myers – ein gutes Ende für eine besondere Lesung.

Die Zuhörer blieben aber noch eine Weile. Akteure und Heimatverein luden zu einem kleinen Imbiss ein, Bücher und CDs standen zum Verkauf. ▪ bnt

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare