Die Opfer der gegenwärtigen Kriege nicht ausblenden

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Die Feierstunde zum Volkstrauertag am Ehrenmal in Rönsahl hielt Kirchmeister Traugott Zentz.

Kierspe/Rönsahl - Auch in Kierspe wurde am Sonntag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht: Anlässlich des Volkstrauertages fanden in der Volmestadt zwei Gedenkfeiern statt – eine auf dem Soldatenfriedhof am Büscherweg, die andere am Ehrenmal in Rönsahl.

Die Gedenkrede auf dem Soldatenfriedhof hielt Pastor Stefan Wilczewski. „An den Gräbern trauern wir um alle, die durch Gewalt um das Wertvollste gebracht wurden, was sie hatten, nämlich ihr Leben. Gräber sind Orte der Trauer und des Gedenkens. Gräber sind auch Orte der Mahnung und des Lernens“, so der Pastor.

„An den Gräbern der Soldaten wird es eindrücklich klar, dass Versöhnungsarbeit eine notwendige Aufgabe bleibt, für die Politik, für die Erziehung und für die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen“, betonte Stefan Wilczewski bei der Gedenkstunde, die musikalisch vom Männerchor Kierspe unter Leitung von Sofia Wawerla begleitet wurde. Darüber hinaus wurden Spenden für den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge gesammelt.

Bei der Gedenkfeier am Ehrenmal in Rönsahl sprach Kirchmeister Traugott Zentz zu den Anwesenden. „Rönsahl, ich rufe dir mit vollem Munde, wieviel der Tag und Zeit vermag, wie plötzlich Zeiten, Tag und Stunde einer dem anderen folge nach. Kauf aus die Zeit zur Ewigkeit“, zitierte er die Inschrift der 1766 gegossenen und damit zweitältesten der Rönsahler Kirchenglocken. Ebenso wie die noch ältere Uhrglocke, die bereits aus dem Jahr 1577 stamme, habe die Glocke die Wirren zweier verheerender Weltkriege überstanden und sei dank einer glücklichen Fügung dem Einschmelzen entgangen, so dass sie bis auf den Tag ihre Stimme erschallen lassen könne.

Traugott Zentz mahnte zum Nachdenken darüber, ob der Frieden, nach dem sich jeder sehne und der im Herzen Europas scheinbar selbstverständlich scheine, nicht in Wirklichkeit nur von kurzer Bestandsdauer sei. „Wir erheben keinerlei territoriale Ansprüche, wollen in Frieden leben mit unseren Nachbarvölkern, aber trotzdem leben wir in einer globalisierten Welt am Rande des Unfriedens“, stellte er fest.

Die Aufnahme von Flüchtlingen, die dem Kriegselend in ihren Heimatländern entfliehen konnten und dringend humanitäre Hilfe benötigen, sei eine Aufgabe, die jeden angehe. „Wir dürfen die Opfer von heute und morgen nicht ausblenden, geschweige denn vergessen, zumal es erst wenige Jahrzehnte her ist, dass wir in unserem Land selbst dankbar für jedwede Hilfe waren, die uns nach Ende des Zweiten Weltkrieges zuteil wurde“, mahnte der Kirchmeister, dessen Gedenkrede von musikalischen Beiträgen des Kirchen- wie des Bläserchores der Evangelischen Kirchengemeinde umrahmt wurde.

Rainer Crummenerl und Dominic Rieder

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