Gedenken an Opfer von Krieg und Gewalt in Kierspe

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Kierspe – „Ich bin bald wieder da.“ So oder ähnlich verabschiedeten sich viele Männer von ihren Familien, als sie in den beiden Weltkriegen an die Front mussten. „Manche mögen tatsächlich daran geglaubt haben, bald wieder zurückzukommen“, führte Bürgermeister Frank Emde bei der Feierstunde zum Volkstrauertag auf dem Soldaten- und Zwangsarbeiterfriedhof Büscherweg aus. Dass es oft nicht so kam, ist bekannt.

Zur Erinnerung an die Kriege waren die Schützen beider Kiersper Schützenvereine, die Feuerwehr, Vertreter des Turn- und Sportvereins sowie anderer Kiersper Vereine gekommen. Sie gedachten nicht nur der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, ebenso erinnerten sie an die Zwangsarbeiter. 

„Das ist nicht alles Vergangenheit“, so Emde weiter. „So oder so ähnlich haben sich am 9. Oktober zwei Menschen in Halle/Saale von ihren Angehörigen verabschiedet. Sie wussten nicht, dass es kein Wiedersehen mehr geben sollte.“ Die Zahl derer, die sich zu rechtsgerichteten Parteien hingezogen fühlen, nimmt zu und sie fühlen sich immer stärker. „Lassen Sie uns den Kampf gegen Hass und Gewalt annehmen, indem wir die Erinnerungskultur bewahren“, rief Frank Emde zum Ende seiner Ansprache die Anwesenden auf. 

An zwei Stellen legten die Schützen und die Feuerwehr jeweils einen Kranz zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege nieder, einen auf dem Soldatenfriedhof und einen auf dem Zwangsarbeiterfriedhof. Der Männerchor Kierspe gestaltete die Feierstunde musikalisch mit den Liedern „Morgenrot“ und „Heilig“ aus der Schubertmesse. 

Wie erstmals schon im Vorjahr mit Erfolg praktiziert, im neuen Gewand, moderner in der Ausdrucksweise und vor allem zeitgemäßer als in langen Jahren zuvor und so, dass sich alle Altersstufen angesprochen und ins Geschehen eingebunden fühlen konnten – so stellte sich gestern am Volkstrauertag die Gedenkfeier am Ehrenmal in Rönsahl für die Opfer von Krieg und Gewalt dar. 

Und das zahlte sich wiederum aus. Denn anders als noch in manchem Jahr zuvor hatte sich diesmal eine große Zuhörerzahl am Ehrenmal eingefunden, um der Gedenkfeier zum Volkstrauertag beizuwohnen. Die wurde von Kirchen- und Posaunenchor mit passendem und zum Teil aus der Feder von Udo Lindenberg stammendem Liedgut umrahmt. Die mittlerweile nun schon zum Teil länger als ein Menschenleben zurückliegenden Schrecken der Weltkriege und nicht minder das menschenverachtende Geschehen, das auch in unserer scheinbar so aufgeklärten Zeit bei zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen in vielen Teilen der Welt zutage tritt, lieferten zahlreiche Denkanstöße.

 Dass Frieden keineswegs etwas sei, was einfach so passiere, sondern im täglichen Umgang miteinander im Großen wie im Kleinen ständig neu erbeten werden müsse, hatte Ortsbürgermeister Holger Scheel eingangs in kurzen Worten betont. Dass Gedenkfeiern zum Volkstrauertag indes durchaus nicht „leicht angestaubt“ daher kommen müssen, sondern ganz im Gegenteil vielmehr moderne Züge tragen und damit gleichermaßen die ältere Generation wie vor allem auch die Jugend ansprechen können, wurde deutlich: Eine Gruppe von Schülern aus Jugendzentrum und CVJM zeichnete im entsprechenden Wortbeitrag ein Bild von Frieden.

 Welches Glück es bedeutet, in Frieden leben zu können, unterstrichen zudem die Jugendlichen Maja Theis und Celine Stegmann im Zwiegespräch. Dabei wurden unter anderem hohe und nicht überall in der Welt selbstverständliche Werte wie Meinungs- und Religionsfreiheit, das Recht zur freien Persönlichkeitsentfaltung und eine individuelle Lebensführung angesprochen. Mit dem gemeinsam angestimmten Lied von Udo Lindenberg „Wir ziehen in den Frieden“ und einem Dank an die Mitwirkenden sowie an Manuela und Karl-Friedrich Marcus und Bodo Rösener als Ideengeber und Gestalter klang die Feierstunde in Rönsahl aus.

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