Schleiper Hammer feiert Geburtstag am Mühlentag

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Natürlich konnten interessierte Gäste auch selber zum Hammer greifen und Kleinteile zum Mitnehmen schmieden.

Kierspe -  Geburtstagsfeier im Schleiper Hammer: Vor 25 Jahren kaufte der Heimatverein die aufgelassene Fabrik, fünf Jahre später, Pfingsten 1994, wurde das neue Industriedenkmal feierlich eingeweiht. Beim Mühlentag zeichneten die Aktiven in zahlreichen Ansprachen die Anfänge des Museums nach.

Von Birgitta Negel-Täuber

Hans Ludwig Knau erinnerte sich am Pfingsmontag noch gut an das ungläubige Gesicht des damaligen Vorsitzenden Jochen Timpe, als er ihm die Industriebrache vorgeführt hatte. Die war damals im Besitz der Familie Schriever und stand für 50 000 Mark zum Verkauf – innerhalb von zwei Wochen gelang es dem Heimatverein den Kaufpreis aufzubringen. Die Spendenbereitschaft der Kiersper Unternehmen war groß, und auch in den nächsten Jahren standen sie nicht nur mit Rat, sondern auch mit viel praktischer Unterstützung dem Projekt zur Seite. Jüngster Neuzugang ist ein Gesenk der Firma Baberg aus Brügge, mit der an diesem Tag erstmals Hämmer geschmiedet wurden.

Die Hauptlast lag natürlich beim Heimatverein. Die Vorsitzende Silvia Baukloh nannte viele Aktive von damals und heute, allen voran die „Hammerväter“ Armin Rachel, Wilhelm Kattwinkel und Walter Potthoff, aber auch eher im Hintergrund wirkende „gute Geister“ wie Karl Vollmann. Nicht Nostalgie habe sie geleitet, sagte Silvia Baukloh, sondern der Wunsch alte Technik zu bewahren, erlebbar zu machen und behutsam weiterzuentwickeln.

Auch Bürgermeister Frank Emde fand anerkennende Worte für die „unendlich viele Arbeit“, die der Heimatverein hier geleistet hat und sah das kleine Industriemuseum nicht nur als Symbol bürgerschaftlichen Engagements, sondern auch für die lange Tradition der im Volmetal ansässigen Eisenindustrie, aus der sich die heutige Kunststoffverarbeitung entwickelt hat. Auch heute würden in Kierspe noch zwei Drittel aller Arbeitsplätze von der Industrie gestellt, sagte Emde.

Nach dem offiziellen Teil wurde es schlagartig laut, die Treibriemen surrten, die Schmiedefeuer prasselten, und die Hammerschläge waren weithin zu hören; ein Mitmachtag für die ganze Familie war angesagt. Wer wollte, konnte selber Haken schmieden, für alle anderen Gäste standen Kaffee und Kuchen, Erbsensuppe und Schmalzbrote bereit. Die Strickgruppe bot wieder Selbstgefertigtes an und auf Fotowänden war die Entstehung des Schleiper Hammers dokumentiert.

Dass handwerkliche Arbeit nicht nur laut und schmutzig, sondern auch sehr schweißtreibend sein kann, erfuhren die Besucher des Backhauses an der Rhader Mühle. Hier hatten die Aktiven vom Heimatverein bereits am Vortag angeheizt und bereiteten nach und nach Weizen- und Roggenmischbrote vor, die im großen Ofen gebacken wurden. Bis zu 86 Brote können darin auf einmal gebacken werden. Auch hier konnte, wer wollte, selbst Hand anlegen.

Die Nachfrage war groß, viele Käufer fuhren das Backhaus gezielt an, um sich mit frischgebackenem Brot zu versorgen. Anschließend flohen sie gleich wieder ins Freie, trotz hochsommerlicher Temperaturen war es draußen angenehmer als drinnen.

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