Ehemalige Fuhrmannskneipe

Blickfang mitten im Dorf steht leer

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Prägendes Element im Dorf: „Finchen‘s Wirtschaft“, der seit Jahrhunderten an dieser Stelle existierende ehemalige Gasthof „Zur Post“, ist seit mehreren Jahren bereits außer Betrieb und dient nach erfolgter Renovierung derzeit lediglich zu Wohnzwecken.

Rönsahl – Was wird eigentlich aus dem einstigen „Gasthof Zur Post“?

Das Gebäude in Rönsahl Ortsmitte steht nach einem Brand seit mittlerweile sechs Jahren leer, nachdem es im Jahr 2012 einen Eigentümerwechsel gab und die Immobilie als „Finchens Wirtschaft“ zunächst zu neuem Leben erwacht war. Doch die mehr als 250 Jahr zählende Geschichte des Gebäudes wartet weiter auf ein neues Kapitel.

2014 gab`s einen verheerenden Brand

Nach dem verheerenden Brand im Oktober 2014 hatte das Gebäude derart gelitten, dass weder an die Fortführung des Wirtschaftsbetriebes noch an eine Nutzung der übrigen Räume zu Wohnzwecken zu denken war. Rein äußerlich ist das Ausmaß des Feuers, das die gesamte Inneneinrichtung unbenutzbar machte, kaum zu erkennen. Allerdings war eine Kernsanierung der ehedem betriebenen Wirtschaftsräume unumgänglich, und die zur Wiederherstellung des „Innenlebens“ erforderlichen umfangreichen Sanierungsmaßnahmen sind seit längerer Zeit erfolgt. Das nährt die Hoffnung, dass der Gastronomiebetrieb dort wieder aufgenommen werden könnte, obschon das Anwesen mittlerweile zu Wohnzwecken genutzt wird.

Mangel an Einkehrmöglichkeiten

Dass bezüglich des Angebots an Einkehrmöglichkeiten im Golddorf Rönsahl derzeit erheblicher Mangel herrscht, steht außer Frage und macht sich zumal zur jetzt vor der Tür stehenden Haupt-Urlaubszeit negativ bemerkbar. Und gerade deshalb wäre eine Gaststätte in zentraler Ortslage durchaus wünschenswert.

Nicht eben den besten Eindruck macht die Außenanlage des früheren Gasthofs Zur Post auf den Betrachter. Allerlei Wildwuchs macht sich derzeit dort breit, wo früher sommertags das eine oder andere kühle Getränk serviert wurde.

Ein Blick in die Annalen lässt im Übrigen unschwer erkennen, dass das alte Gasthaus nicht nur zu den ältesten und noch bis zum genannten Brandschaden betriebenen Betrieben seiner Art im gesamten Volmetal zu zählen ist, sondern auch ein gutes Stück im Buch der Rönsahler Ortsgeschichte mit geschrieben oder zumindest mit erlebt haben wird.

Ältere Mitbürger wissen sich noch daran zu erinnern, als die Gastronomie in Rönsahl insgesamt schon bessere Zeiten gesehen hat. Allein rund um den Marktplatz gab es um die 1950er-Jahre, zum Teil auch noch später und ganz gewiss auch schon weit vor dieser Zeit, gleich mehrere Einkehrmöglichkeiten mit gepflegter Gastlichkeit. Neben dem Gasthof „Zur Post“ waren das auch die unmittelbar benachbarten Wirtschaften von Willi Clever und Agnes Vormann, das weit über die Ortsgrenzen bekannte „Café Haarhaus“ und der Gasthof Ising (späterer Besitzer Pankow), und vor allem das ehedem renommierte „Hotel Zur Leie“.

Das alles ist zum Teil bereits seit etlichen Jahren längst Geschichte, markiert in gewisser Weise allerdings auch den im Allgemeinen zu verzeichnen infrastrukturellen Wandel in der Geschäftswelt.

Schnittpunkt zweier Handelsstraßen

Das an zentraler Stelle im Dorf und am Schnittpunkt zweier alter Handelsstraßen, nämlich der durch den Ort führenden Bundesstraße 237 und der Kirch- beziehungsweise Kreisstraße 2 als weiterem Verbindungsweg nach Kierspe und Halver gelegene Gasthaus, gibt es nachweislich dort in nahezu unveränderter äußerer Form schon mindestens seit 1768. Damals erfolgte der Wiederaufbau der Servatiuskirche, deren Kirchenschiff wie auch der größte Teil des damaligen Dorfes dem verheerenden Dorfbrand im Jahre 1766 zum Opfer gefallen war. Auch die umliegenden und nach und nach wieder aufgebauten benachbarten Häuser, dazu gehörte auch der Gasthof Zur Post, waren durch das Feuer zum Teil bis auf die Grundmauern vernichtet worden.

"Viel Passage"

Es darf vermutet werden, dass die Gastronomie als solche auch schon vor diesem schicksalhaften Ereignis eine nicht unwesentliche Rolle im Dorf gespielt und zum Einkommen der Dorfbewohner beigetragen hat. So sei nur an entsprechende Aufzeichnungen aus Rönsahls alter Zeit erinnert, in denen es an einer Stelle heißt, dass das Dorf „am Schnittpunkt zweier bedeutender Handelstraßen gelegen, schon von jeher ,viel Passage‘ hatte und das auch entsprechend zu nutzen wusste“.

Manche „Vertellekes“ über „Wirths Witten“, Willi Fähse oder auch deren spätere Nachfolger haben sich im Volksmund gehalten und nähren den Wunsch, dass die traditionsreiche „Kneipe mitten im Dorf“ bald wieder bessere Tage sehen möge.

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