Ein Verbindungsweg, zwei verschiedene Vorstellungen

Fußweg zugeschüttet: Unmut in Rönsahl

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Inzwischen ist der Fußweg blockiert und ein Schild weist darauf hin, dass es sich um einen Privatweg handelt.

Rönsahl - Statt einer barrierefreien Verbindung von der Rönsahler Hauptstraße zur Meienbornstraße fanden die Eltern auf dem Fußweg zum Kindergarten Regenbogen und andere Fußgänger nur einen Berg Schotter vor. Der Unmut ist groß.

Auch Anwohner, die auf kürzestem Weg Brötchen und Zeitung holen wollten, waren wenig begeistert von der Aktion des neuen Eigentümers der ehemaligen katholischen Kirche. Dieser hatte am Dienstagabend Fakten geschaffen und den Weg über den Parkplatz seines Grundstückes blockiert.

Jahrzehntelang diente der Fußweg als Verbindung zur Bundesstraße 237 und war, obgleich die Meienbornstraße einige hundert Meter weiter ohnehin in diese mündet, stark frequentiert. Dass der Käufer des Kirchengebäudes diesen nun dichtmacht, stößt auf negative Resonanz. Auch stand die Frage im Raum, ob dies überhaupt rechtmäßig sei.

Eine Frage, die auch der ehemalige Ortsvorsteher Horst Becker nicht ad hoc beantworten konnte. Dabei hat es eine wichtige Vereinbarung dazu in seiner Amtszeit gegeben: Vor etwa zehn Jahren stand eine Sanierung der Treppe an, die vom Kirchenparkplatz herunter zur Meienbornstraße führte. Statt einer Reparatur erfolgte gleich der Umbau in eine barrierefreie Rampe: auf Kosten der Stadt Kierspe, die seither auch die Instandhaltung und den Winterdienst hierfür sicherstellte.

Nutzung des Weges soll entlohnt werden

An besondere juristische Vereinbarungen war dies nicht gebunden: „Wir haben mit der katholischen Kirche immer sehr gut zusammengearbeitet. Es konnte damals ja niemand ahnen, dass sich einmal so eine Situation ergeben könnte“, erläutert Becker die Verhältnisse.

Doch was veranlasst den neuen Besitzer des Anwesens nun zu einer derart drastischen Maßnahme, die nur wenig Sympathie bei den neuen Nachbarn ernten wird? Die Gründe hat der Eigentümer im Gespräch mit der MZ erklärt. Der Kiersper, der demnächst selbst im früheren Gemeindehaus einziehen möchte, will den Weg nach eigener Aussage überhaupt nicht auf Dauer stilllegen.

Er möchte die Nutzung des Weges, der tatsächlich auf seinem Grundstück entlangführt, entlohnt wissen und keine Verantwortung dafür tragen. Interessen, die er auch in Verhandlungen mit der Stadt habe durchsetzen wollen.

Uneinigkeit über Wert der Liegenschaft

Das bestätigt im Prinzip auch Rainer Schürmann, Sachgebietsleiter „Bauverwaltung und Planung“ im Kiersper Rathaus. Er strebt einen Kauf der Grundstücksfläche an, die sowieso an städtischen Grund grenzt. Doch der Kiersper möchte lediglich vermieten. Uneins ist man offenbar auch über den Wert der Liegenschaft: Für den neuen Eigentümer ist auch der Grünstreifen mit dem Bodenrichtwert für Bauland zu bewerten.

Der Weg war eine wichtige Verbindung zur Bundesstraße 237, er wurde stark frequentiert.

Doch die finanziellen Vorstellungen der Stadt Kierspe würden lediglich auf einem Teil dieses Wertes basieren, so der neue Eigner. Darüber hinaus gibt es noch weitere Gründe für die kurzfristige Sperrung. Der Eigentümer erklärt, seine Parkflächen würden ständig von Autos der Nachbarn zugeparkt. Auch Müll und Zigarettenkippen habe er schon wegräumen müssen. Ebenso seien Hundehaufen ein ständiges Ärgernis. Sogar Probleme, auf eigenem Grund noch Platz für Baustoffe oder Schutt zu finden, habe es gegeben. Alles Faktoren, die sich mit bisherigen, harmlosen Absperrmaßnahmen nicht wirkungsvoll hätten eindämmen lassen.

„Reparaturmaßnahmen stehen an“

Er stellt aber klar: „Ich befürworte den Weg. Nur möchte ich weder Arbeit damit haben noch Verantwortung dafür tragen. Schon jetzt stehen weitere Reparaturmaßnahmen an, da Wurzeln von zwei Bäumen Steine hochdrücken und für Stolperfallen sorgen. Man hätte sich viel früher um eine Lösung kümmern müssen.“

Rainer Schürmann indes sieht die finanziellen Vorstellungen des Eigners als Hindernis: „Da könnte sogar ein Neubau der Rampe auf dem eigenen Flurstück wirtschaftlich sein.“ Ein Manko haben wohl beide Varianten: Sie müssten im Rathaus einige bürokratische Hürden nehmen. Für die Anwohner bleibt zu hoffen, dass sich ein Kompromiss findet, der den Eigentümer zu einer Freigabe des Fußweges motiviert.

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