Frühlingserwachen bei den Kleingärtnern Thingslinde

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Treffen sich Hummel und Fliege inmitten der Krokusse...

KIERSPE ▪ Vögel tschilpen, erste Blumen blühen und die Sonne lacht: Nach hartem Winter kommt der Frühling nun umso freundlicher daher. Auch in die Kleingartenanlage Thingslinde kehrt wieder Leben ein. Die Pächter der 29 Parzellen machen derzeit ihre Gärten fit für die neue Saison.

Melitta und Ingo Küsel sind schon den zweiten Tag bei ihrer Laube. Deren Tür steht weit offen, frische Luft weht herein. Retrieverhündin Andra hat sich davor auf einem sonnigen Fleck Rasen niedergelassen. Sie döst. Ganz anders Herrchen und Frauchen: Melitta Küsel holt sich erste Farbtupfer in den Garten. Bunte Plastikeier verteilt sie an den noch kahlen Ästen von Apfel- und Pflaumenbäumchen. Ihr Mann greift unterdessen zum Hammer. Mit Wucht schlägt er eine Metallstange ins Beet. Den Himbeersträuchern soll diese Halt geben, wenn im Sommer reiche Frucht an ihnen hängt.

Kühler Wind aus Richtung Hohenholten

„Wir sind hier wettertechnisch einen Monat hinter dem Rheinland“, erklärt Melitta Küsel. Außerdem wehe stets ein kühler Wind aus dem Tal, aus Richtung Hohenholten. Das habe Auswirkungen auf den Frühlingsbeginn in der Kleingartenanlage. „Bei den Schneemassen im Februar kamen war gar nicht bis zu unserer Hütte durch“, erinnert sich die 58-Jährige. Bis Ende März mussten Küsels und ihre Nachbarn diesmal auf den ersten Arbeitstag im Garten warten.

Sturmtief Xynthia zerstörte Gewächshäuser

Für manchen Kleingärtner begann dieser jedoch mit einem Schrecken. Schnee, Eis und zuletzt Sturmtief Xynthia hatten Spuren gelassen. „Drei Gewächshäuser hat der Wind komplett zerstört“, teilt Küsel mit. Aus dem Garten von Peter Überberg seien zehn Kunststoffscheiben weggeflogen. Nur drei fanden sich im Tal unter der Anlage wieder.

Ernte steht auf dem Spiel

In ihrer Funktion als Vorsitzende des Kleingartenvereins steht Melitta Küsel nun in Kontakt mit der Versicherung. Die Gewächshäuser sollen rasch repariert werden. Ohne sie wird das Vorziehen von Kohlrabi, Steckrüben und verschiedensten Blumen schwierig. Die üppige Ernte von eigenem Gemüse steht auf dem Spiel.

Fische in Eisfläche festgefroren

Das Gewächshaus von Küsels blieb glücklicherweise heil. Das Paar muss jedoch mit dem Verlust von fünf Goldfischen leben. „Vergangenes Jahr waren es noch elf“, erinnert sich Ingo Küsel: „Im Winter sahen wir dann, dass einige Fische in der Eisfläche des Teiches festgefroren waren.“ Eine Styroporplatte auf der Wasseroberfläche, die eine geschlossene Eisdecke verhindern sollte, war weggeflogen.

1979: Eintragung ins Vereinsregister

Nichtsdestotrotz freuen sich die beiden, jetzt wieder rund um ihre Hütte aktiv werden zu können. Küsels sind die letzten Gründungsmitglieder des Vereins, die ihre Parzelle noch selbst bewirtschaften. 1979 war das Paar beteiligt, als der Kleingartenverein Thingslinde ins Vereinsregister eingetragen wurde. „Als dann alle Genehmigungen bei der Stadt durch waren, bauten wir ab 1982 die Hütten“, sagt Melitta Küsel und weist entlang des Weges. 25 Bauten aus Stein und vier sogenannte Nurdachhäuser entstanden.

Anbau von Wintergärten und Terrassen

Weitgehend nach eigenem Belieben erweiterten die Gartenfreunde ihre Lauben später um Wintergärten und Terrassen. „Es gibt aber natürlich auch Regeln bei uns“, stellt die Vereinsvorsitzende klar. „Ich muss noch über alle Hecken herüber schauen können“, lacht sie. Bei etwa eineinhalb Metern erinnere sie ihre Nachbarn deshalb an einen Heckenschnitt. In anderen Punkten lockerten sich die Regeln jedoch. So ist es mittlerweile erlaubt, dass nur noch ein Drittel der Fläche reiner Nutzgarten sei. Familien käme das sehr entgegen. „Vor allem Kinder brauchen ja Platz zum Spielen, wenn ihre Eltern mit Obst- und Gemüseanbau beschäftigt sind“, erklärt Küsel.

Kampf gegen Überalterung

Trotzdem kämpfe auch der Kleingartenverein gegen eine Überalterung. Junge Familien zur Mitgliedschaft zu motivieren, sei nicht einfach. Kosten und Arbeitsaufwand schreckten ab. Ohne ihre bald wieder grüne Oase leben zu müssen, können sich Küsels hingegen nicht mehr vorstellen. Nach getaner Arbeit von der Sitzecke aus die Sonne genießen und den Pflanzen beim Wachsen zusehen – für Küsels einfach unbezahlbar.

Link: Kleingartenverein Thingslinde Kierspe: http://www.kleingarten-kierspe.de/index.html

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