Frömmecketal: Ohne Pflege gibt es kein Biotop

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Die alten Weiher im Naturschutzgebiet Oberes Frömmecketal sind Kinderstube für Amphibien und Libellen. ▪

KIERSPE ▪ Vorth, Linden, Immelscheid – wer kennt die Weiler, kennt die Namen der Gehöfte, die, obwohl jenseits der Volme, noch auf Kiersper Gebiet liegen? Was die Altvorderen dort einst in Schwerstarbeit unter den Pflug nahmen, reichte kaum, um Mensch und Vieh zu ernähren. Nicht auf fetten Weiden grasen, sondern in Mooren, Heiden und sogenannten Hudewäldern Magerkost suchen, war das Schicksal der Tiere.

Entstanden sind durch diese Nutzung einzigartige Biotope mit einer darauf spezialisierten Fauna und Flora. Unter Naturschutz gestellt, haben sie in der Kulturlandschaft als Refugien für an diese Bedingungen angepasste Lebensgemeinschaften eine unverzichtbare Funktion. Unterschieden in Heiden, Grünlandtäler, bewaldete Bachtäler sowie Hangquell- und Übergangsmoore, weisen die Naturschutzgebiete (NSGe) der Stadt vier Biotoptypen auf. Zum den letzteren zählt das NSG „Oberes Frömmecketal“.

Eine Vielzahl mehrstämmiger Buchen zeugt dort noch heute von der Verwendung der Laubhölzer als Futter, Stallstreu und Brennmaterial. Den zentralen Moorkörper bildet inzwischen ein Karpaten-Moorbirkenbruch, in dem die in unserer Zeit stetigen Einträge von Luftstickstoff für ungewollte Düngung sorgen, weshalb das so begünstigte Pfeifengras dominiert. Dazwischen suchen sich Torfmoospolster zu behaupten, vereinzelt stehen das Gefleckte Knabenkraut und das Schmalblättrige Wollgras. Heidel- und Preiselbeere wachsen in den Randzonen und auch die seltene Glockenheide. Auf von Verbuschung freien Teilflächen haben hochgradig gefährdete Arten wie der Rundblättrige Sonnentau, Moosbeere und Moorlilie eine Chance zum Überleben. „Das zu gewährleisten setzt Pflegemaßnahmen voraus, die bei Bedarf durchgeführt werden, etwa durch Beweidung mit einer Wanderschafherde“, erklärt Michael Bußmann. „Überließe man diese Bereiche sich selbst und damit der natürlichen Entwicklung, wäre Bewaldung die Folge und die Artenvielfalt dahin“, weiß der bei der Unteren Landschaftsbehörde MK tätige Biologe. Verschwinden würden dann auch Reptilien wie Waldeidechse, Ringel- und Schlingnatter. Erhalten geblieben sind die einst künstlich angelegten Weiher. Auch sie sind unentbehrliche Puzzleteile im Ganzen, zumindest für das Knöterichblättrige Laichkraut und verschiedene Libellenarten. Aktuell begründet die Frühe Adonislibelle durch Eiablage in die wassergefüllten Tümpel die nächste Generation ihrer Art. Rippen- Buchen- und sogar der Königsfarn nutzen die Vegetationszeit zum bestandserhaltenden Aufwuchs ▪ As

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