"Raukmord": Fritz-Linde-Zimmer wird zum Tatort

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Im Wechsel lasen Marion Görnig (links) und Martina Schneer-Bille die Erzählung von Gudrun Seeberger.

Kierspe - Noch authentischer geht es nicht: Der Tatort war gleichzeitig Ort der Lesung. Der Krimi „Raukmord“ von Gudrun Seeberger fand in jeder Beziehung im Fritz-Linde-Zimmer im Alten Amtshaus statt.

Lediglich die Tatwaffe, ein gusseiserner Rauk, war ersetzt worden. „Den alten Rauk haben wir weggetan, der war so blutbesudelt“, erklärte Silvia Baukloh vom Heimatverein schlagfertig, als sie danach gefragt wurde. Tatsächlich war der leicht abstrakte Rabe beim Brand im Oktober 2013 verschwunden und auch der frühere Ratssaal im Alten Amtshaus sah nach der Renovierung deutlich anders aus, als ihn Gudrun Seeberger in ihrer Erzählung beschrieben hatte.

Räumlicher Bezug als wesentlicher Reiz

Im Rahmen der Lesungen von „Mord im Denkmal“ präsentieren die Autoren der Krimiwerkstatt der Volkshochschule ihre Geschichten zumindest in der Nähe der Tatorte, der räumliche Bezug trägt wesentlich zum Reiz dieser Lesereihe bei. So war es auch bei „Raukmord“, wobei Gudrun Seeberger durch eine Erkältung daran gehindert war, ihre Geschichte selbst vorzulesen. Das übernahmen für sie Martina Schneer-Bille und Marion Görnig.

VHS-Direktorin Görnig mittelbar beteiligt

VHS-Direktorin Görnig war zumindest mittelbar am Geschehen beteiligt: Weil sie in Seebergers Erzählung zu einem internationalen Austausch im Ausland weilt, ist kommissarisch Oliver Steins als Leiter eingestellt worden. Und der entwickelt hochfliegende Pläne für das Alte Amtshaus. Das Fritz-Linde-Zimmer will er als Arbeitszimmer in Beschlag nehmen und alle anderen Räume gleich mit. Das Bakelitmuseum? „Das muss raus,“ entscheidet er selbstherrlich.

Erschlagen mit dem Rauk

Von der ersten Reihe aus hörte Gudrun Seeberger (links) ihrer eigenen Geschichte zu.

Aber dazu kommt es nicht, denn Gesamtschullehrer Tom Becker entdeckt ihn eines Morgens tot im Museum – erschlagen mit dem Rauk. Polizistin Sevgi Kalkan ermittelt in alle Richtungen, denn gleich mehrere Menschen aus dem Umfeld von Steins haben ein Motiv.

Amtshaus meldet sich selbst zu Wort

Mit Humor und viel Lokalkolorit zeichnete Seeberger die Konflikte zwischen Ortsfremden und behaupteter Heimatliebe. Das Alte Amtshaus selbst meldet sich in der Erzählung auch zu Wort und bei der Gelegenheit erfuhren die Zuhörer, wie der Brand tatsächlich entstanden ist. Er hatte gewissermaßen psychische Ursachen, denn bei Gudrun Seeberger hat auch das Amtshaus eine Seele.

Lesung in Kooperation mit dem Heimatverein

Die Lesung am Sonntagnachmittag fand in Kooperation mit dem Heimatverein statt. Die Aktiven sorgten für Kaffee und Kuchen und wer wollte, konnte sich in der Pause die neue Ausstellung im Bakelitmuseum anschauen oder die Krimisammlung „Mord im Denkmal“ käuflich erwerben. Die ist inzwischen in einer zweiten, erweiterten Auflage erschienen und zum Preis von elf Euro in der Geschäftsstelle der VHS erhältlich. - bnt

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