Fritz-Linde-Museum wird rechtzeitig fertig

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Unscheinbar präsentiert sich das Fritz-Linde-Museum an der Straße Höferhof in Kierspe. ▪

KIERSPE ▪ Wer heute die Innenräume des Fritz-Linde-Hauses und damit das jüngste Museum des Märkischen Kreises betritt, der kann sich nicht vorstellen, dass noch vor wenigen Monaten feuchte Wände eine marode Heizungsanlage und eine in die Jahre gekommene Einrichtung das Bild dominierten. Mit viel Engagement und ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden ist das Haus in der Woche, in der Fritz Linde seinen 130. Geburtstag gefeiert hätte, fertiggestellt worden. Damit steht einer offiziellen Eröffnung am Samstag, 28. Juli, nichts mehr im Wege.

Bis in den Herbst des vergangenen Jahres wohnte noch die letzte überlebende Tochter von Fritz Linde, Elisabeth Linde, in dem alten Häuschen an der Straße Höferhof. Der inzwischen verstorbenen Frau war es ein Anliegen, dass mit dem Haus auch das Andenken an ihren Vater erhalten bliebe. So war sie mehr als froh, dass sich der Heimatverein bereit erklärte das Gebäude zu übernehmen, um darin ein kleines Museum einzurichten. Endlose Mengen an Fotos und Manuskripten wurden von Silvia Baukloh und Marlen Vedder gesichtet, ausgewertet und in einen Zustand versetzt, in dem sie ausgestellt werden konnten. Heute zieren viele dieser Bilder die Wände des komplett renovierten Hauses. Die Manuskripte, in Sütterlinschrift verfasst, finden sich zum Teil auf den Rückseiten von Kalenderblättern, alten Arbeitsprotokollen der Firma Dr. Deisting, aber auch auf DIN-A-4-Blättern, die zusammengerollt auf dem Dachboden lagen. „Leider hat Linde meist mit Bleistift geschrieben. Dadurch sind die Dokumente nur schwer zu entziffern“, so Monika Baukloh. Ein Glück, dass der Mann zu Lebzeiten drei Bücher herausgebracht hat und in zahlreichen Heften publizierte, so ist ein großer Teil seines Werkes gut lesbar geblieben.

Im gleichen Raum wird aber einer weiteren Kiersper Schriftstellerin gedacht. Ein großer Teil der mehr als 100 Bücher, die Anny Wienbruch verfasste, finden sich in einer Nische des Raumes, der auch Platz für mehr als 30 Gäste bei Veranstaltungen bietet. Die Kosten für die Anschaffung der Stühle und Klapptische wurden – genau wie die rund 30 000 Euro Renovierungskosten – aus dem Nachlass der Linde-Tochter gezahlt.

Gelebt hat der Kiersper Heimatdichter von 1908 bis 1935 in dem Haus am Höferhof. Gebaut hatte es sein Schwiegervater Anfang der 1880er Jahre. Und nach dem Kaminkehrer war es in der Nachbarschaft nur als Schornsteinfegerhaus bekannt. Damals sah das mehrfach umgebaute Gebäude aber noch ganz anders aus. Dort, wo sich heute der große Ausstellungsraum befindet, waren zu Fitz Lindes Lebzeiten Küche und Stall untergebracht. Im Original erhalten ist nur die gute Stube seiner Tochter Elisabeth, die heute Teil der Ausstellung ist und die Besucher zum Platz nehmen und Plaudern einlädt. Vom Mobilar des Dichters selbst ist nichts außer einem Küchenstuhl und einem Melkschemel übrig geblieben.

In Zukunft soll das neue Museum auch Gruppen zur Verfügung stehen. Und bereits jetzt haben sich der plattdeutsche Kreis und die Frauenhilfe für ein Treffen in den historischen Räumen angekündigt. Die Bewirtung mit Kaffee und Kuchen wird an solchen Tagen vom Heimatverein übernommen. „Damit sollen dann die laufenden Kosten – wenigstens zu einem Teil – gedeckt werden“, hofft Marlen Vedder.

Offiziell eröffnet wird das Museum am Samstag, 28. Juli. Dann steht das Gebäude allen Interessierten von 11 bis 17 Uhr offen. In einem Zelt auf dem Grundstück bietet der Heimatverein an diesem Tag Kaffee und Kuchen an. Eine feierliche Eröffnung mit geladenen Gästen findet in der Woche zuvor statt. Dann wird auch der Landrat Thomas Gemke in dem Haus des Dichters zu Gast sein. ▪ jobek

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