Feierliche Eröffnung des Fritz-Linde-Museums

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Im Rahmen einer Feierstunde wurde das Fritz-Linde-Museum eröffnet. ▪

KIERPSE ▪ Die feierliche Eröffnung des Fritz-Linde-Museums fand im Rahmen eines Festaktes statt. Das kleine Haus am Höferhof bot nicht annähernd genug Platz für die vielen Gäste. Der Heimatverein hatte deshalb im Garten ein Zelt aufgestellt, die Reden wurden mit Hilfe einer Lautsprecheranlage nach draußen übertragen.

Auch der Männerchor Kierspe stellte sich im Freien auf und eröffnete die Feierstunde mit einem Ständchen. Bei dem Lied „Susewind“ stammt der Text von Fritz Linde, vertont wurde das plattdeutsche Gedicht von Chorleiter Willy Brune.

Zahlreiche Redner würdigten das Werk von Fritz Linde und die Anstrengungen des Heimatvereins, ohne die das Museum nicht hätte entstehen können. Viele Menschen hatten das Werk unterstützt: Handwerker verzichteten auf auf einen Teil ihres Lohns, die Nachbarn trugen in zahllosen Arbeitsstunden dazu bei, das stark renovierungsbedürftige Haus wieder instand zu setzen.

„Der Heimatverein verdankt Fritz Linde seine Existenz,“ sagte Hans Ludwig Knau in seiner Eröffnungsrede. Aus der ursprünglichen Idee, eine „Fritz-Linde-Gesellschaft“ zu gründen, wurde „ein Heimatverein mit einem größeren Aufgabenkreis“. Knau gehörte seinerzeit zu den Gründungsmitgliedern. Aufgabe des Museums sei die „Pflege und Bewahrung des Nachlasses von Fritz Linde“, aber „erweitert auch auf Anny Wienbruch, die sich als Lehrerin, Dichterin und Kinderbuchautorin weithin einen Namen gemacht hat.“

Silvia Baukloh ergänzte, dass man, auf die Zukunft gesehen, auch dem Werk anderer Kiersper Autoren einen Erinnerungsort bieten wolle. Man müsse sich dabei nicht aufs Plattdeutsche beschränken.

Die Bedeutung des Heimatbegriffs stellte Bürgermeister Frank Emde in den Mittelpunkt seiner Rede. „Heimat ist etwas Großes, etwas Bedeutendes.“ Mit dem Verlust von Heimat gehe auch die wirtschaftliche Existenz verloren, „vielleicht sogar die Lebensperspektive“. „Was Heimat ist und bedeutet“ könne das neue Museum großartig vermitteln. „Ein Rundgang durch das Museum gleicht einer kleinen Zeitreise.“

Landrat Thomas Gemke war in doppelter Funktion gekommen, er ist gleichzeitig Vorsitzender des Heimatbundes Märkischer Kreis. Heimat und Sprache hingen eng zusammen, führte er aus. Das funktioniere auch umgekehrt, belegte er mit einem Zitat von Wilhelm von Humboldt: „Die Entfremdung vom Heimischen geht immer am schnellsten durch die Sprache.“

Dr. Wilhelm Bleicher vom Niederdeutschen Arbeitskreis beim Heimatbund griff diesen Gedanken auf. Er zitierte aus dem Gedicht „Dei olle Hualwiag“ („Der alte Hohlweg“) und erläuterte anhand einiger Mundartbegriffe die Gedankenwelt, die sich damit verbinde. So bedeute „dat Luaff“ wörtlich übersetzt „das Lob“. Tatsächlich gemeint sei aber ein Hausschutz, eine Geisterabwehr in Form eines mumifizierten Pferdekopfes, den manche Bauern zu dieser Zeit noch auf dem Dachboden verwahrten. Fritz Linde kannte diesen Brauch.

Der Heimatdichter hatte anfangs auf Hochdeutsch geschrieben, war dann aber ins Plattdeutsche gewechselt, das auch schon zu seiner Zeit im Niedergang begriffen war. Die Pflege der Sauerländer Mundart sei ihm ein Bedürfnis gewesen, sagte Ortsheimatpfleger Ulrich Finke.

Die Gedichte des Metallarbeiters entstanden auf langen Fußwegen zur Arbeit. Linde schrieb unentwegt und veröffentlichte seine Gedichte vorwiegend in Zeitungen und Zeitschriften. Seine Themen entnahm er seiner Umgebung und der Natur. „Fritz Linde schrieb Erlebnisdichtung, Alltägliches wurde zur Lyrik.“

Fritz Linde las auch die Bücher von Anny Wienbruch – damit leitete Ortsheimatpfleger Ulrich Finke zu der Autorin über, die bis zu ihrem Tod in Kierspe gelebt hat.

Eine Vitrine mit persönlichen Gegenständen und Büchern und eine kleine Fotoausstellung erinnern in dem neuen Museum an die frühere Lehrerin der Pestalozzischule. ▪ bnt

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