Eine zentrale Straße mit einer langen Geschichte

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Marlen Vedder (links) und Silvia Baukloh haben die Ausstellung im Museum vorbereitet.

Kierspe - An der Friedrich-Ebert-Straße steht die Margarethenkirche, der erste kunststoffverarbeitende Betrieb Kierspes und einige der ältesten Häuser des innerstädtischen Bereichs. Grund genug für den Heimatverein, sich mit dieser Straße auseinanderzusetzen. Mithilfe von Fotos können sich Besucher am Sonntag selbst ein Bild von der Straße machen, die im Grunde stellvertretend für die ganze Stadt steht.

Es gibt eine Fotomontage, da fährt auf der Friedrich-Ebert-Straße die Straßenbahn, darüber eine Schwebebahn und am Himmel ziehen Luftschiffe vorbei – eine Vision, die so nicht eintraf, auch wenn auf dieser Straße der erste Bus in Kierspe unterwegs war, der unter anderem an der ehemaligen Post Station machte.

Doch das alles war zu einer Zeit, als die Straße noch Hauptstraße hieß, am Bahnhof begann und über den Wildenkuhlen zum Hedberg führte. Später wurde der Name in Adolf-Hitler-Straße geändert – bei gleicher Streckenführung. Damit ist auch erklärt, warum die Haunummern der heutigen Friedrich-Ebert-Straße gleich im dreistelligen Bereich am Wildenkuhlen beginnen.

Die Ausstellung des Heimatvereins beschäftigt sich dann auch „nur“ mit der Straße von der Kreuzung Wildenkuhlen bis zum Hedberg. Es finden sich in der Ausstellung alte Dorfansichten, die zeigen, wie dünn besiedelt sich die Volmestadt lange Zeit präsentierte. „Trotzdem war in unserer Jugend in fast jedem Haus ein Geschäft – und alle konnten davon leben“, sagen übereinstimmend Marlen Vedder und Silvia Baukloh, die die Schau vorbereitet haben.

Sie werden die Besucher auch in eine Zeit mitnehmen, in der „Pütterhus“, „Strunk“ und „Schmiedegut“ noch allen Kierspern etwas sagten, in der die Reithalle hinter der Raukapotheke stand und der Volksbankvorläufer im ersten Obergeschoss eines Einzelhandelsgeschäftes zu finden war.

Sie wissen von einem Flugzeugabsturz zu berichten, der in einem Alleebaum an der Straße endete und von einer Zeit, als sich der kommunale Regierungssitz noch im Dorf befand.

Die Bilder zeigen natürlich auch viele Gebäude, die durch An- und Umbau verändert wurden oder mittlerweile gar nicht mehr existieren, wie beispielsweise das Geburtshaus von Peter Wilhelm Eberhard Steinmüller, der später in Gummersbach ein bedeutendes, international tätiges Unternehmen des Dampfkessel- und Anlagenbaus gründete.

Gerade die älteren Besucher, die am Sonntag ins Fritz-Linde-Museum kommen, werden sich beim Betrachten der Bilder noch an vieles erinnern, was sie aus ihrer Kindheit und Jugend kennen. Sie sehen die zahlreichen alten Gaststätten, die das Bild der Straße genauso prägten wie die Margarethenkirche und das Lutherhaus, das lange, bevor es Gemeindehaus wurde, als Volksschule und Selekta diente.

Dass diese Erinnerungen möglich sind, liegt zum einen daran, dass das fotografische Gedächtnis nur bis zum Ende des vorvergangenen Jahrhunderts zurückreicht – das älteste Bild stammt aus den 1890er-Jahren. Zum anderen war die zentrale Straße im Grunde schon vor dem Krieg so eng bebaut, dass nicht viel Platz für echte Neubauten war, jedenfalls nicht im Bereich des Dorfes.

Rund drei Monate haben die Verantwortlichen in die Vorbereitung investiert, haben unglaubliche Mengen alter Bilder gesichtet und neue angefertigt. Da längst nicht alle Fotografien, die sich im Archiv fanden oder von Kierspern nach einem Aufruf in der Meinerzhagener Zeitung abgegeben wurden, ihren Platz an den Wänden des Museums finden, werden per Beamer etliche an die Leinwand geworfen, andere können stapelweise durchblättert werden.

Die Ausstellung ist am Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Bewirtet werden die Gäste mit Würstchen, Salat, Kaffee und selbstgebackenem Kuchen. Wer es am Sonntag nicht ins Museum schafft, hat am Dienstag von 15 bis 16 Uhr noch einmal eine Gelegenheit, sich die Bilder der Friedrich-Ebert-Straße anzuschauen.

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