Für Frieden und Menschenrechte einsetzen

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Wie in jedem Jahr waren die Gräber der in den Weltkriegen Gefallenen sowie sie der Zwangsarbeiter mit gelben Blumen geschmückt. Rundherum stellten sich die Vertreter der verschiedensten Vereine auf.

KIERSPE/RÖNSAHL ▪ Mit sehr persönlichen Erinnerungen, die das damals bei Kriegsende erst sechsjährige Kind ein ganzes Leben lang begleiteten, ging Ellen Becker gestern morgen anlässlich ihrer Rede am Ehrenmal in Rönsahl auf die Thematik des Volkstrauertags ein.

Prägende Erinnerungen an die Heimkehr des Vaters, der sich in den letzten Zügen des Zweiten Weltkriegs nach Hause retten konnte, ausgestandene Ängste, von den Schergen des Nazisystems entdeckt zu werden, mancherlei Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zeichneten ein Bild vom Zeitgeist, so wie der damals auch im Dorf Rönsahl zu finden war.

Ellen Becker erinnerte an Flüchtlingselend und mancherlei Schicksale von Heimatvertriebenen, wie auch der Kinder des Kinderheims, die damals die Wunden, die der Krieg geschlagen hatte, überwinden und die Trümmer ihres Lebens in einem schwierigen Umfeld neu ordnen mussten. Die Frage, ob es nach einem Krieg überhaupt Sieger und nicht ausschließlich Verlierer geben könne, stelle sich in unseren Tagen ebenso wie zu allen Zeiten.

Ebenfalls sehr persönlich sprach Georg Seidel am Ehrenmal auf dem Friedhof am Büscherweg. Er berichtete, wie er als kleiner Junge von seinem Vater zum Volkstrauertag mit auf den Friedhof genommen worden war, aber gar nicht so recht verstand, warum die Menschen dort an diesem Zeitpunkt sangen und eine Rede hielten. Doch seitdem habe er viel dazugelernt. Er ging auf verschiedene Situationen ein, nach denen er heute dankbar ist, dass die machthabenden Menschen die richtigen Entscheidungen getroffen hätten. Insbesondere die Durchsetzung der Menschenrechte lag ihm am Herzen. Gleichzeitig mahnte er aber auch, dass das Ehrenmal in Kierspe ein Mal sei, das es zu pflegen gelte. „Wenn wir unseren Kindern nicht beibringen, die Menschenrechte zu achten, dann werden wir bald ein Problem bekommen.“ Eingerahmt wurde die Zeremonie hier von der Stadtkapelle und dem Männerchor Kierspe. Jeweils ein Kranz wurde am Ehrenmal der Gefallenen und am Ehrenmal der Zwangsarbeiter niedergelegt.

An der Kölner Straße wurde die Feierstunde ebenfalls von der Stadtkapelle unter der Leitung von Götz Land eröffnet. Gemeinsam mit den Schützen des ASV, Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, Vertretern aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft gedachte sie der weltweiten Opfer von Gewalt und Krieg.

In seiner Predigt wies Pastor Gregor Myrda darauf hin, dass erstmals 1952 Männer, Frauen, Kinder, Geschwister, Großeltern und ganze Familien zusammen kamen, um die Toten des Zweiten Weltkrieges zu betrauern. Damals seien Angst, Verzweiflung und Verlust noch sehr nah gewesen, das Schicksal vieler Vermisster noch ungeklärt. „Heute haben sich Welt und Lebenswirklichkeit stark verändert. Mit der Generation der Zeitzeugen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges stirbt auch die persönliche Erinnerung an die Kriegsgräuel langsam aus“, erklärte Myrda. Nach seiner Überzeugung sei es künftigen Generationen nur möglich überzeugte Friedensarbeit zu leisten, wenn sie sich emotional von Leid und Grausamkeit des Krieges weiterhin berühren ließen. „Wir müssen dafür sorgen, dass Einzelschicksale aus dieser Zeit präsent bleiben, die exemplarisch für viele Opfer stehen“, betonte der Pfarrer.

Nach der abschließenden Kranzniederlegung durch Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr klang die Feierstunde musikalisch mit einem Beitrag der Stadtkapelle aus. ▪ cr/msh/isas

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