Präsenzunterricht: Erhöhtes Risiko und erheblicher Mehraufwand

Freude, aber auch leichte Skepsis

Lollitests beginnen in allen Grund- und Förderschulen in NRW
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Zweimal in der Woche müssen die Grundschüler in Kierspe den sogenannten Lollitest durchführen – viel Arbeit für die Lehrer an den Schulen.

Es gibt nicht nur Freude darüber, dass seit Montag wieder ein (fast) normaler Präsenzunterricht an den Kiersper Schulen läuft, sondern teilweise auch leichte Skepsis. Denn das Infektionsrisiko hat sich erhöht, da in den Klassenräumen die Abstände nicht mehr eingehalten werden.

Pestalozzi- und Schanhollenschule

Kierspe - „Bei 29 Kindern in einer Klasse ist auch die Bewegung eingeschränkt“, sagt Thomas Block, Leiter der Verbundschule Pestalozzi und Schanhollen. Andererseits zeigt sich er sich erleichtert: Die Schulhöfe der Pestalozzi- und der Schanhollenschule hätten sich mit dem aufgehenden Himmel und dem besser werden Wetter wieder gefüllt. „Es wird ein wenig normaler!“

Denn das Maskentragen, Desinfizieren und die Lollitests erinnern nicht nur daran, dass die Corona-Pandemie noch längst nicht vorüber ist. Vielmehr kommt es gerade durch die Tests, die zweimal in der Woche durchgeführt werden müssen, zu einem erheblichen Mehraufwand, der eigentlich nichts mit den Aufgaben eines Lehrers zu tun hat. Nicht umsonst wünscht sich Thomas Block, sich dem eigentlichen Kerngeschäft wieder zuwenden zu können.

Keine Wanderungen oder Fahrten

Statt wie früher zum Ende des Schuljahres Wanderungen oder auch Fahrten beispielsweise zur Burg Altena durchführen zu können, ist nun Diagnose-Arbeit zu leisten, teils auch Arbeiten schreiben zu lassen, um Antworten auf die Frage zu finden: „Wo stehen die Schüler, wie haben sie beim Homeschooling gearbeitet?“ Gleichzeitig hofft der Schulleiter, dass das Land Angebote unterbreitet, damit sie in den Sommerferien das nicht Gelernte nachholen können.

Erfreulicherweise habe es in den vergangenen Wochen, in denen in den Grundschulen der Lolli-Test durchgeführt wird, nur einen positiven Fall gegeben. Dies zeigte aber auf, welcher zusätzlicher Aufwand betrieben werden muss. Die rotmarkierten Tests werden in der Schule durchgeführt, wobei alle Tupfer einer Klasse in ein Rörchen kommen. Die Proben werden abgeholt und nach Iserlohn ins Labor gebracht, beschreibt der Schulleiter das Prozedere.

Gegen 23.30 Uhr kommen Ergebnisse

Spät abends, etwa gegen 23.30 Uhr erhalte man das Ergebnis. „Man steht dann auf und schaut doch noch mal nach“, führt Block weiter aus, dass man sich bei einem positiven Fall vorbereiten muss, bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr die Eltern zu informieren, dass die Kinder zuhause bleiben und dort der zweite Lolli-Test (blau markiert) durchgeführt und in der Schule abgegeben wird. Erst dann könne man feststellen, bei welchem Kind der Test positiv war. Das heißt aber auch, sämtliche Daten der Kinder der Klasse zu erfassen, die dann für die genaue Zuordnung mittels eines QR-Codes ans Labor gehen.

„Das läuft sehr gut mit den Pool-Tests und mit dem Labor“, findet auch Stefanie Fischer, Leiterin der Verbundschule Bismarck und Servatius. Vor allem, dass man die Ergebnisse noch am selben Abend (Nacht) erhält, das sei nicht bei allen Schulen so. Weder in der Servatius-, noch in der Bismarkschule gab es bislang einen positiven Test. Die Eltern mussten also bislang nicht ihren Lolli-Test zuhause nutzen. Auch wenn dies einige wenige ohne Aufforderung der Schule bereits gemacht hätten.

Bismarck- und Servatiusschule

„Quirlig und fröhlich“, gehe es jetzt wieder in den Grundschulen zu, freute sich Fischer. Auch wenn es für die Kinder Schwierigkeiten gab, in den Alltag einzusteigen. „Sie sind heute Morgen so aufgeregt gewesen, da habe ich sie mal erst eine Viertelstunde erzählen lassen“, beschreibt die Schulleiterin, dass die Wiedersehensfreude größer war als nach sechs Wochen Sommerferien. Aber auch sie und ihre Kolleginnen und Kollegen müssen sich nun wieder daran gewöhnen, „dass es so voll ist“.

Schwierigkeiten, in den Alltag einzusteigen

Auf der anderen Seite ist die Freude bei allen groß, dass es nun wieder Präsenzunterricht gibt. Wenn auch unter den bekannten Schutzmaßnahmen. „Denn jeder Tag, den die Kinder nicht in der Schule waren, ist ein verlorener Tag“, sagt Stefanie Fischer. Dabei geht es nicht nur um die Wissenslücken, die sich bei dem ein oder anderen auftun, sondern besonders um die fehlende Bewegung. Erste Untersuchungen warnen davor, dass dies weitreichende Konsequenzen haben könne. „Daher waren und sind wir stets bemüht, den Sport- und den Schwimmunterricht irgendwie durchzuführen“, betont die Schulleiterin.

Gesamtschule

Erleichterung und Freude insbesondere bei den Schülern sei schon festzustellen, erklärt Stefan Müller, stellvertretender Leiter der Gesamtschule. Insbesondere, weil sich möglicherweise befreundete Schüler eine ganze Weile nicht gesehen hätten. Denn die Aufteilung für den Wechselunterricht wurde nach dem Alphabet vorgenommen. Ebenso hätten die Kinder und Jugendlichen wieder klarere Strukturen.

Auf der anderen Seite müsse man sich im Klaren sein, dass es nun ein höheres Risiko gebe. Zwar werden weiterhin Masken getragen, Hände desinfiziert und gelüftet, doch die Abstände könnten natürlich nicht eingehalten werden. Auch die verschiedenen Ein- und Ausgänge für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen bleiben ebenso bestehen wie die Bereiche auf den Schulhöfen beziehungsweise Außenbereich.

Frühzeitig positive Fälle herausfiltern

Doch: Stefan Müller schaut aus dem Fenster: „Da stehen fünf Schüler zusammen“. Um dagegen vorzugehen, bräuchte es jede Menge Lehrer, die in den Pausen unterwegs wären. Aus dieser Sicht bleibe die Hoffnung, dass man durch das Testen frühzeitig positive Fälle herausfiltere und im Sinne einer Nachverfolgung auch die Kontaktpersonen, beispielsweise im Bus, wieder nach Hause schicke.

Letztlich ist dies auch einer der Gründe, warum die Selbsttests in der Gesamtschule in der ersten Unterrichtsstunde durchgeführt werden. Ebenso wurde in der Sporthalle eine Teststraße eingerichtet, damit dort die Schüler aus maximal drei Klassen, die in der ersten Stunde Sportunterricht haben und natürlich auch getrennt bleiben sollen, ihre Tests durchführen können.

Unterricht auf dem Schulhof

Erfreulich sei natürlich, dass mit Beginn des Präsenzunterrichts auch das Wetter deutlich besser wurde. Das wiederum ermöglichte nicht nur, den Sportunterricht nach draußen zu verlegen. Auch drei Klassen nutzten Sonne und wärmere Temperaturen am Montag, um ihre Klassenzimmer auf den Schulhof zu verlegen – was natürlich nicht immer möglich sein wird. Und auf die Frage, ob man mit dem Wiederbeginn des Präsenzunterrichts nicht vielleicht doch bis zum Beginn des neuen Schuljahres hätte warten sollen, antwortet der stellvertretende Schulleiter diplomatisch: „Wir hätten auch noch bis zu den Ferien durchgehalten!“

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