Freiwillige übernehmen die Arbeit der Zivis

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Ralf Schustek freut sich über seine ersten Freiwilligen. Ein Jahr wollen Carsten Voswinkel (links) und Sascha Przywarra ihren Dienst in der Kirchengemeinde verrichten. ▪

KIERSPE ▪ Noch stehen der Kirchengemeinde drei Zivildienstleistende zur Verfügung, um den Service „Essen auf Rädern“ und auch die Seniorenbetreuung aufrecht zu erhalten. Doch spätestens Ende des Jahres wird diese Form der Beschäftigung auslaufen. Da trifft es sich gut, dass mit Carsten Voswinkel und Sascha Przywarra zwei „Freiwillige“ ihren Dienst begonnen haben.

„Ich wollte die Pause zwischen Schule und Studium sinnvoll nutzen. Durch mein diakonisches Praktikum habe ich die Arbeit im sozialen Bereich bereits kennengelernt. Das hat mir damals viel Freude gemacht“, erklärt Carsten Voswinkel, der sich für den Bundesfreiwilligendienst entschieden hat. Außerdem will der 19-Jährige das Jahr nutzen, um sich besser auf sein Musikstudium als Teil des Lehramtsstudiums vorzubereiten. Für die evangelische Kirchengemeinde hat er sich aus ganz praktischen Gründen entschieden. So bekommen seine Großeltern von dort ihr Mittagessen. Und sein Vater war der erste Zivildienstleistende in der Gemeinde. Da passt es gut, dass er nun der erste Freiwillige des Bundesfreiwilligendienstes ist. Aber es gibt noch einen weiteren Grund für dieses Engagement. Und den verschweigt der junge Mann auch nicht: „Solch eine Tätigkeit macht sich in einer Bewerbung besser als die Überbrückung mit einem ,normalen‘ Job in der Industrie.“

Sascha Przywarra sieht in dem freiwilligen sozialen Jahr eine gute Möglichkeit, einen Einblick in den sozialen Bereich zu kommen. „In meiner Schulzeit an der Gesamtschule habe ich Praktika in der Wirtschaft gemacht. Nun möchte ich einen anderen Bereich kennenlernen.“ Przywarra will das Jahr nutzen, um sich über seine weiteren beruflichen Pläne klar zu werden: „Ich könnte mir auch gut vorstellen, Lehramt zu studieren.“

Doch nun wartet auf die beiden erst einmal ein Jahr, in dem sie nicht nur mittags die rund 60 Mahlzeiten in Rönsahl und Kierspe ausfahren, sondern ältere Menschen auch im Haushalt unterstützen, beim Einkaufen begleiten und zum Arzt fahren. „Ich bin sehr froh, dass wir die beiden gefunden haben. Und ich habe großen Respekt vor der Entscheidung. Denn letztlich sichert das auch unser Angebot für die Menschen in Kierspe, die auf das Essen und weitere Unterstützung angewiesen sind“, erklärt Ralf Schustek, der bereits seit Jahren die Zivis in der Kirchengemeinde betreut und nun auch der Ansprechpartner für die „Bufdis“ beziehungsweise „FSJler“ ist.

Anfang Dezember wird es dann weitere Unterstützung geben. Zwei junge Frauen haben sich bei Schustek gemeldet, um mit ihrem Freiwilligendienst die Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz zu überbrücken.

„Auch wenn sich die jungen Leute für ein Jahr bei uns verpflichten, stehen wir ihnen natürlich nicht im Wege, wenn sie während dieses Jahres eine Lehrstellle oder einen Studienplatz antreten können“, erklärt Schustek damit einen wesentlichen Unterschied zum Zivildienst. Auch sei es möglich, den Dienst um bis zu sechs Monate zu verlängern. „Das geht zwar beim Zivildienst grundsätzlich auch. Doch als wir vor einiger Zeit nachgefragt haben, teilte uns das Bundesamt für den Zivildienst mit, dass dafür kein Geld mehr zur Verfügung stehe.“ ▪ Johannes Becker

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