Erste Untersuchungen sind Schreibtischarbeit

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Dr. Arndt Bohrer und Andreas Köster vor einer der beiden städtischen Flächen im Bereich Wernscheid, wo Mark-E eine Windkraftanlage errichten möchte.

Kierspe - „Ich verstehe die Kritik nicht, natürlich ist es Schreibtischarbeit“, betont Dr. Arndt Bohrer, Abteilungsleiter für den Bereich regenerative Projekte bei der Enervie-Gruppe. Zu diesem Unternehmen gehört auch die Mark-E, die in Kierspe zwei Windkraftanlagen errichten möchte – auf städtischen Flächen nahe Rönsahl, die vor gut elf Jahren vom Sturm Kyrill geschädigt wurden.

Denn zuerst würden alle Karten und Daten von den verschiedensten Einrichtungen, so erläutert Bohrer, in ein Programm geladen, um zu sehen, ob und wo es mögliche Flächen für die Errichtung einer Windkraftanlage (WKA) gibt. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben würde es in Kierspe mit seinen vielen kleinen Orten nur ganz wenige solcher Flächen geben.

Weiße Flecken, die übrig bleiben

Das liege daran, dass nach dem Zweiten Weltkrieg landwirtschaftliche Betriebe aus den größeren Wohngebieten „ausgelagert“ worden waren – nicht zuletzt auch wegen der Emissionen, die von den Höfen ausging. Im Laufe der Zeit seien dann neue Gebäude, auch Wohnhäuser, dazugekommen, sodass sich kleine Orte bildeten. Letztlich zeigten die Karten die „weißen Flecken“, die übrig bleiben.

Elf Jahre nachdem der Sturm Kyrill den städtischen Wald platt gemacht hat, könnte das Grundstück möglicherweise für eine Windkraftanlage verwendet werden.

Nächster Schritt Grundstückssicherung

Ein solcher weißer Fleck sei die Fläche im Bereich Wernscheid. Zumal auch die Artenschutzvorprüfung – auch dies sei eine Schreibtischarbeit, da hier auf die Daten von Bund, Nabu und anderen zurückgegriffen werde – „keine unüberwindbaren Konflikte“ aufgewiesen habe.

Doch bevor das WKA-Projekt in Kierspe weiter verfolgt und entsprechend investiert werde, müsse die Stadt erst einmal die Frage klären, ob sie die Wernscheid-Flächen zur Verfügung stellt und verpachtet. Dies werden voraussichtlich in der November-Sitzung des Stadtrats entschieden. Nach der sogenannten Grundstückssicherung wird der Projektbetreiber, die Mark-E, in die weitere Planung einsteigen.

Einen Ein- oder Überblick über das zweite Grundstück verhindern Bäume – nach dem Sturm Kyrill hat sich die Natur das Gelände zurückerobert.

Dann wird es auch eine vertiefte Artenschutzprüfung geben. „Natürlich müssen wir für dieses Gutachten bezahlen“, sagt Dr. Arndt Bohrer. Die Artenschutzprüfung werde voraussichtlich Kosten von wenigstens 50 000 Euro verursachen. Er weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass die Gutachter beim Land akkreditiert sein müssen und damit eine Art Prüfung absolviert haben.

Vorgaben durch Genehmigungsbehörde

Außerdem, so der Enervie-Abteilungsleiter weiter, werde alles mit der Genehmigungsbehörde, dem Märkischen Kreis, abgestimmt. „Die geben dann vor, wie viel Tage beispielsweise der Schwarzstorch beobachtet werden muss, wo er seine Nahrungsgebiete hat“, sagt Bohrer mit Blick auf das Nest solch eines Vogels, dass es in drei Kilometer Entfernung gibt.

Die Raumnutzungsanalyse könne natürlich nicht im Winter angestellt werden, da der Schwarzstorch dann nicht da sei. Denn letztlich sei es das Ziel, ein sauberes, vollständiges Gutachten der Genehmigungsbehörde vorzulegen, die wiederum an dem Verfahren die Träger öffentlicher Belange beteiligt, beispielsweise Bund und Nabu. Andreas Köster, Pressesprecher der Enervie-Gruppe, macht deutlich, dass man die Informationsveranstaltung eigentlich nicht hätte durchführen müssen. „Aber das ist nicht unser Credo“, betont Köster, dass man auf Transparenz und frühzeitige Informationen bedacht ist.

Kommunikationseinheit für jedes Windrad

Aus diesem Grund sind auch im Rahmen der Info-Veranstaltung in Rönsahl nicht nur Dr. Arndt Bohrer, sondern auch Thomas Thurow, Uwe Haring und Klaus Leßmann mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse als Ansprechpartner für alle weiteren Fragen genannt worden. Dazu gehört sicherlich, dass jede WKA mit einer Kommunikationseinheit ausgestattet ist, mit deren Hilfe das Windrad abgeschaltet werden kann, wenn das Netz voll und keine oder kaum Abnehmer (Verbraucher) vorhanden sind.

„Das wird hier aber nicht passieren“, meint der Abteilungsleiter angesichts der jeweils 3,8 Megawatt-Anlagen, deren Strom in eine nahe 10-KV-Station eingespeist werden kann. Auch der Waldweg zu den beiden Grundstücken verlaufe relativ geradlinig, müsse nur durch Schotter verstärkt und auf vier Meter verbreitert werden. Gleichzeitig fügt Bohrer hinzu, dass es für jeden Eingriff in die Natur Ausgleichsmaßnahmen geben müsse und werde.

Der Experte für regenerative Energien widerspricht auch der Aussage, es gebe keine Speichermöglichkeiten. Im Gegenteil, das Gasnetz sei beispielsweise ein riesiges Speichernetz. Denn durch Elektrolyse könne Strom in Gas gewandelt werden. Außerdem würde an vielen anderen Möglichkeiten gearbeitet. Bohrer wie auch Köster geben aber zu, dass Stromtrassen fehlen würden, um insbesondere die Energie der Windparks im Norden in den Süden transportieren zu können.

Klar ist für die beiden Enervie-Mitarbeiter auch, dass der Ausbau der regenerativen Energieerzeugung vorangetrieben werden muss. Denn Atomkraftwerke werden bald und Stein- sowie Braunkohlekraftwerke in einigen Jahren – „Es ist nur eine Frage der Zeit!“ – abgeschaltet. Dann müsse Ersatz da sein. Und da die Standorte für Windkraftanlagen nicht nur in Kierspe, sondern im Märkischen Kreis rar seien, hoffen Arndt Bohrer und Andreas Köster, dass die beiden Anlagen in Kierspe realisierbar sein werden.

Beteiligungen an Windkraftanlagen

Denn auch wirtschaftlich dürfte das Projekt für Kierspe durchaus vorteilhaft sein, denn der Energieversorger würde Beteiligungen anbieten. Erster Ansprechpartner seien zwar die Stadtwerke Kierspe, aber auch für andere – auch Private – wird es die Möglichkeit eines Einstiegs geben. Dr. Arndt Bohrer kalkuliert, dass für die beiden 3,8 Megawatt-WKA Kosten in Höhe von fünf bis sechs Millionen Euro aufgebracht werden müssen. 80 Prozent davon würden fremdfinanziert, den Rest haben der Betreiber, die Mark-E, und seine Partner aufzubringen.

Ansprechpartner bei der Mark-E

Ansprechpartner für alle Fragen zum Windkraftanlagenprojekt in Kierspe sind: Dr. Arndt Bohrer, Tel. 0 23 31/12 32 21 65, E-Mail arndt.bohrer@enervie-gruppe.de; Uwe Haring, Tel. 0 23 31/12 32 21 36, E-Mail uwe.haring@enervie-gruppe.de; Klaus Leßmann, Tel. 0 23 31/12 32 23 59, E-Mail klaus.lessmann@enervie-gruppe.de; Thomas Thurow, Tel. 0 23 31/12 32 24 90, E-Mail thomas.thurow@enervie-gruppe.de.

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