Freifunk: Warten auf Bandbreite

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Andreas Wieland von Freifunk Kierspe setzt sich weiter für die Idee ein, die möglichst viele Bereiche in Kierspe mit freiem WLAN versorgen möchte.

Kierspe - Nicht nur viele Haushalte warten auf den Breitbandausbau, auch Freifunk Kierspe sehnt die Zeit herbei, in der nicht mehr um jedes MBit verhandelt werden muss. Doch auch ohne schnellen Anschluss wird sich um eine Grundversorgung in Kierspe bemüht – nach wie vor.

Wenn Andreas Wieland aus dem Wohnzimmerfenster schaut, kann er sehen, wie erfolgreich und lohnend seine Arbeit bei Freifunk ist. „Wenn es das Wetter zulässt, sitzen im Park immer ein paar Jungs und surfen“, erzählt Wieland, der nahe am Stadtpark wohnt. Der Kiersper gehört sicher in der Volmestadt zu denen, denen es nicht weh tut, ein wenig mehr Bandbreite kostenlos abzugeben. Durch einen Hybrid-Vertrag verfügt er immerhin über 50 MBit/Sekunde. Davon können viele Kiersper nur träumen und tun sich schwer, von dem wenigen, was da ist, auch noch etwas abzugeben.

Doch das seien meist die Vorbehalte derer, die nicht mitmachen würden. Die, die dabei seien, blieben es auch meist. Wobei durch Umzüge, Interessenverlust und defekte Geräte der Anteil der Router in den vergangenen fünf Jahren eher rückläufig war. Zu Spitzenzeiten wurden 150 Router betrieben, jetzt sind es noch 80. „Doch die, die dabei sind, laufen zuverlässig wie ein VW Käfer“, freut sich Wieland.

Auch noch vor dem Ausbau des Netzes in Kierspe hofft der Kiersper auf Besserung. Durch gesundheitliche Einschränkungen kann er selbst nicht mehr ohne weiteres jede Arbeit übernehmen, vor allem Router, zu denen man „klettern“ muss, sind für Wieland mittlerweile unerreichbar. „Da habe ich aber ein konkretes Hilfsangebot. Deshalb denke ich, dass wir in Zukunft bereits für kleine Verbesserungen sorgen können.“

Ein Sorgenkind bleibt aber die untere Kölner Straße. Wieland: „Je weiter man Richtung Bahnhof kommt, um so mehr kommt man ins Notstandsgebiet.“ So würde die Anbindung im Volme-Freizeitpark regelmäßig zusammenbrechen, wenn dort größere Veranstaltungen stattfinden. Eine Versorgung von ZOB und Bahnhof sei geplant und ein Anliegen, aber mit den derzeitigen Bandbreiten nicht realisierbar. „Ich habe aber eine feste Zusage von einem Anwohner, dass er uns Bandbreite zur Verfügung stellt, wenn der Ausbau des Netzes in Kierspe voran geht“, freut sich der Freifunker.

Bedauerlich findet es Wieland auch, dass die zugesagte zweite Kiersper Webcam immer noch nicht montiert wurde: „Die Stadtverwaltung wollte sich um einen zweiten Standort kümmern, dabei ist es dann geblieben.“ Die andere Kamera im Park würde zuverlässig laufen, jedenfalls außerhalb der schon beschriebenen Veranstaltungen. Aber trotz der schlechten Netzabdeckung in Kierspe kommen immer wieder neue Router-Standorte dazu, so etwa der Kindergarten Liederwiese an der Straße Haunerbusch. Wobei die Tage dieses Standortes gezählt sind, soll die Einrichtung doch an die Kreuzung Wildenkuhlen in einen Neubau verlegt werden.

Im Innenstadtbereich ist die Abdeckung mit Freifunk-Routern gar nicht so schlecht. Doch jenseits der Hauptstraßen tut sich wenig. Gerne würde man auch den Reisenden am ZOB und Bahnhof etwas anbieten, doch dafür reicht die Bandbreite derzeit nicht.


Rund um die Gesamtschule sieht es recht unterschiedlich aus. Während sich der Bereich oberhalb des Gebäudes in Richtung Friedrich-Ebert-Straße einer guten Abdeckung erfreut, sieht es unterhalb nicht so gut aus. „Die Leitung zum Hallenbad bricht immer wieder zusammen. Die Ursache konnte aber noch nicht ermittelt werden“, bedauert Wieland. Ein paar Meter weiter gibt es aber guten und kostenlosen Empfang im Bürgerzentrum Hand in Hand.

Wobei die Freifunker einschränken, dass mit gutem Empfang auch immer nur Bandbreiten gemeint seien, die es erlauben würden, Mails zu lesen oder eine Textnachricht zu empfangen oder zu versenden. Das Streamen von Filmen ist wohl so gut wie nirgendwo im Stadtgebiet möglich und auch nicht gewünscht.

Ein großes Lob gibt es von Wieland übrigens für die Rönsahler. Dort seien zwar nur acht Router in Betrieb genommen worden, doch diese liefen alle noch.

Dankbare „Kunden“ seien auch die Vermieter von Ferienhäusern und Wohnungen. „Die sind einfach nur froh, dass sie ihren Mietern etwas anbieten können, was einfach funktioniert und rechtlich einwandfrei ist“, erklärt der Kiersper, der aber auch darauf hinweist, dass es in all den Jahren noch nie eine juristische Auseinandersetzung gegeben habe.

Kiersper, die einen Teil ihrer Bandbreite kostenlos zur Verfügung stellen möchten, sind nach wie vor beim Freifunk Kierspe willkommen. Kosten kommen auf diese derzeit nicht zu, verspricht Wieland. Denn durch die aufgegebenen Standorte gebe es so viele Router, dass diese kostenlos abgegeben und installiert werden könnten, sagt der Kiersper.

Freifunk - eine Idee verbreitet sich

Freifunk ist eine nicht kommerzielle Initiative, die sich dem Aufbau und Betrieb eines freien Funknetzes widmet, das aus selbstverwalteten lokalen Computernetzwerken besteht. Im deutschen Sprachraum hat die Initiative ihren Ursprung in Berlin. Zu den Zielen gehören die Förderung lokaler Kommunikation, ein möglichst dezentraler Aufbau, Anonymität und Überwachungsfreiheit. Freifunk baut auf dem Pico Peering Agreement auf, das für ein diskriminierungsfreies Netzwerk sorgen soll. Neben dem Aufbau des Netzes möchten die Freifunker auch ein Medium bieten, um die technische Bildung zu fördern Viele Freifunker teilen ihren Netzzugang per WLAN mit Dritten. Gemeinden und Städte nutzen Freifunk, um freies WLAN in den Fussgängerzonen der Innenstadt anzubieten, oder auf Plätzen, in Parks und oft in öffentlichen Gebäüden (Rathaus, Tourismuszentrale, Bücherei, Jugendzentren). Kirchen stellen oft ihre Türme zur Verfügung für Fernverbindungen und für die Verbindung zu Routern in der Innenstadt und nutzen Freifunk für ihre Gemeindehäuser. Seit 2019 beispielsweise rüstet das Technisches Hilfswerk ihre Unterkünfte mit Freifunkroutern aus. 2015 wurden viele Unterkünfte für Geflüchtete mit Freifunk ausgerüstet, da für diese Menschen das Internet eine wichtige Kontaktmöglichkeit ist zu Freunden und Familien in der Heimat.

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