FWG möchte Personalkonzept / Potenziellen Kandidaten mehr bieten

Freie Wähler sorgen sich ums städtische Personal

Die Freie Wählergemeinschaft Kierspe macht sich Sorgen um das städtische Personal. Allein im kommenden Jahr werden voraussichtlich zwei wichtige Stellen im Kiersper Rathaus frei.
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Die Freie Wählergemeinschaft Kierspe macht sich Sorgen um das städtische Personal. Allein im kommenden Jahr werden voraussichtlich zwei wichtige Stellen im Kiersper Rathaus frei.

Die Wiederbesetzungssperre für das Personal ist vom Rat aufgehoben. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Voraussichtlich Mitte des kommenden Jahres geht Stadtplaner Rainer Schürmann in den wohlverdienten Ruhestand. Doch nicht nur für ihn, sondern zum Beispiel auch für Peter Haramiorz vom Gebäudemanagement, der ebenfalls in 2022 in den Ruhestand geht, soll ein Nachfolger gefunden werden.

Kierspe - Neben diesen beiden Ausschreibungen für die in gut einem Jahr vakanten Stellen in der Kiersper Verwaltung steht die Suche nach einem Klimamanager und einem Hochbau-Diplom-Ingenieur auf dem Programm. Für Peter Christian Schröder und Georg Würth von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) erfolgen die Suche und die Stellenausschreibungen zu spät. Es bleibe so gut wie keine Zeit, dass Schürmann oder Haramiorz ihre Nachfolger noch einarbeiten könnten.

Denn bis jemand gefunden und eingestellt ist, dürfte es längst Herbst sein – dann bleibe vielleicht noch ein gutes halbes Jahr. Sofern sich jemand finden lässt, denn der Markt sei leer gefegt. Zudem seien die Konditionen, welche die Stadt Kierspe biete, nicht attraktiv genug, wobei Schröder und Würth insbesondere auf die (zu niedrigen) Besoldungsstufen abzielen. Darüber hinaus sei aber auch kein Nachwuchs in Sicht, sagen die Freien Wähler, es werde zu wenig ausgebildet.

Und dies mit Blick auf die künftige Entwicklung: In den kommenden vier Jahren würden etwa 20 Verwaltungsmitarbeiter aufhören – altersbedingt. Hinzu kämen noch diejenigen, die beispielsweise von anderen Kommunen abgeworben würden, mit höheren Besoldungsstufen für die gleiche Arbeit wie in der Kiersper Verwaltung.

Georg Würth wie Peter Christian Schröder wissen zwar, dass die Personalpolitik in der Verwaltung Angelegenheit des Bürgermeisters ist, allerdings muss der den Stellenplan dem Stadtrat vorlegen. Letztlich mit ein Grund, warum sich die FWG noch nicht entschieden hat, ob sie per Fraktionsantrag oder in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Stelse die Vorlage eines Personalkonzepts fordern wollen.

Fest steht für die FWG: „Wir müssen was tun und insbesondere Leute im Mittelalter in die Kiersper Verwaltung holen“, betont FWG-Vorsitzender Schröder. Das heiße nicht, dass man das Personal im Rathaus aufblähen wolle. Vielmehr gehe es darum, Anreize für neue Mitarbeiter zu schaffen, ihnen etwas zu bieten. Denn zurzeit stehe Kierspe, was den Personalindex angehe, an letzter Stelle.

Knapp 100 Mitarbeiter der Stadt haben Leistungen für etwa 16 500 Einwohner zu erbringen. Das heißt, statistisch gesehen kommen auf einen Mitarbeiter mehr als 170 Einwohner. In Meinerzhagen (230 Mitarbeiter) liegt diese Zahl bei 91, in Werdohl (240 Mitarbeiter) bei 73, in Neuenrade (140 Mitarbeiter) bei 85 und in Wipperfürth (200 Mitarbeiter) bei 104. Lediglich in Halver (102 Mitarbeiter) und Marienheide (80 Mitarbeiter bei 13 500 Einwohnern) liegen die Werte fast im ähnlichen Bereich wie in Kierspe: Auf einen Mitarbeiter kommen 161 beziehungsweise 168 Einwohner.

Angesichts der Aufgaben, die einer Kommune auferlegt werden – ohne für eine entsprechende finanzielle Ausstattung zu sorgen – und die von der Kiersper Verwaltung bisher bestens bewältigt werde, drehe sich die Spirale abwärts.

Denn die Belastungen würden stetig steigen, was letztlich immer mehr demotiviere. „Wir müssen was dagegen tun!“, sind sich Würth und Schröder einig, dass die Personalangelegenheiten in der Vergangenheit eher stiefmütterlich behandelt worden seien. „Das ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht glücklich!“

Bei Sicherheit und Ordnung dürfe man nicht sparen, machen die Freien Wähler noch einmal deutlich, dass es nicht um ein Aufblähen der Personaldecke gehe. Doch die Aufgaben müssten natürlich auch erledigt werden. Wozu das bei dem knappen Mitarbeiterstand führen könne, habe man bei den verspätet versendeten Grundbesitzabgabenbescheide und ebenso fehlende Sitzungen einer Arbeitsgruppe gesehen. In beiden Fällen seien Mitarbeiter längere Zeit durch Krankheit ausgefallen.

Dabei spart die FWG auch nicht mit Kritik an Land und Bund: „Wir sollen alle möglichen Aufgaben erfüllen, uns stehen aber nicht die Leute dafür zur Verfügung!“ Wohlwissend, dass die größte Schwierigkeit für eine Kommune mit Haushaltssicherungskonzept bei den Kosten liegt. „Wir haben aber keinen Spielraum“, ist für Schröder und Würth klar, dass Kierspe eine leistungsfähige Verwaltung braucht, die auch Krankheitsfälle verkraften könne.

In dieser Hinsicht sei es auch weniger hilfreich, wenn fachfremde Kräfte eingestellt werden – was in der jüngeren Vergangenheit passiert sei. Die Freien Wähler heben aber noch einmal hervor, dass es keine Kritik an der Verwaltung beziehungsweise deren Mitarbeitern sei. „Die tun, was sie können und schaffen viel!“ Vielmehr müsste sich die Stadt früher um Personal kümmern und potenziellen Kandidaten mehr bieten, sodass sie dann auch nach Kierspe kommen. Und dies funktioniere am ehesten, ist sich die FWG sicher, mit einem Personalkonzept.

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