Hausärztliche Versorgung wird selbst zum Notfall

+
Setzen sich für ein Medizinisches Versorgungszentrum in Kierspe ein: FWG-Bürgermeisterkandidat Jörg Hentschel, FWG-Vorstandsmitglied Vera Maiwurm und FWG-Vorsitzender Peter-Christian Schröder (von links).

Kierspe - Die ärztliche Versorgung in Kierspe wird immer mehr selbst zu einem Notfall. Kontinuierlich nimmt die Zahl der Ärzte ab. Die Freie Wählergemeinschaft (FWG) will mit einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) gegensteuern – betreiben soll dieses die Stadt Kierspe.

„Nachdem die Praxis Dr. Tan Ende 2019 geschlossen wurde, gibt es in Kierspe nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe noch vier hausärztliche Praxen. Eine davon wird nach unseren Informationen noch Mitte dieses Jahres geschlossen, dann gibt es sogar nur noch drei“, sagt der FWG-Vorsitzende Peter Christian Schröder.

Dieser Entwicklung wollen die Freien Wähler nicht tatenlos zusehen. Sie fordern die Stadt auf, ein Medizinische Versorgungszentrum zu eröffnen und dort Hausärzte anzustellen. „Für viele gerade junge Ärzte ist es interessant, angestellt zu arbeiten. Dann müssen sie das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis nicht tragen, müssen weniger Verwaltungsarbeiten erledigen, bekommen ein regelmäßiges Gehalt und können auch ihren Jahresurlaub nehmen, ohne sich Sorgen um Einkommen und Patienten machen zu müssen“, listet der FWG-Bürgermeisterkandidat Jörg Hentschel die Vorteile auf, die ein MVZ angestellten Ärzten bietet.

Die Freien Wähler sehen in erster Linie vor allem ältere Patienten vor große Probleme gestellt, vor allem, wenn sich die Situation durch eine weitere Praxisschließung verschlechtern sollte. Schröder: „Vor allem, weil mittlerweile alle Kiersper Hausärzte einen Aufnahmestopp haben.“

In Kierspe ist es jetzt schon nicht leicht, einen Hausarzt zu finden. In Zukunft wird sich die Situation vermutlich nicht verbessern. Deshalb möchten die Freien Wähler, dass die Stadt ein Medizinisches Versorgungszentrum betreibt.

Im Gegensatz zu Kierspe sehe es in den Nachbarstädten besser aus. So gebe es in dem nur wenig größeren Meinerzhagen zehn Hausärzte und in Halver, das ebenso wie Kierspe rund 16 000 Einwohner habe, immerhin neun Hausärzte. Nach Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kämen, so rechnet Hentschel vor, in Mecklenburg-Vorpommern 10,88 Hausärzte auf 16 000 Einwohner, in NRW seien es 9,6 Hausärzte, was etwa dem Bundesdurchschnitt entspreche. Der Märkische Kreis käme in seiner Gesamtheit auf 9,18 Hausärzte auf 16 000 Einwohner, Kierspe dagegen mit vier Hausärzten nicht mal auf die Hälfte und nach einer weiteren Praxisschließung sei es nur noch ein Drittel. Hentschel: „Die KVWL ist anscheinend nicht willens oder in der Lage, die Misere zu beheben. Neuenrade macht uns gerade vor, wie das funktionieren kann.“ Die FWG-Politiker erkennen zwar die Bestrebungen der Stadt an, die gemeinsam mit beratenden Fachleuten an einer Verbesserung der Situation arbeite, allerdings, so bemängeln sie, habe dieses Handeln bislang nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt.

Schröder: „Wir sind der Meinung, dass es notwendig ist, hier in Kierspe mindestens zwei Fachärzte für Allgemeinmedizin zu gewinnen, um ein MVZ zu betreiben. Nach oben besteht Offenheit, auch könnten sich dort weitere Fachärzte wie Augenarzt, HNO-Arzt oder ein Orthopäde ansiedeln.“ Aufgrund der Situation in der Volmestadt sehen die Freien Wähler auch nur ein geringes wirtschaftliches Risiko für die Stadt, wenn diese sich dazu entschließen würde, ein MVZ zu eröffnen. Hentschel legt dabei noch mal nach: „Die Stadt muss tätig werden, weil die Kassenärztliche Vereinigung ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.“

Rönsahl

Bei ihren Angaben haben die Freien Wähler Kierspe die Arztpraxis im Grenzdorf Rönsahl nicht mitgezählt, da diese, nach ihren Angaben, auch in der Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe keine Erwähnung finde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare