„Nicht wegschauen, denn das ist unsere Stadt“

Erst in den vergangenen Wochen wurden Spielgeräte auf zwei Kiersper Spielplätzen stark beschädigt.

KIERSPE - Die Schäden durch Vandalismus nehmen seit Jahren zu und auch die Zahl der Wohnungseinbrüche ist stark gestiegen. Das wollen die Freien Wähler nicht länger hinnehmen und stellen den Antrag, dass der Rat die Erstellung eines Sicherheitskonzeptes beschließen soll.

Von Johannes Becker

„Wurden im Jahr 2010 76 Vandalismus-Straftaten in Kierspe von der Polizei registriert, waren es ein Jahr später bereits 89. Im Jahr 2012 flossen bereits 132 solcher Delikte in die Statistik ein. Im gleichen Jahr waren es in Meinerzhagen weniger als die Hälfte, nämlich genau 65. Für das vergangenen Jahr gibt es noch keine Zahlen“, erklärt Peter Christian Schröder, Vorsitzender der Freien Wähler in Kierspe. Nach seinen Informationen würden Fachleute den Schaden durch solche Taten bundesweit auf einige Hundert Millionen Euro schätzen.

Das ist nur ein Grund, warum die Freien Wähler in Kierspe ein Sicherheitskonzept fordern und einen entsprechenden Antrag gestellt haben. „Die Täter sind meist Jugendliche oder junge Erwachsene. Die Ursachen sind Frustrationsgefühle, Verwahrlosung und ein Mangel an Erziehung. Begünstigt wird dieser Vandalismus durch die völlig unzureichende Präsenz von Polizei und Ordnungsamt und dem fast völligen Fehlen von Sozialkontrolle“, ergänzt Martin Schlüchting, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Wählergemeinschaft.

Es könne nicht sein, dass man das Problem ignoriere oder versuche klein zu reden. „Wer so reagiert, kapituliert vor den Tätern. Das darf nicht sein. Man darf nicht wegschauen, denn das ist unsere Stadt“, appelliert Schröder.

Als konkrete Schritte fordern die Freien Wähler eine Verstärkung der Überwachung des öffentlichen Raumes durch Ordnungskräfte und technische Ausstattung wie starken Lampen, die an Bewegungsmelder angeschlossen sind. Aber die Freien Wähler rufen auch die Kiersper auf, gegen diese Straftaten vorzugehen. Schlüchting: „Niemand muss sich persönlich mit den Tätern auseinandersetzen, aber zum Handy greifen und Polizei oder Ordnungsamt anrufen, das kann jeder.“ Allerdings fordert er in diesem Zusammenhang auch eine Rufbereitschaft des Ordnungsamtes – möglichst über eine einheitliche Nummer.

Im Rahmen des zu erstellenden Sicherheitskonzeptes favorisieren die Freien Wähler die Einrichtung von Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen wie „Gewalt in der Schule“ oder auch „Jugendkriminalität“, die Errichtung eines Koordinationsrates zur Prävention unter Beteiligung von Polizei, Verwaltung, Fraktionen, MVG und Vereinen sowie die Gründung eines Vereins „Sicheres Kierspe“ zur Bündelung von Interessen und zur Akquirierung von Mitteln.

Als mehr als wünschenswert erachten die Politiker auch die Wiedereinrichtung einer Polizeiwache in Kierspe. Sie warnen in diesem Zusammenhang vor dem weiteren Abbau von Stellen bei der Polizei durch das Innenministerium. „Wir sollten uns überlegen, ob der Rat nicht eine Resolution verabschiedet oder die Kiersper eine Petition einreichen, mit der das Land aufgefordert wird, mehr Personal für die heimische Polizei zur Verfügung zu stellen. Denn die Kriminalitätsbekämpfung gehört zu den Kernaufgaben des Staates und Sicherheit zu den Grundbedürfnissen der Einwohner“, so Schröder.

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