„Stadt auf Kriegsfuß mit Naturschutz“

Peter Christian Schröder und Claudia Maiwurm reagieren entsetzt auf die neue Initiative der Verwaltung zur Komplettfällung der Kastanienallee bei Haus Isenburg.

KIERSPE ▪ Der neue Vorstoß der Verwaltung, um doch noch zu einer Komplettfällung der Kastanienallee zu kommen, verursacht bei den Freien Wählern verständnisloses Kopfschütteln: Wenn diese Initiative vielleicht auch nicht dem Wortlaut des vor einem Jahr gefassten Ratsbeschlusses widerspreche, so aber auf jedem Fall dem Geist, der diesem Kompromiss zugrunde gelegen habe, erinnern Peter Christian Schröder und Claudia Maiwurm an die extrem große Beteiligung der Bürger an der Diskussion.

So hätten an dem Ortstermin in der Allee und der anschließenden Versammlung rund 100 Bürger teilgenommen. Es gebe nur selten andere Themen in der Volmestadt, an denen ein derart großes Interesse registriert werden hätte können. Was ein Indikator für die extrem große Betroffenheit vieler Bürger bei diesem Thema sei.

Schon bei der Ratsentscheidung hatten die Freien Wähler dagegen gestimmt, weil der Beschluss den Zusatz enthielt, dass darüber hinaus auch von den Bäumen, die eigentlich erhalten werden sollen, welche gefällt werden dürfen, wenn diese ebenfallsvon dem Bakterium Pseudomonas befallen und erkrankt seien und eine Gefahr darstellten. Das sei von vornherein ein Freibrief gewesen, kommentiert Claudia Maiwurm, die auch Mitglied der Baumgruppe des Ausschusses ist.

Kritisiert wird von den Freien Wähler besonders, dass „das Fass jetzt erneut ohne Not aufgemacht“ werde. Sie sehen hier die Verantwortung letztlich beim Bürgermeister, über dessen Tisch alle Entscheidungen in der Verwaltung liefen. So stehe Emde auch einigen Mitgliedern der sogenannten Kettensägenfraktion in Politik und Verwaltung nahe, die es einfach nicht hinnehmen und akzeptieren wollten, dass die Kastanienallee möglicherweise auch mit erhöhtem Pflegeaufwand erhalten werden soll, und daher jetzt einfach nachkarteten. „Die Natur und Umwelt ist schützenswert und das muss man sich auch etwas kosten lassen“, betont Peter Christian Schröder.

In ähnlicher Weise nachgekartet worden sei von der Verwaltung unlängst ebenfalls bei der Öffnung der Bergstraße, die vom Rat mit großer Mehrheit beschlossen worden war, dann trotzdem im Zuge der Haushaltsberatungen aber wieder in Frage gestellt worden sei. Hier erkennen sie ein mehr als zweifelhaftes Demokratieverständnis. Es sei vor dem Hintergrund äußerst problematisch, jetzt den Ratsbeschluss zu kippen und wie vorher wieder die komplette Fällung der Allee bei Haus Isenburg durchsetzen zu wollen.

Maiwurm konstatiert: „Mit dem Naturschutz steht die Stadt Kierspe auf Kriegsfuß.“ Irgendwann wüchsen im eigentlichen Stadtgebiet gar keine alten Bäume mehr, bedauert sie die in Kierspe vorherrschende Praxis und kritisiert hier die Verkehrssicherungspflicht als Totschlagargument. Dass es anders gehe, machten Städte, die Wert auf ihren charaktervollen alten Baumbestand legten, vor.

Die beiden Freien Wähler können gut nachvollziehen, dass viele Bürger angesichts der neuen Initiative zur Komplettfällung der Allee frustriert sind. Ganz klar fordern sie die von der Verwaltung angeregte Bürgerversammlung – allerdings bevor es zu einem Beschluss in dieser Sache komme. Ansonsten befürchten sie wieder ein Hin und Her wie schon vor eineinhalb Jahren. ▪ rh

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