Schulausschuss tagt erstmals in der Freien Schule

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Die individuelle Förderung des Kindes soll an der Freien Schule einen Schwerpunkt bilden. Das soll sich nicht nur, aber auch, in den Projektwochen ausdrücken.

Kierspe - G8 oder G9? Mit dieser Diskussion hat die Freie Schule nichts zu tun. Wer diese Schule besucht und das Abitur anstrebt, für den gilt sogar G 10. Das nahmen einige Mitglieder des Ausschusses für Schule und Kultur mit Verwunderung zur Kenntnis.

Der Ausschuss tagte am Dienstag in dem Gebäude „In den Erlen“ und informierte sich dabei auch über das Konzept der Einrichtung. Gleich zwei Lehrer und der Geschäftsführer hatten sich Zeit genommen, um den Politikern die Besonderheiten der Schule vorzustellen. Wobei Geschäftsführer Heiko Kositzki sich auf die Begrüßung beschränkte, bei der er – mit ironischem Unterton – seiner Freude Ausdruck verlieh, dass der Ausschuss nach 21 Jahren des Bestehens der Schule zu einem ersten Besuch ins Haus gekommen war.

Wir finanziert sich die Freie Schule? Als sogenannte Ersatzschule erhält die Freie Schule eine Kostenerstattung von 87 Prozent durch den Staat. Die verbleibenden 13 Prozent müssen von den Eltern aufgebracht werden. Durch freiwillige Spenden und eine Umlage der Betriebskosten würde diese Lücke gefüllt. „Wir lehnen aber kein Kind ab, weil die Eltern nicht zahlen können, da es auch viele Eltern gibt, die bereit sind, für ein solches Kind mitzuzahlen“, erläuterte Kositzki. 

Wie viele Schüler besuchen wie lange die Schule? Maximal 145 Kinder werden in elf Schuljahren und sechs jahrgangsübergreifenden Klassen unterrichtet, wobei sich maximal 25 Kinder in einer Klasse befinden dürfen. Abgeschlossen wird die Schullaufbahn üblicherweise mit der mittleren Reife (Fachoberschulabschluss). Der Weg zum Abitur steht dann nur an anderen weiterführenden Schulen offen, so erklärte es Stefanie Lambertz, die sich in den Ausführungen mit Marc Sotirowicz abwechselte. Derzeit kommen die Kinder vor allem aus Kierspe, Meinerzhagen, Halver und Lüdenscheid, es gibt aber auch Schüler aus Gummersbach und Marienheide. 

Nach welchen Grundsätzen wird unterrichtet? Der Unterricht ist an die Grundsätze der Walddorfschule angelehnt. So gibt es auch an der Freien Schule Epochenunterricht und einen Verzicht auf Ziffernzeugnisse. Doch es findet kein Eurythmie-Unterricht statt, dafür gibt es aber Informatik-Unterricht und einen Einsatz neuer Medien. Projekte und Zusammenhalt spielen nach Auskunft der Pädagogen eine große Rolle. So unternimmt die gesamte Schule jährlich einen Ausflug. Schulpaten aus den oberen Klassen kümmern sich um die neuen Schüler und bei Projekten wird auf einen sorgsamen Umgang mit der Natur geachtet. Für Letzteres finden die Schüler an der Freien Schule die besten Voraussetzungen, da das Gelände 14 Hektar umfasst, auf denen sich Wald, landwirtschaftliche Flächen und ein Bachlauf befinden. 

Was sind die Schwerpunkte? „Wir wollen ein Ort sein, an dem sich die Schüler wohlfühlen können. Um das zu erreichen, fördern wir die individuellen Stärken der Schüler und berücksichtigen deren Lerntempo“, sagte Lambertz. Dazu gehöre auch, dass man auf Wissensvermittlung durch Experten Wert lege, etwa beim Werkunterricht. Da man wegen der längeren Schulzeit von elf Jahren mehr Zeit habe, sei man freier in der Unterrichtsgestaltung als an staatlichen Schulen. Allerdings orientiere man sich im Interesse der Schüler, die später eine weiterführende Schule besuchen möchten, an den Kernlehrplänen. 

Wie wirken die Kiersper Schulen im Ausschuss mit? Neben den Politikern, die sich aus sachkundigen Bürgern und Ratsmitgliedern zusammensetzen, haben auch die Schulleiter der beiden Kiersper Grundschulen und der Leiter der Gesamtschule einen Platz in dem Gremium – genau wie der Ortsheimatpfleger. Die Freie Schule, die sich nicht in Trägerschaft der Stadt befindet, wird nicht eingeladen. Daran änderte auch ein Vorstoß der UWG, dies zu ändern, nichts.

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