UWG gegen Verpachtung

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Geht es nach der UWG-Fraktion, wird keine Windkraftanlage den Blick über die Höhen von Kierspe stören. Die Unabhängigen werden gegen eine Verpachtung der städtischen Wernscheid-Flächen an die Mark-E stimmen.

Kierspe - In der Fraktion der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) gibt es einen einstimmigen Beschluss, sagt der Fraktionsvorsitzende Dieter Grafe, gegen eine Verpachtung der Flächen im Bereich Wernscheid an die Mark-E zu stimmen, die dort zwei Windkraftanlagen (WKA) errichten möchte.

Grafe erklärt auch, warum: „Wir ignorieren nicht die Klimaziele und die Energiewende. Doch solange der erzeugte Strom nicht speicherbar ist, trägt er nicht zum Erreichen der Ziele bei.“ Denn wenn es keinen Wind gebe, könne auch kein Strom erzeugt werden. Läuft eine WKA unter Volllast, werde zuviel Strom produziert. Dieser müsse teuer ans Ausland abgegeben werden. „Wir tun also Geld dabei!“

WKA im Binnenland kontraproduktiv

Die neueren Anlagen hätten auch eine Abschaltautomatik. Wenn die ein Windrad abschalte, würde der Ausfall dem Betreiber durch die EEG-Umlage (Erneuerbare Energiegesetz) ersetzt. Diese Umlage betrage, so Grafe, derzeit 8 Cent pro Kilowatt. „Der Zubau des Binnenlandes mit Windkraftanlagen ist kontraproduktiv“, argumentiert der UWG-Fraktionsvorsitzende weiter. Denn die Auslastung solcher Anlagen liege gerade einmal bei 28 Prozent. Es müssten also konventionelle steuerbare Stromquelle wie Gas-, Wasser-, Kohle- und Atomgeneratoren weiterhin vorgehalten werden, um einzuspringen.

Notwendige Stromtrassen fehlen

Windstarke sichere Standorte wie an der Küste würden viermal so viel Strom bei gleicher Anlagengröße liefern, führt Dieter Grafe weiter aus. Allerdings wären viele Anlagen an der Küste nicht am Netz angeschlossen, weil die notwendigen Stromtrassen fehlen würden. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Planung solch einer Trasse auch durch den Märkischen Kreis führen soll. Was auch bedeute, dass dem Betreiber einer Windkraftanlage, die Strom erzeugt, aber nicht am Netz angeschlossen ist, dies voll ersetzt werde. Als eine Alternative für den heimischen Raum sieht man in Reihen der UWG die Solarthermie, die viermal wirksamer sei als beispielsweise Fotovoltaikanlagen. Denn auch, so betont Dieter Grafe noch einmal den Kernpunkt seiner Argumentation, fehle die Speichermöglichkeit für den Strom. Darüber hinaus erinnert Grafe an den Antrag seiner Fraktion vor etwa 15 Jahren, gemeinsam mit Meinerzhagen und Lüdenscheid an der Autobahn eine Konzentrationszone für Windkraft einzurichten. Dies sei damals gescheitert, weil dann die Stadt Kierspe ihr gesamtes Gebiet hätte untersuchen lassen müssen – für dieses Gutachten wären 100 000 Euro fällig geworden. „Und Enervie hat eine Beteiligung an den Kosten abgelehnt“, fügt der Unabhängige hinzu.

Wissen der Bürger beeindruckend

Im Übrigen betont Dieter Grafe ausdrücklich, dass die UWG-Entscheidung nicht unter dem Aspekt gefallen ist, einmal etwas für Rönsahl zu tun – „In Rönsahl kriegen wie sowieso kein Bein an die Erde!“. Wenn auf den Wernscheid-Flächen WKA gebaut würden, gebe dies keine Rechtssicherheit, dass nicht auch an anderer Stelle in Kierspe Anlagen errichtet werden könnten. Letztlich gibt Dieter Grafe zu, dass ihn das Wissen und die Art und Weise, mit der die Bürger auf der Informationsveranstaltung der Mark-E agiert hätten, beeindruckt und letztlich auch beeinflusst habe, gegen die Verpachtung der Flächen stimmen zu wollen. Bei der Versammlung sei nichts populistisch gewesen. Vielmehr habe er die ernsten Sorgen der Bürger gesehen, „das hatte alles Hand und Fuß“. Wie zum Beispiel die Qualitätsminderung eines Wohngebäudes in der Nähe einer WKA, oder die zweifellos berechtigte Frage, warum Menschen außerhalb einer größeren Wohnbebauung einen Lärm von 45 dB ertragen müssen, innerhalb einer Wohnbebauung aber nur 35 dB. „Sind die, die im Außenbereich wohnen, Menschen zweiter Klasse?“, hätte eine Frau sicherlich nicht zu Unrecht auf der Versammlung gefragt.

Unterschiedliche Entfernungsangaben

Dagegen bewertete der UWG-Fraktionsvorsitzende die Vorstellung des Vorhabens durch die Vertreter der Mark-E als reine Schreibtischarbeit, die fast ein wenig überheblich präsentiert worden sei. Selbst hinsichtlich der Artenschutzvorprüfung sei niemand vor Ort gewesen. Kritisch sieht Grafe auch die Entfernungsangaben der WKA beispielsweise zu einem Nest eines Schwarzstorchs: Während der Energieversorger diese mit 3000 Meter angibt, meinte ein Bürger, es seien nur 2700 Meter. „Dann ist eine ganz andere Artenschutzprüfung notwendig“, meint Grafe. Eine Zustimmung für die Verpachtung der städtischen Flächen im Gebiet Wernscheid für die Errichtung von zwei Windkraftanlagen an die Mark-E werde es daher von der UWG-Fraktion nicht geben, betonte Dieter Grafe abschließend.

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