FBG Kierspe-Rönsahl vertragslos und schweigsam

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Die FBG Kierspe möchte nicht mehr mit dem Landesbetrieb Wald und Holz zusammenarbeiten und den neuen Vertrag nicht unterschreiben. Nun müssen die Waldarbeiter viele Arbeiten selbst erledigen oder einen Förster bezahlen.

KIERSPE - Die Forstbetriebsgemeinschaften in NRW haben eine lange Tradition. Als in den 1960er- und 1970er-Jahren die Konzentrationsprozesse bei den Sägewerken begannen – und letztlich nur noch ganz große übrigblieben – reagierten die Waldbesitzer mit Forstbetriebsgemeinschaften (FBG), um auf Augenhöhe verhandeln zu können. In der Regel schlossen diese FBG einen Vertrag mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, damit dieser die Waldbesitzer berät, den Wald in seiner Gesamtheit betrachtet und die Waldbauern beim Verkauf ihres Holzes unterstützt. In Kierspe ist das aber nicht mehr der Fall, da die FBG den Vertrag mit dem Forstamt nicht unterschrieben hat.

Von einem Strukturnachteil, den die kleinen Waldbesitzer hätten, spricht Jörn Hevendehl als stellvertretender Forstamtsleiter, und von dem Wunsch des Landes, diesen auszugleichen. „Ein durchschnittliches Sägewerk in unserer Region verarbeitet rund 2000 bis 15 000 Festmeter pro Woche . Auf der anderen Seite werden in einer 200 Waldeigentümer umfassenden Forstbetriebsgemeinschaft wie der Kiersper rund 10 000 Festmeter im Jahr geerntet verkauft. Da wird deutlich, wie wenig marktfähig ein durchschnittlicher Waldbesitzer ist, der rund zehn Hektar Wald besitzt“, erklärt Hevendehl.

Da der Wald aber nicht nur dem wirtschaftlichen Ertrag seines Besitzers diene, sondern Aufgaben weit darüber hinaus erfüllen solle, wie etwa der Erholung der Menschen, und der Förster im Wald auch hoheitliche Aufgaben wahrnehme, die dem Natur-, Tier- und Wegeschutz dienen, bezuschusse das Land diese Arbeit. Hevendehl: „Diese Aufgaben soll der Waldbesitzer nicht mitbezahlen. Deshalb werden drei Viertel der Kosten, die einer FBG durch das Forstamt entstehen, auch gefördert. Allerdings sind die Kosten in den vergangenen Jahren schneller gestiegen als die Anpassungen, die wir den Waldbesitzern in Rechnung gestellt haben“, erklärt der Beamte. Das habe zu einer Beanstandung durch den Landesrechnungshof geführt. Darum habe man neue Verträge erarbeitet und diese den FBG angeboten. „Damit liegt die Bezuschussung wieder bei den vom Landtag festgesetzten 75 Prozent“, sagt Hevendehl.

Dass dieses Vorgehen zu Unmut bei den Waldbesitzern führte, stand auch für das Land außer Zweifel. Doch man war und ist sich sicher, dass aufgrund der hohen Förderung das Angebot immer noch ausgesprochen interessant sei. 95 Prozent der FBG im Land sehen das wohl auch so und haben einen neuen Vertrag mit dem Landestrieb Wald und Holz abgeschlossen.

Anders hat sich allerdings die FBG Kierspe-Rönsahl auf einer Mitgliederversammlung entschieden. Gründe wollte der Vorstand der Meinerzhagener Zeitung nicht nennen. Im Gegenteil, bereits getätigte Aussagen des ersten Vorsitzenden der FBG Bernd Stubenrauch wurden wieder zurückgenommen. Statt dessen verwies dieser auf die nächste Jahreshauptversammlung, die allerdings noch nicht terminiert sei.

Mitglieder, die namentlich nicht genannt werden möchten, sind nicht so zurückhaltend. Von einem „politischen Zeichen“, das man setzen möchte, ist da die Rede, oder von der „Willkür des Landes“.

Hevendehl kann die Verärgerung zwar im Grundsatz verstehen, will aber anhand von Zahlen verdeutlichen, dass sich die finanzielle Belastung für die Waldbesitzer in Grenzen hält: „Ein Waldbesitzer, der zehn Hektar sein Eigen nennt, hat bislang etwa 30 Euro im Jahr bezahlen müssen, in Zukunft sind es rund 60 Euro pro Jahr. Dem gegenüber steht aber auch ein Ertrag von rund 2000 Euro pro Jahr – gerechnet auf ein langjähriges Mittel. Außerdem sind mit den 60 Euro alle Leistungen bezahlt, die der Landesbetrieb erbringen lässt. Außer dem Holzverkauf, der nicht gefördert wird, da dieser rein wirtschaftlicher Natur ist und keine Gemeinwohlaspekte enthält“

Doch auch in Zukunft werden die Waldbauern Leistungen einkaufen wollen. Nimmt er dafür den Förster in Anspruch, muss er nun einen Stundensatz zahlen, der 68 Euro ohne Mehrwertsteuer beträgt, macht Hevendehl deutlich. Größere Betriebe, die über eine Fläche von mehr als 50 Hektar verfügten, müssten ohne FBG-Vertrag auch auf Zuschüsse zur Instandhaltung der Wege, zu Waldschutzmaßnahmen und Kulturpflege verzichten.

Zu dem dauerhaften Verbleib der beiden Förster in Kierspe wollte sich Hevendehl nicht äußern. „Personalfragen werden an anderer Stelle entschieden“, erklärt er. Dafür macht er kräftig Werbung für den Landesbetrieb: „Der Landesbetrieb Wald und Holz hat viel in die Infrastruktur investiert, um die kleinen Waldbesitzer zu fördern. Wir bieten kurze Wege, ein geschlossenes System und sehr wirtschaftliches Arbeiten.“

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