Erster Handgriff in die große Halle des Hüllochs

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Nicht nur zahlenmäßig ein starkes Team: Die Hülloch-Forscher von der Speläogruppe Sauerland versammelt vor dem Höhleneingang. ▪

KIERSPE ▪ Die Forscher sind auf der Jagd nach der großen Halle, die Bestandteil des Hüllochs sein soll. Darum ranken sich viele geheimnisvolle Geschichten und Mythen: Nicht nur, dass von einem dort in grauer Vorzeit verborgenen Schatz erzählt wird, auch die Schanhollen, das Pendant der Kölner Heinzelmännchen, ist eng mit der Kiersper Höhle verbunden.

Außerdem soll die Halle Erkundungsberichten aus dem 19. Jahrhundert zur Folge die beträchtlichen Dimensionen von 80 Metern Länge und 30 Metern Höhe haben. Während des Dreißigjährigen Krieges hat sie der Landbevölkerung als Zuflucht gedient, so dass sich tiefer in der Höhle womöglich noch interessante archäologische Zeugnisse finden lassen. Nicht zuletzt geht es aber auch um seltene Höhlentiere, die vielleicht zu entdecken sind. Auf einige Raritäten wie eine besondere Spezies des Höhlenflohkrebses sind die Biologen bereits gestoßen. Die Artenliste aus den Dreißiger Jahren nach Griepenburg umfasst insgesamt 55 Arten, die teilweise auch heute nachgewiesen werden können. Darunter Würmer, Schnecken, andere Krebstiere, Tausenfüßler, Urinsekten, Zweiflügler, Köcherfliegen, Schmetterlinge, Webspinnen, Milben, Käfer und Fledermäuse.

Was klingt wie der Stoff für einen Naturwissenschaftskrimi oder Abenteuerroman ist in der Praxis mühevolle Detailarbeit. So hoffen die Wissenschaftler bereits seit Monaten auf den Durchbruch im wahrsten Sinne des Wortes. Doch stoßen sie auf immer neue Hemmnisse und Widrigkeiten, die den Fortschritt behindern. Viel jedoch verbirgt sich tatsächlich nicht mehr zwischen dem derzeitigen erforschten Teil und dem riesigen Höhlenraum, davon jedenfalls ist Björn Wegen, der auch diesmal wieder ganz weit vorne tätig war, fest überzeugt. Denn als er seine Hand nach vorne steckte, fühlte er nichts als weichen Schlick. Er konnte fast einen Meter tief hineinfassen. Das könnte der Untergrund des Höhlensees sein, der sich in der großen Halle befinden soll, oder aber ein Stück Hallensumpf. Es wird von mehreren Bächen in diesem Bereich berichtet.

„Wir dürfen jetzt nicht mehr tiefer graben, sondern müsse den Kies des alten Versturzes wegräumen, um über das Wasserobenflächenniveau zu kommen und dort dann auch zu bleiben“, sagte Wolfgang Hänisch, Vorsitzender der Speläogruppe Sauerland, wie die weitere Vorgehensweise aussieht. Problem ist schon länger, dass immer größere Mengen Wasser in den hinteren erforschten Teil hineinlaufen und erst abgepumpt werden müssen, bevor es weitergehen kann. Diesmal hatte sich durch die Sedimente sogar das eigens verlegte Rohrleitungssystem zugesetzt, so dass es aus dem Grund komplett entfernt werden musste. Denn es war nicht mehr möglich, genug Wasser abzupumpen. „Bei der nächsten Aktion verlegen wir Rohre mit einem größeren Durchmesser“, so Hänisch.

Danach war somit schon nach rund 20 Minuten Schluss mit den Arbeiten im hinteren Höhlenteil. Stattdessen wurde mit vereinten Kräften damit weitergemacht, den Grabungsabraum aus früheren Zeiten im vorderen Höhlengang wegzuräumen. Da es sich aber um größere Mengen handelt, zeichnet sich ab, dass dies noch lange Zeit dauern wird. Dabei wurden die Schienen der Lorenbahn gleich um vier Meter verlängert, damit das Material schneller hinaus befördert werden kann. Testweise haben die Speläo-Mitglieder auch nach unten gegraben und stießen erst rund einen halben Meter unter der Bahn auf den gewachsenen Felsboden, was nochmals dokumentierte, wie viel Arbeit allein im vorderen Höhlenteil noch wartet.

Auch diesmal waren wieder zahlreiche Kiersper Helfer zur Stelle, so dass zwei Teams gebildet wurden. Die Mitglieder von Team A sind bei jeder Aktion dabei, so dass ständig eine Mannschaft von mindestens acht Helfern gesichert ist. „Diese Stärke brauchen wir stets, um weiterzumachen“, macht Hänisch aufmerksam. Team B darf ganz nach Interesse kommen.

Weiter geht es das nächste Mal am 22. Juni, denn die Treffen sind vor allem auch wegen anderer Projekte der Speläo-Gruppe Sauerland derzeit alle sechs Wochen.

Rolf Haase

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