Gemüsesnacks sind im Alltag nicht gefragt

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Pommes frites und Currywurst sind in deutschen Kantinen besonders beliebt. ▪

KIERSPE ▪ Pommes frites, Schokoriegel oder ein Burger vom Imbiss um die Ecke: Einer aktuellen Forsa-Studie zufolge ernähren sich viele Deutsche ungesund. Auch die Kiersper Ernährungsberaterin Andrea Haase macht die Erfahrung, dass gerade im Arbeitsalltag gesunde Ernährung oft schwer fällt.

„Betriebskantinen haben den größten Zulauf, wenn Pommes mit Currywurst auf der Speisekarte stehen“, sagt Andrea Haase. Wenn sie Firmen besuche, um diese zu beraten, spreche sie immer auch mit dem Koch oder Kantinenmitarbeitern. Und da höre sie eben häufig, dass Angestellte vor allem Pommes frites und Wurst essen wollen.

„Viele nehmen nichts mit zur Arbeit und essen dann abends viel oder kaufen sich zwischendurch etwas“, sagt die Ernährungsberaterin. „Man sollte das besser planen und so essen, wie man den Tag über Leistung bringen muss.“ Obst, Gemüse und Vollkornbrot empfiehlt sie als kleine Mahlzeiten für den Arbeitstag.

Wo es keine Kantine gibt, können sich die Angestellten oft Brötchen und andere Kleinigkeiten aus einem Automaten ziehen. „Bei unserem Mitarbeiterstamm von 130 Kollegen lohnt sich keine Kantine“, sagt Sabine Köhnke vom Kiersper Unternehmen Backhaus. „Die Leute sparen ja überall.“ Ein Zulieferer befüllt einen Snackautomaten jeden Morgen mit frischen belegten Brötchen und Süßigkeiten. Wer mag, bekommt zum Kaffee auch ein Stück Kuchen.

Der Chef eines anderen Unternehmens machte sich Sorgen um Gesundheit und Figur seiner Mitarbeiter. Er beauftragte Andrea Haase, zusammen mit dem Automatenzulieferer Karsten Zachau aus Kierspe ein anderes Konzept zu erarbeiten. Gemüsesnacks schlug die Ernährungsberaterin vor und Müsliriegel als Alternative zu kalorienhaltigen Schokoriegeln.

„Wir haben Salate und Möhren angeboten“, sagt Karsten Zachau. Schnell räumte er das Gemüse aber wieder aus seinem Snackautomaten: „Die Mitarbeiter haben das nicht angenommen.“ Selbst Vollkornbrötchen gingen schlechter weg als weiße.

Eine Erfahrung, die zeigt, dass die Firmen nicht unbedingt Einfluss auf das Essverhalten ihrer Angestellten haben. „Das entscheidet jeder für sich selbst“, betont Andrea Haase. Auch die Forsa-Studie weist nach, dass viele Menschen über gesunde Ernährung Bescheid wissen. Auf dem Teller landen trotzdem viel Fett und Zucker.

„Wir essen oft eher aufgrund unserer Psyche und hören weniger auf den Körper“, bestätigt die Ernährungsberaterin. „Man gönnt sich ja sonst nichts“, sei ein typischer Satz, wenn es ums Essen gehe. „Der Körper bräuchte aber eine gewisse Regelmäßigkeit.“

Constanze Raidt

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