Schwere Schäden bei heimischen Landwirten

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In vielen Bereichen hat der Mais durch das Unwetter aus der vergangenen Woche schweren Schaden genommen, so auch bei Wennekamps in Höhlen. ▪

KIERSPE ▪ Hagel und Sturm des Unwetters aus der vergangenen Woche haben einer der wichtigsten Futterpflanzen der heimischen Region an vielen Stellen schweren Schaden zugefügt. Die Blätter der Maispflänzchen sind regelrecht zerfetzt und Stängel zuhauf abgeknickt, so dass viele Landwirte schon erwägen, etwas anderes nachzupflanzen. Auf dem Hof Wennekamp in Höhlen hoffen Heinz und Nico Wennekamp immer noch, dass sich ein Großteil der Pflanzen doch noch erholt. Problem sei, dass die Assimilationsfläche der Blätter kleiner und somit die Photosythese eingeschränkt ist.

„Zwar sind die meisten Flächen betroffen, aber es gibt auch welche, wo der Mais praktisch gar keinen Hagelschaden aufweist wie beispielsweise in Beckinghausen, allenfalls Windschaden. Der allerdings ist gering, weil die Pflanzen noch nicht so groß sind und so viel Widerstand boten“, berichten die beiden Bauern. Insgesamt findet bei Wennekamps auf 22 Hektar Maisanbau statt. Die Felder liegen dabei in bis zu zehn Kilometer Entfernung, ein Großteil jedoch auch in der Nähe des Hofes.

Die Meinerzhagener Zeitung begleitet die Landwirte Heinz Wennekamp aus Höhlern und Reiner Grafe aus Vornholt, die beiden Vorsitzenden des landwirtschaftlichen Ortsverbandes, in diesem Jahr im Rahmen einer Serie durch das Jahr und ermöglicht den Lesern so einen Blick hinter die Kulissen moderner landwirtschaftlicher Betriebe.

Maiskörner werden gelegt, wofür es eine spezielle Maschine gibt: die Maisdrille. Es handelt sich dabei heute um ein hochtechnisiertes Gerät, das vom Schlepper gezogen wird und die Körner in Reihen ausbringt. Dabei gibt es Maisdrillen, die vier Reihen abdecken, aber auch sechs und acht. Wennekamps verfügen über keine eigene Maschine, sondern beauftragen einen Lohnunternehmer. Die Firma Kausemann war mit einer achtreihigen Maisdrille Anfang Mai vor Ort und hatte einen ganzen Tag lang zu tun, denn diese Arbeit ermöglicht nur eine sehr langsame Fahrtgeschwindigkeit von gerade mal vier bis sechs Stundenkilometern.

Eine Maisdrille ist als Direktsaat-Maschine ausgelegt. Durch die angebaute Rollschare wird der Dünger aus dem Düngerbehälter, es wird Diammonphosphat als Unterfußdüngung zugegeben, sowie auch das Saatgut genau dosiert direkt in die Erde eingeschlitzt. „Wir bringen pro Hektar rund 90 000 Körner aus. Allgemein werden acht bis elf Pflanzen pro Quadratmeter vorgesehen“, macht Nico Wennekamp aufmerksam. Der Reihenabstand betrage bei ihnen 75 Zentimeter.

Zwar gehen nicht alle Körner auf, doch die meisten. Gering fällt in der Regel zudem die Ausfallquote vor allen Dingen durch Vogel- und Mäusefraß aus. Ungünstiger wirkte sich dagegen in den vergangenen Wochen das Wetter mit Kälte und Dauerregen aus. „Aus dem Grund waren zahlreiche Pflanzen lange auffällig gelb. Erst durch die wärmeren Temperaturen hatten sie sich etwas erholt, wurden grün bis dunkelgrün, so wie der Mais sein soll. Und dann kam am Donnerstag vor einer Woche das heftige Unwetter“, betonen die beiden Bauern.

Verwendet wird ausschließlich zertifiziertes Saatgut erster Güte. Bei Wennekamps werden vier verschiedene Sorten Mais eingesetzt. Beliebt war früher besonders die Sorte Kalvin, die jedoch in diesem Jahr durch einen Nachfolger abgelöst wurde. „Wir haben neben Saludo und Tokala noch LG 30.218 ZS und LG 31.223 ZS aufgebracht“, informieren die zwei Landwirte. Immer öfter löst beim Mais eine Nummer den Namen, der früher gebräuchlich war, ab.

Ausgesucht wird die Sorte abhängig von den Prüfergebnissen. „Ganz wichtig ist es da, die Höhenlage zu beachten, weil die Pflanzen hierzulande eine geringere Reifezeit haben. Zu erkennen ist dies an der FAO-Zahl, der Reifezahl.

Wenn der Mais höher steht, auch Frucht angesetzt hat und die Kolben schon reifen, dann beginnen sich die Wildschweine für ihn zu interessieren, die es im heimischen Raum in großer Zahl gibt. Folge sind oft massive Verwüstungen. Heinz und Nico Wennekamp haben extra einen Elektrozaun um die Felder gezogen, der zumindest etwas Schutz bietet.

Abhängig vom Standort und den Bodenverhältnissen sowie auch von der Sorte und der Witterung wird die Ernte voraussichtlich gegen Ende Oktober eingefahren. Dabei kommt ein Häcksler wie bei der Grassilageernte zur Anwendung. Auch der Mais wird im Silo eingelagert, so dass er als Viehfutter dann das ganze Jahr über, vor allem natürlich im Winter, zur Verfügung steht.

Rolf Haase

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