Auf in den Wald: Überall und auch zu jeder Zeit

Förster Uwe Treff ist auch gerne mit seinem Hund im Wald unterwegs. Gerne auch ohne Leine – das ist allerdings nur auf den Wegen erlaubt. Foto: Becker

Kierspe - Es gibt nicht viele Flächen, auf denen Menschen, die dort nicht Eigentümer sind, so viele Rechte haben wie im Wald. Trotzdem bleiben Konflikte nicht aus – vielleicht auch gerade wegen der eingeschränkten Rechte der Eigentümer und wohl auch oft in Unkenntnis der Gesetzeslage.

Von Johannes Becker

Es ist erst ein paar Monate her, da kündigte ein Waldbesitzer an, seine Fläche einzäunen zu wollen, um das Abladen von Schutt und Grünschnitt zu verhindern. Diesem Ansinnen konnte Revierförster Uwe Treff nur entschieden widersprechen. „Das wäre Aussperren aus dem Wald – und da gibt es so gut wie keine rechtfertigenden Möglichkeiten.“

Doch solche Anliegen der Waldbesitzer sind auch eher die Ausnahme, häufiger sind dagegen Konflikte mit Hundebesitzern oder zwischen Hundefreunden und Jagdpächtern. „Wobei wir hier immer von Einzelfällen und wenigen Unbelehrbaren sprechen“, betont Treff und lobt die Mehrheit der Jäger, Hundebesitzer und Waldeigentümer für ihr konfliktfreies Verhalten.

„Grundsätzlich darf jeder Mensch zum Zwecke der Erholung den Wald betreten und das auch zu jeder Zeit“, erklärt Treff. Und wenn er vom Betreten des Waldes spricht, dann meint er das auch so. Denn auch abseits der Wege wandelt der Tourist noch auf sicherem rechtlichen Boden. Doch kein Gesetz ohne Ausnahme, das gilt auch im deutschen Wald. So dürfen Kulturen, Dickungen, offensichtlich gesperrte Flächen und Naturschutzgebiete nicht betreten werden. „Sperrungen dürfen dabei jedoch nur zeitlich begrenzt und mit gutem Grund ausgesprochen werden, beispielsweise, um wissenschaftlich zu arbeiten oder um die Gefährdung von Menschen bei Waldarbeiten zu verhindern“, erklärt der Förster, der aber auch betont, dass das Betreten des Waldes auf eigene Gefahr geschieht. Herabfallende Äste, umstürzende Bäume und unebener Boden werden dabei als waldtypische Gefahren gesehen. „Steht im Wald jedoch eine Bank, eine Schutzhütte oder auch nur eine Schranke, gilt eine Sicherungspflicht, da dort Menschen angelockt oder gezwungen werden, einen anderen Weg zu gehen“, so Treff.

Wobei nach den Ausführungen des Försters die Schranke auch noch gut sichtbar gestaltet werden müsse, um ein Dagegenlaufen oder -fahren zu verhindern.

Das Befahren des Waldes mit Kraftfahrzeugen ist zwar nur Menschen mit einem besonderen Interesse, also Eigentümern, Jagdpächtern oder Förstern gestattet, aber auch Fahrradfahrer und die Benutzer von Krankenfahrstühlen dürfen den Wald befahren – wenn auch nur auf Wegen. Doch manche Umwegung um eine Schranke sperrt den Rollstuhlfahrer aus. Treff: „Das darf aber nicht sein. Der Waldbesitzer muss dafür sorgen, dass dieser einen Weg neben einer Schranke findet.“ Somit sei es auch verboten, einen Stamm quer über den Weg zu legen oder auch nur den Eindruck zu erwecken, das Betreten sei verboten. „Ideelle Sperrung“ nennt das der Gesetzgeber.

Doch auch wenn die Menschen den Wald nahezu uneingeschränkt betreten dürfen, mitnehmen aus dem Wald dürfen sie nichts – außer Beeren und Pilzen für den eigenen Bedarf, sofern diese nicht unter Schutz stehen. „Das Mitnehmen eines abgeworfenen Geweihs ist sogar Wilderei“, führt Treff aus, gleiches gelte für die Mitnahme toter Tiere.

Aber auch die Tiere der Waldbesucher unterliegen besonderen Auflagen: So dürfe Hunde nur auf den Wegen unangeleint laufen – vorausgesetzt sie sind unter des Kontrolle des Besitzers. Geht es querfeldein, ist die Leine vorgeschrieben.

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