Förderverein verhinderte Schließung der Bibliothek

Karin Derksen übernahm 2002 den Vorsitz vom kürzlich verstorbenen Bernd Schnapp. Seit 2012 ist Hermann Reyher Vorsitzender. Fotos: Negel-Täuber

Kierspe -  „Ist die Stadtbibliothek noch zu retten?“ Es war im Frühjahr 1994, als engagierte Kiersper Bürger mit Aushängen und Flugblättern auf die extrem angespannte Situation der Stadtbibliothek hinwiesen. „Man kann es wöchentlich in der Zeitung lesen, einflußreiche Kräfte dieser Stadt wollen die Bibliothek zumachen,“ schrieben die Verfasser und tatsächlich stand die Institution Stadtbibliothek zu dieser Zeit „auf der Kippe“.

Von Birgitta Negel-Täuber

Das Flugblatt, von Bernd Schnapp „im Sinne des Presserechts“ verantwortet, war ein Aufruf zur Gründung eines Fördervereins, der die Bibliothek ideell und finanziell unterstützen sollte.

Der Aufruf sorgte für Wirbel in der Kommunalpolitik, zeigte aber Wirkung. Dreißig Bürger folgten ihm am 14. April 1994 und das drohende Politikum endete in einer sehr harmonischen Gründungsversammlung. So jedenfalls beurteilten Vertreter der heimischen Presse die Versammlung.

Von Anfang an sahen die Mitglieder des neugegründeten Fördervereins ihre Aufgabe darin, die Attraktivität der Bücherei durch Zuschüsse zum Erwerbungsetat zu steigern. Der sei so gering, dass die Stadtbibliothek substantiell gefährdet sei, waren sich die Teilnehmer der Versammlung einig. Geld sollte bereitgestellt werden über Mitgliedsbeiträge und den Erlös aus Veranstaltungen.

Der neue Verein wuchs, vor allem Lehrer der Gesamtschule traten in großer Zahl bei. Auch der frischgebackene Vorsitzende Bernd Schnapp war zu dieser Zeit an der Gesamtschule als didaktischer Leiter tätig. Bis 2002 leitete er den Verein, seine Nachfolger wurden Karin Derksen und seit 2012 Hermann Reyher.

Mit Elan stellten sich die Aktiven der neuen Aufgabe und hoben als erstes die „Kiersper Literaturtage“ aus der Taufe. So renommierte Autoren wie Peter Härtling und Klaus Modick kamen ins PZ der Gesamtschule, mit Gregor Gysi und Heiner Geissler wurden politische Schwergewichte eingeladen.

Die Stadtbibliothek konnte in diesen Jahren einen stetigen Zuwachs an Lesern und Entleihungen verbuchen. Von diesem Aufschwung zeugt auch heute noch ein Plakat im Thekenbereich der Bibliothek. Unter dem Titel „Kierspe liest“ sind dort zahlreiche Kiersper Bürger zu sehen, die bei ihrem bevorzugten Hobby fotografisch abgebildet wurden.

Die Literaturlesungen sind inzwischen in die Hände von KuK übergegangen; der Literaturkreis und der Geschichtenspaß für Kinder finden weiterhin in der Stadtbibliothek und seit einigen Jahren auch in der Zweigstelle Rönsahl statt und werden vom Förderverein unterstützt. Darüber hinaus veranstaltet der Verein auch weiterhin Lesungen heimischer Autoren.

Der ursprüngliche Anlass, aus dem der Förderverein vor zwanzig Jahren gegründet wurde, ist heute so aktuell wie eh und je.

Die Buchpreise sind in den letzten zwanzig Jahren stark gestiegen, dafür sind die Zuschüsse des Landes weitgehend weggefallen und die Finanzsituation der Stadt Kierspe weiterhin prekär. Die wichtigste Aufgabe ist deshalb nach wie vor die Unterstützung der Bibliothek bei der Anschaffung eines aktuellen und attraktiven Buchbestandes.

Dieser Selbstverpflichtung kommt der Verein mit seinen aktuell 88 Mitglieder zuverlässig nach, über 50 000 Euro brachte er seit seiner Gründung zusammen. Im Mai können die Mitglieder das zwanzigjährige Bestehen ihres Vereins feiern.

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