Hälfte ohne Elementarversicherung

Flutschaden: Ein Teil der Betroffenen geht leer aus

feuerwehr kierspe
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Auch in Kierspe wurden zahlreiche Gebäude durch das Hochwasser beschädigt. Die Versicherungen zahlen aber nur, wenn eine Elementarschadenversicherung besteht.

„Im Kiersper Bereich sind die Schäden zum Glück nicht so groß, wie in Altena, Hagen oder dem Ahrtal. Trotzdem sind auch hier etliche Werte vernichtet worden“, sagt Stephan Jatzkowski, Inhaber der Provinzial-Agentur in Kierspe.

Kierspe – 20 Schäden habe er bislang in Kierspe aufgenommen. „Genau die Hälfte hatte keine Elementarschadenversicherung und wird leer ausgehen, die andere Hälfte bekommt ihre Schäden erstattet“, berichtet er. Dass sich eine solche Versicherung durchaus lohnen kann, wird auch bei ihm sichtbar. Jatzkowski: „Einer der Schäden, die wir jetzt regulieren ist sechststellig und ein anderer in einem höheren fünfstelligen Bereich.“

StadtKierspe
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl 16.089 (31. Dezember 2020)

Bereits in der Woche vor dem Hochwasser habe man noch einmal gezielt Kunden auf die Elementarschadenversicherung hingewiesen. Jetzt sei das nicht mehr nötig, „denn wir haben eine enorme Zunahme an Nachfragen und auch schon etliche neue Abschlüsse“.

Teil der Betroffenen geht leer aus: Profi empfiehlt Elementarschadenversicherung

Der Versicherungsprofi sagt aber auch, dass die Elementarschadenversicherung zwar sehr sinnvoll sei und gut angelegtes Geld, „denn es geht dann oft wirklich ums die wirtschaftliche Existenz“, doch es gebe auch Schäden, die nicht von dieser Versicherung abgedeckt seien. Als Beispiel nennt er Grundwasser, dass durch die Fundamente oder das Mauerwerk eindringe. „Diese Schäden sind nur dann versichert, wenn das Grundwasser auch auf dem Grundstück aus dem Boden austritt. Genau solch einen Fall hatten wir bei dem Hochwasser vor drei Wochen“, berichtet Jatzkowski.

Wir haben einen Kunden, der niemals mit einem Hochwasser gerechnet hätte und jetzt einfach nur froh ist, dass er die Versicherung trotzdem hatte.

Stephan Jatzkowski

Und mit dem Rückstau aus dem Kanal gebe es noch einen zweiten Fall, bei dem die Schäden nicht immer reguliert würden. „Es gibt Gesellschaften, die nur dann Leistungen erbringen, wenn eine sogenannte Rückstauklappe eingebaut wurde. Bei der Provinzial richten wir uns nach den Vorgaben der Kommune. In Kierspe beispielsweise wird eine solche Klappe nicht gefordert, deshalb regulieren wir auch Schäden bei einem Rückstau aus der Kanalisation“, sagt Jatzkowski, „der Einbau ist aber trotzdem sicher sinnvoll. Allerdings, wenn der Druck zu groß wird, dann brechen diese auch.“

Dass die Elementarschadenversicherung nicht nur bei den Kunden gefragt ist, die bislang keine hatten, sondern auch von denen anders gesehen wird, die diese schon länger hatten, hat der Kiersper bei diesem Hochwasser erfahren können.

Teil der Betroffenen geht leer aus: Über 30.000 Schäden landesweit

„Wir haben einen Kunden, der niemals mit einem Hochwasser gerechnet hätte und jetzt einfach nur froh ist, dass er die Versicherung trotzdem hatte. Doch nicht nur Gebäude und deren Einrichtung nehmen bei einem Hochwasser Schaden, sondern auch Fahrzeuge. Nach vorläufigen Schätzungen verwandelten sich bei dem Ereignis vor drei Wochen rund 40.000 Fahrzeuge in Deutschland in Schrott. „Auch gegen solche Schäden kann man sich versichern, denn diese werden reguliert, wenn eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen wurde“, erläutert Jatzkowski, der auch die Zahlen der Provinzial liefern kann.

Demnach wurden bislang 33.142 Schäden im ganzen Land durch das Hochwasser bei dieser Gesellschaft gemeldet, darunter rund 29.000 Gebäudeschäden – bei dem Rest handelt es sich um Fahrzeuge, die durch das Hochwasser beschädigt oder zerstört wurden.

„Insgesamt schätzt die Provinzial, dass sie Schäden in Höhe von mehr als 761 Millionen Euro regulieren muss“, erzählt Jatzkowski. Er weist aber auch darauf hin, dass „sein“ Konzern Marktführer bei den Gebäudeversicherungen ist. Knapp ein Drittel der Gebäude in Deutschland sollen dort versichert sein.

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