Steigende Flüchtlingszahlen treffen Kierspe hart

Kierspe - Bis der Mann aus Guinea aus dem Übergangslager in Hemer eintraf, wurde die Geduld des zuständigen Flüchtlingssachbearbeiters der Stadtverwaltung auf eine harte Probe gestellt. „Man kann nie sagen, wann der Bus, der immer mehrere Kommunen anfährt, eintrifft“, erklärt Patrick Sgobio.

Von Rolf Haase

Er registriert seit eineinhalb Jahren kontinuierlich steigende Flüchtlingszahlen und befürchtet, dass bei der Unterbringung schon im Herbst größere Schwierigkeiten entstehen. Bereits jetzt ist das Flüchtlingswohnheim in Vollme mit rund 40 Männern fast voll.

Allein die finanziellen Zuweisungen des Landes für den Asylbereich zeigen, in welche Richtung es geht: Waren es 2013 insgesamt 64,31 Millionen Euro, sind für 2014 schon 91,13 Millionen Euro kalkuliert. „In Kierspe erhielten wir 2013 69 000 Euro zuzüglich 15 000 Euro“, gibt Patrick Sgobio an. Aber die tatsächlichen Ausgaben, die die Kommune hat, liegen um ein Vielfaches höher: Bei den Grundleistungen sind es 320 000 Euro, wovon jetzt im August bereits 228 000 Euro ausgegeben waren. Für die Krankenhilfe weist der Haushalt 120 000 Euro aus, bislang angefallen sind aber nur 33 000 Euro. Aufschluss über den Trend beim Flüchtlingsstrom gibt genauso die Zahl der beim Bundesamt gestellten Asylanträge: Insgesamt wurden in 2014 bislang 67 441 eingereicht, im Juni waren es 12 077, aber im Vergleichsmonat des Vorjahres gab es nur 8408 Erstanträge, was einen Anstieg um 43,6 Prozent bedeutet.

Dem neuangekommenen Asylbewerber aus Guinea wurde eine Unterkunft am Herlinghauser Weg angewiesen. Patrick Sgobio zahlte außerdem das ihm laut Asylbewerberleistungsgesetz zustehende Geld aus. Vom Regelsatz in Höhe von monatlich 362 Euro waren das anteilsmäßig für die 19 Tage bis 31. August 221,87 Euro zuzüglich 50 Euro für die Erstausstattung. Ab September wird die Leistung dann auf sein Konto bei der Sparkasse, das für alle Asylbewerber eingerichtet wird, überwiesen. „Außerdem erhalten Neuankömmlinge ein neues Kopfkissen und die dazugehörige Bettdecke“, zeigt Sgobio auf den Stapel in seinem Büro.

Bei dem Wohnheim in Vollme handelt es sich um eine schlichte Unterkunft mit 14 Wohnungen in zwei Gebäuden, die äußerst spartanisch eingerichtet sind. Es gibt im Verhältnis zur Zahl der Bewohner relativ wenige Duschen und Toiletten – und die befinden sich auf den Fluren. Immer wieder werden die Wohnverhältnisse von den dort lebenden Menschen kritisiert, teilweise ebenfalls die Abgelegenheit fernab vom Zentrum mit den Einkaufsmöglichkeiten.

Frauen und Familien werden in Kierspe dezentral untergebracht, wobei die Stadt als Vermittlerin der Wohnungen auftritt. Mieter sind die Asylbewerber selbst. Die Unterkunftskosten einschließlich Nebenkosten übernimmt die Kommune. Darüberhinaus gibt es Geld im Fall von besonderem Bedarf wie für den Bereich Bildung und Teilhabe. Auch die Krankenhilfe wird gesondert abgerechnet, wobei für Flüchtlinge in Kierspe eine freie Arztwahl gilt.

Die Asylbewerber im Märkischen Kreis kämen aus den Übergangslagern Hemer und Schöppingen im Münsterland, berichtet der Stadtmitarbeiter weiter. Allein in diesem Jahr wurden Kierspe 26 Personen zugewiesen, vier aus Algerien, drei aus Bangladesch und zwei aus Syrien. Ansonsten kamen sie aus Marokko, Ghana, Eritrea, Georgien, Somalia, Sri Lanka, Indien oder dem Libanon. „Wir haben es derzeit mit 56 Fällen im laufenden Asylverfahren zu tun. Weil darunter auch Familien sind, sind das etwa 80 bis 90 Menschen.“ Damit liegt Kierspe bei der Asylbewerberquote um fünf Personen im Rückstand, in Meinerzhagen sind es sechs, in Halver sieben und in Hagen elf Personen. Maßgeblich für die Zuweisungsquote sind die Einwohnerzahl und Flächengröße der Kommune.

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