Ungewöhnliche Flötentöne

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Die unterschiedlichsten Klangmöglichkeiten einer Flöte lotete das Ensemble „Flauto concertango“ unter der Leitung von Renate Raschke aus. ▪

KIERSPE ▪ Abgeknickte Flöten, Flöten die Ähnlichkeit mit einer Gartenwasserpumpe hatten, oder zwei Kontrabassblockflöten, die aussahen, als kämen sie aus dem größten Möbelhaus der Welt: Zu hören war Sonntagnachmittag in der Freien evangelischen Gemeinde das Ensemble „Flauto concertango“.

Es spielte nicht nur Musik aus fünf Jahrhunderten, sondern zeigte auch, auf welche Art eine Flöte gehandhabt werden kann: Orientalisch-mittelalterlich, so erklang erwartungserfüllend das erste Stück, das aus der Zeit um 1320 stammte und von einem unbekannten Komponisten geschrieben wurde.

Doch es blieb an diesem Nachmittag nicht traditionell. Schon kurz darauf spielte das Ensemble eine Motette von Jean-Philippe Rameau, einem französischen Opernchorkomponist, der insgesamt nur vier Motetten komponiert hatte und eine davon war von „Flauto conertango“ zu hören. Nicht weit ist es von Frankreich nach Italien und es folgte das Lieblingsstück der Dirigentin Renate Raschke, eine Sonate in a-moll von Diogenio Bigaglia, einem barocken Meister, der sehr viele sakrale und weltliche Konzerte gegeben hatte.

Sehr ungewöhnlich mutete der Choral „Wohl denen, die da wandeln“ von Heinrich Schütz an, der nur auf Gemshörner gespielt wurde und die klanglich Ähnlichkeiten mit einer Blockflöte hatten. Unterschiedlich groß waren die vier Gemshörner und jede Größe stand für eine Tonart. „Der letzte Frühling“ von Edvard Grieg war ein Ausflug nach Nordeuropa und in das 19. Jahrhundert, gefolgt von zwei Gitarrensoli, gespielt von Peter Klose, Hochschullehrer an der Universität in Dortmund. Nun war die Türe zur zeitgenössischen Musik geöffnet.

„When Shall The Sun Shine“ brachte in die Blockflötenwelt jazzige Töne und das Instrument löste sich von seiner traditionellen Spielweise. Besonders gut zu erkennen war dies bei der Zugabe des Ensembles, bei „Lord, Lord, Lord“, einem Blues, bei dem zwei der Flöten waagerecht gehalten und in sie rhythmisch hineingeblasen wurde.

Es war ein interessantes Konzert, das einer kleinen Zuhörerschaft von rund 30 Frauen und Männern geboten wurde. Wunderschöne Blockflötensoli, hinhörenswerte Jazzrhythmen und einfühlsame traditionelle Stücke, sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Vielfalt dessen, was Sonntagnachmittag zu hören war. Unbekannt sind Renate Raschke und ihr Ehemann Wilfried den Kiersper Gemeindemitgliedern nicht. „Vor 55 Jahren haben wir bereits zusammen in Bläsergruppen zusammen Musik gemacht“, informierte Helmut Speckenbach. „Wilfried Raschke war lange Landesbläserwart und hat uns betreut, während seine Frau Renate uns in unserer Blockflötenphase begleitet hat.“ So war der Sonntagnachmittag nicht nur ein Nachmittag ungewöhnlicher Musik, sondern auch ein Nachmittag des Wiedersehens. ▪ GeG

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